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IKT-eNewsletter Dezember 2004/Januar 2005
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Verleihung Goldener Kanaldeckel

IKT verleiht „Goldenen Kanaldeckel 2004“

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur hat zum dritten Mal den Preis "Goldener Kanaldeckel" verliehen. Damit zeichnet das Gelsenkirchener Forschungs- und Prüfinstitut einmal im Jahr einzelne Mitarbeiter von Kanalnetz-Betreibern für herausragende Leistungen beim Bau, Betrieb und Erhalt einer modernen und zukunftsweisenden Kanalinfrastruktur aus. Als Symbol für diesen Preis steht ein Kanaldeckel, weil Kanaldeckel die sichtbare Schnittstelle zwischen Bürger und Kanalisation sind. Er bringt Bewusstsein in die Öffentlichkeit, dass Zehntausende Kanalnetz-Mitarbeiter täglich hervorragende und engagierte Leistungen zum Erhalt der Kanalisation für die Allgemeinheit erbringen.

Die diesjährige Preisverleihung fand am 30. November 2004 anläßlich des 10jährigen Jubiläums des IKT statt. Überreicht wurden die Preise, bestehend aus einer Trophäe in Form eines goldfarbenen Kanaldeckels mit 10 cm Durchmesser, einer Anstecknadel und einem Preisgeld, von Frau Staatssekretärin Christiane Friedrich vom NRW-Umweltministerium. Der Preisverleihung wohnten 200 Gäste bei, die anschließend die Preisträger und den IKT-Geburtstag feierten.

Die diesjährigen Preisträger sind:

1. Platz:

Preisträger:       Dipl.-Ing. Jürgen Malzkuhn

                      Technische Werke Burscheid

                      Technischer Vorstand

Projekt:            „Gesteuerter Stauraumkanal in Kaskaden-Schwall-Technik“

Preisgeld:         EUR 3.000,00

 

2. Platz:

Preisträger:       Dipl.-Ing. Frank Büser

                      Stadtentwässerungsbetriebe Köln

                      Abteilungsleiter

Projekt:            „Kölner Modell zur ganzheitlichen Prüfung und Sanierung von            

                      Grundstücksentwässerungsleitungen“

Preisgeld:         EUR 2.000,00

 

3. Platz:

Preisträger:       Dipl.-Geogr. Andreas Benstem

                      Wirtschaftsbetriebe Duisburg – Stadtentwässerung

                      Leiter der Arbeitsgruppe Geoinformationssystem

Projekt:            „Digitales Abwasserbeseitigungskonzept“

Preisgeld:         EUR 1.000,00

 

 

 

Die Preisträger wurden von einer Jury bestimmt, bestehend aus:

  • Artur Graf zu Eulenburg, Redakteur bi-UmweltBau

  • Dr. Helmuth Friede, Geschäftsführer Güteschutz Kanalbau

  • Dipl.-Ing. Volkmar Holzhausen, Leiter der Stadtentwässerung Frankfurt/Main

  • Dr. Eckhart Treunert, Referatsleiter im NRW-Umweltministerium

  • Dipl.-Ök. Roland W. Waniek, Geschäftsführer des IKT

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Im einzelnen begründet die Jury ihre Entscheidung wie folgt:

1. Platz:

Preisträger:       Dipl.-Ing. Jürgen Malzkuhn

                      Technische Werke Burscheid

                      Technischer Vorstand

Projekt:            „Gesteuerter Stauraumkanal in Kaskaden-Schwall-Technik“

Preisgeld:         EUR 3.000,00

Laudatio:

Hoher persönlicher Einsatz, technische Innovation, Wirtschaftlichkeit, Umweltfreundlichkeit und Bürgerfreundlichkeit: All diese Elemente, die bei der Bewertung von Vorschlägen für die Verleihung des „Goldenen Kanaldeckels“ eine Rolle spielen sollen, sind in der Bewerbung enthalten, der die Jury den ersten Preis in diesem Jahr zuerkannt hat. Der Preisträger ist Jürgen Malzkuhn, Technischer Vorstand der Technischen Werke Burscheid.

Im Stadtgebiet von Burscheid liegt in einem Talkessel ein altes Regenüberlaufbecken. Die Bebauung reicht an einer Seite bis auf 20 Meter an das Becken heran. Beschickt wurde es über eine Rutsche, die als ständige Lärmquelle von herabfließendem Abwasser deutlich wahrzunehmen war. Die Anlieger hatten sich mit dieser Anlage wegen laufender Überschwemmungen und der Belästigungen durch Lärm, Geruch und Fliegen nie abgefunden.

Diese alte Anlage entsprach schon lange nicht mehr dem Stand der Technik und war hydraulisch und baulich zu sanieren. Die zunächst vorgesehene und im April 1996 genehmigte Variante bestand aus einem konventionellen Rechteckbetonbecken mit vorgeschaltetem Wirbelgrobabscheider und nachgeschaltetem Regenrückhaltebecken. Diese neue, viel größere und komplett offene Anlage hätte auf Grund der nach wie vor zu erwartenden Belästigungen nie die Unterstützung der Bürger gefunden, war sich Jürgen Malzkuhn sicher und dachte über geschlossene Alternativen nach. Heraus kam die Idee eines mit computergesteuerter Wehrtechnik ausgestatteten Stauraumkanales mit mittiger Entlastung, wie er in Nordrhein-Westfalen dieser Konsequenz noch nicht gebaut und genehmigt wurde.

Hierin lag jedoch genau das Problem dieser technisch anspruchsvollen Alternative, die zwar aus baulicher Sicht kostengünstiger und risikoloser zu erstellen war, über die jedoch keine Bemessungsregeln in den gültigen Regelwerken und keine Betriebserfahrungen vorlagen. Entsprechend groß waren zunächst die Skepsis und der Widerstand bei den unterschiedlichen Entscheidungsträgern.

Jürgen Malzkuhn war jedoch von der Richtigkeit des Konzeptes überzeugt. Er argumentierte mit großer Ausdauer gegen zum Teil hartnäckige Bedenken für die Lösung, die er für die bessere hielt. Er initiierte wissenschaftliche Gutachten, er brachte die örtliche Politik auf seine Seite nach rund drei Jahren beharrlicher Überzeugungsarbeit gab die Genehmigungsbehörde 1999 grünes Licht für Umsetzung des Projektes und für einen dreijährigen, von einem Forschungsvorhaben begleiteten Probebetrieb der Anlage.

Inzwischen lässt sich folgendes bilanzieren: Die erwarteten Kosteneinsparungen beim Bau der Anlage konnten wie prognostiziert realisiert werden. Ein dazu erstelltes wissenschaftliches Gutachten kommt zu dem Schluss: „Zusammenfassend hat sich der Stauraumkanal mit mittiger Entlastung und beweglichen Wehren in betrieblicher Hinsicht bewährt. Auch ist davon auszugehen, dass der mit dieser Lösung erzielte Stoffrückhalt am Standort Luisental in aller Regel weit über dem einer konventionellen Lösung in Form eines kompakten Durchlaufbeckens liegt, sofern man für die Planungsvariante sedimentative Wirkungsgrade in realistischer Größenordnung ansetzt.“

Und auch in der Stadt Burscheid ist man sehr zufrieden, da es seit der Fertigstellung der Anlage keine Beschwerden mehr über Lärm- und Geruchsbelästigung gegeben hat, was beim Betrieb der alten Anlage an der Tagesordnung war.

Die Realisierung dieser technisch innovativen Lösung, die ihre Vorteile im inzwischen dreijährigen Betrieb in Burscheid so umfassend bestätigen konnte, ist nach Ansicht der Jury entscheidend dem persönlichen Engagement und Einsatz von Jürgen Malzkuhn zu verdanken, der mit der Verleihung des „Goldenen Kanaldeckel“ anerkannt werden soll.

 
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2. Platz:

Preisträger:       Dipl.-Ing. Frank Büser

                      Stadtentwässerungsbetriebe Köln

                      Abteilungsleiter

Projekt:            „Kölner Modell zur ganzheitlichen Prüfung und Sanierung von

                      Grundstücksentwässerungsleitungen“

Preisgeld:         EUR 2.000,00

Laudatio:

Die Betreiber öffentlicher Abwasseranlagen – Abwasserbetriebe der Städte/Gemeinden, Abwasserverbände, Anstalten öffentlichen Rechts – haben pflichtgemäß die Inspektionen und Schadensfeststellungen in ihren Kanalnetzen weitgehend abgeschlossen. Darauf aufbauende Sanierungsvorhaben sind teilweise ausgeführt, teilweise in der Ausführung oder fest eingeplant. Für die durch schadhafte, insbesondere undichte Abwasserkanäle zu besorgenden Beeinträchtigungen der Umwelt zeichnen sich also für den öffentlichen Bereich konkrete Lösungen ab.

Dies gilt noch nicht für die in privater Verantwortung liegenden Anschlusskanäle und Grundleitungen der Grundstücksentwässerungen. Die Gesamtlänge dieser Leitungen übertrifft die der öffentlichen Kanäle um ein Vielfaches, und ihr Zustand ist nach Meinung der Fachwelt sicher nicht besser. Der Zustand dieser Leitungen wurde bisher nur punktuell und nur selten systematisch untersucht, und zwar aus folgenden Gründen:

  • die Rechte und Pflichten der Abwasserbetriebe, der verschiedenen beteiligten Behörden und der Grundstückseigentümer richten sich nach unterschiedlichen Rechtsgebieten und Regelwerken

  • die Grundstückseigentümer sind sich ihrer Verantwortung in den seltensten Fällen bewusst

  • die Betreiber öffentlicher Abwasseranlagen sind „nicht zuständig“ und sie haben nur eng begrenzte Eingriffsrechte im privaten Bereich

  • Wasser- und Bauaufsichtsbehörden werden nur in begründeten Verdachtsfällen tätig.

Diese Diskrepanz ist in der Fachwelt bekannt, und nur in seltenen Fällen wird das Problem aktiv angegangen. Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln haben im Rahmen ihres Leitbildes die Verantwortung für eine ganzheitliche Stadtentwässerung übernommen und bieten mit dem „Kölner Modell zur ganzheitlichen Prüfung und Sanierung von Grundstücksentwässerungsleitungen“ den Grundstückseigentümern die Möglichkeit, gestützt auf einen fachkompetenten Partner der Verantwortung für ihre Anschlusskanäle und Grundleitungen gerecht zu werden. Angeboten wird – auf Kosten des Grundstückseigentümers – eine fachgerechte Inspektion und Druckprüfung der privaten Abwasserleitungen und, falls erforderlich, eine Beratung über Instandsetzungsmöglichkeiten einschließlich der Empfehlung kompetenter Fachfirmen.

Herr Frank Büser wurde vor zwei Jahren zum Leiter diese Projekts bestellt. Es ist sein persönliches Verdienst, dass sich das Kölner Modell inzwischen erfolgreich etabliert hat und dass die von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln angebotenen Leistungen von den durch Werbemaßnahmen und gezielte Kontaktaufnahmen angesprochenen Grundstückseigentümer gerne angenommen werden. Mit großem Engagement hat Herr Büser für die Bereitstellung von Personal und für die Anschaffung zweier für die Inspektion und Reinigung von Anschlusskanälen und Grundleitungen geeignete Fahrzeuge gesorgt und die Arbeitsabläufe zur Überprüfung der betreffenden Leitungen organisiert und optimiert. Herr Büser hat eine Werbekampagne (Flugblatt „Oben Hui, unten ....?“) mitgestaltet und es dabei verstanden, Rundfunk und Presse einzubeziehen. Mittels intensiver Information konnte die für den Einzelnen eher abstrakten Ziele des Umweltschutzes bei in der Erde liegenden Abwasserleitungen vermittelt und bei den Grundstückseigentümern die Einsicht für die Notwendigkeit geweckt werden, sich mit dem Zustand der Abwasserleitungen zu befassen und Maßnahmen zu ergreifen.

Herr Frank Büser hat im weiteren  Anbieter von Instandsetzungsmaßnahmen auf Zuverlässigkeit und Sachkunde überprüft, um Grundstückseigentümern geeignete Unternehmer für fällige Arbeiten vorschlagen zu können, und in Zusammenarbeit mit der Straßen- und Tiefbauinnung Köln einen Preisspiegel mit empfohlenen Richtpreisen erarbeitet.

Das Kölner Modell ist durch Herrn Büsers engagierten Einsatz zum Erfolgsmodell geworden. Es ist ohne weiteres auf andere Abwasserbetriebe übertragbar und kann diesen zur Nachahmung im Interesse der Umwelt und der über ihre Verantwortlichkeit für die privaten Abwasserleitungen zumeist nur sehr unzureichend informierten Bürgerinnen und Bürger empfohlen werden.

 
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3. Platz:

Preisträger:       Dipl.-Geogr. Andreas Benstem

                       Wirtschaftsbetriebe Duisburg – Stadtentwässerung

                       Leiter der Arbeitsgruppe Geoinformationssystem

Projekt:            „Digitales Abwasserbeseitigungskonzept“

Preisgeld:          EUR 1.000,00

Laudatio:

Kanalnetzbetreiber sind verpflichtet, alle 5 Jahre ein Abwasserbeseitigungskonzept - kurz ABK genannt - aufzustellen. Bisher werden hierfür meist analog gezeichnete Kartenwerke erstellt mit all ihren bekannten Nachteilen.

Angemessene Beachtung verdient deshalb Herr Dipl.-Geogr. Andreas Benstem und sein Team für ihre Ideen und ihren Einsatz zum Projekt „Digitale Darstellung des Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK) der Wirtschaftsbetriebe Duisburg“.

Dieses Projekt, für dessen erfolgreiche Bearbeitung Herr Andreas Benstem geehrt wird, zeichnet sich aus durch ein besonders hohes Maß an:

  • technologischer Innovation,

  • Wirtschaftlichkeit und

  • Bürgerfreundlichkeit.

Bei der Umsetzung des Projektes wurden folgende Aufgaben gelöst:

  • Stammdaten des Kanalmanagementsystems SICAD-KANDIS wurden verifiziert und entsprechend den Vorgaben ergänzt. Weiterhin wurde das Ausgabeformat und die graphische Ausprägung der Symbole erarbeitet und digital umgesetzt. 

  • Eine universell einsetzbare PC-Plattform wurde gefunden, die jedem den Zugriff auf das ABK ermöglicht, auch dem Bürger. Für die allgemeine digitale Nutzung des ABK wurde der Acrobat Reader gewählt.

Eine Herausforderung war die Plandarstellung. Die Pläne wurden im pdf-Format angelegt und mit der Software Adobe Acrobat verlinkt. Nach Fertigstellung aller Einzeldokumente und Pläne wurden diese zu einer verlinkten Projektdatei verbunden, welche dann auf CD gebrannt wurden. Nach Erstellung des digitalen ABK wurde die pdf-Datei schreibgeschützt auf einem Server abgelegt.

Insgesamt sind folgende Vorteile erkennbar:

  • Planungsgruppen erkennen online bei der Aufstellung von Planungsmaßnahmen, welche Baumaßnahmen im ABK ausgewiesen sind.

  • Der Betrieb kann sofort die Lage von Einleitungen und Übergabestellungen abrufen.

Durch Versand per E-Mail oder als CD werden Kosten eingespart. Eine analoge Komplettfassung des ABK würde aus 18 farbigen DIN AO Plänen, 9 farbigen DINA3 Plänen und 231 Seiten Text bestehen, wobei 25 Seiten ebenfalls farbig wären. Das digitale ABK kann über das GIS jederzeit den aktuellen Verhältnissen angepasst werden.

Das digitale ABK kann für die Erstellung von Wirtschaftsplänen oder zur Übersicht laufender Baumassnahmen genutzt werden. Das digitale ABK ist aktives Planungsinstrument. Jeder Mitarbeiter kann die von ihm benötigten Informationen jederzeit abrufen.

Zusammenfassung:

Das neue digitale ABK zeichnet sich aus durch:

1.  Schnelle Zugriffsmöglichkeit auf planungs-, wirtschafts- und betriebsrelevante Daten für alle Abteilungen im Geschäftsbereich Stadtentwässerung, aber auch für externe Stellen wie Bezirksregierungen, Staatliche Umweltämter, Genossenschaften etc.

2.  Deutliche Reduzierung von Personalkosten und Sachmittelaufwendungen durch automatisierte Weiterführung des ABK

3.  Verbesserung des Verständnisses für Abwasserbeseitigungskonzepte durch Transparenz und Internet-Zugriff. Damit ist dieses Projekt technisch innovativ, wirtschaftlich und bürgerfreundlich. Es hat den Preis „Goldener Kanaldeckel 2004“ verdient.

 
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Der „Goldene Kanaldeckel 2004“ wird gesponsert von:

  • Beck GmbH Kanal- und Schachtgeräte

  • Brandenburger Liner GmbH & Co.

  • Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG

  • epros Umweltschutztechnik GmbH

  • ERGELIT TROCKENMÖRTEL UND FEUERFEST GMBH

  • Fachgemeinschaft Guss-Rohrsysteme (FGR)

  • HOBAS Rohre GmbH

  • HOCHTIEF Construction AG

  • Ingenieurbüro Udo Wiese

  • Insituform Rohrsanierungstechniken GmbH

  • LOOS PUR Technik e.K.

  • Städtler + Beck Prüf- und Absperrtechnik GmbH

 

 

Für weitere Informationen
wenden sie sich bitte an:

Roland W. Waniek
IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur
Exterbruch1, Gelsenkirchen
Tel.: 0209 17806-0
Fax: 0209 17806-88
Email: waniek@ikt.de





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