Schlauchliner-Statik: Was trägt das Altrohr wirklich?

Ausbau eines Schlauchliners mitsamt Altrohr für Untersuchung

Ein mit einem Schlauchliner sanierter Rohrabschnitt wird ausgebaut, um seinen Zustand nach mehreren Betriebsjahren zu untersuchen.

Schlauchliner-Statik: Eine einzige falsche Annahme kann die gesamte Sanierung auf eine falsche Grundlage stellen. Denn ob die Sanierung dauerhaft trägt, entscheidet sich nicht allein am Materialnamen oder an einer rechnerischen Wanddicke. Entscheidend ist, ob Altrohrzustand, Grundwasser, Ovalität, Ringspalt und Werkstoffkennwerte realistisch angesetzt wurden – und ob der auf der Baustelle ausgehärtete Liner diese Vorgaben tatsächlich erreicht.

Was Netzbetreiber über dieses Zusammenspiel wissen müssen, besprechen Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und Dr.-Ing. Mark Klameth, Leiter Statik und Berechnungsmodelle am IKT, in der Podcast-Folge „KanalSpezial – Statik von Schlauchlinern“.

Die zentrale Botschaft des Gesprächs lautet:
Der Schlauchliner wirkt nie losgelöst vom Bestand.
Seine Tragwirkung lässt sich nur im Gesamtsystem aus Liner, Altrohr und Boden richtig bewerten. Deshalb beginnt eine belastbare Statik nicht mit der Software, sondern mit der richtigen Beschreibung der tatsächlichen Randbedingungen.

Was Betreiber aus der Podcast-Folge „Statik von Schlauchlinern“ mitnehmen

  • Warum der Schlauchliner auch im Altrohrzustand 3 nicht sämtliche Lasten allein übernimmt
  • Weshalb Altrohrzustand 3 nicht automatisch der ungünstigste Lastfall ist
  • Wie Grundwasser, Ovalität und Ringspalt die erforderliche Wanddicke beeinflussen
  • Warum ein hoher E-Modul keine beliebig dünne Linerwand erlaubt
  • Was der Langzeit-E-Modul tatsächlich beschreibt – und was nicht
  • Wie Baustellenproben zeigen, ob die geplanten Kennwerte im eingebauten Liner erreicht wurden
  • Warum unabhängige Statik und unabhängige Materialprüfung zusammengehören

Die vollständige Folge gibt es auf Spotify zu hören.

Blau-weißer Schlauchliner in einem dickwandigen Betonrohr, fixiert mit Spanngurten und einer Anschlussplatte.

Der Schlauchliner trägt nicht allein: Das deutlich dickwandigere Altrohr bleibt Teil des tragenden Systems.

Ein neues Rohr im alten – aber kein Ersatz für das gesamte Tragwerk

Beim Schlauchlining wird ein harzgetränkter Schlauch in den vorhandenen Kanal eingezogen oder inversiert und vor Ort ausgehärtet, beispielsweise mit Warmwasser, Dampf oder UV-Licht. So entsteht ein eng am Altrohr anliegendes Rohr. Der hydraulische Querschnitt bleibt weitgehend erhalten, während die Undichtheit des Bestands beseitigt werden soll.

Für das Ergebnis gelten vier Anforderungen: Standsicherheit, Dichtheit, Dauerhaftigkeit und Betriebssicherheit. Die Statik betrachtet dabei nicht nur den Liner. Sie betrachtet das Gesamttragwerk aus Liner, Altrohr und umgebendem Boden.

Genau hier liegt ein verbreitetes Missverständnis: Ein Liner macht aus einem geschädigten Kanal nicht automatisch ein vollständig neues, allein tragendes Rohr. Das Altrohr ist meist wesentlich dickwandiger und steifer als der vergleichsweise dünne Kunststoffliner. Es bleibt daher Teil des tragenden Systems.

Verkehrsschild mit Tempo 10 für Lkw auf 50 Metern wegen Kanalschäden an einer innerstädtischen Straße.

Wie viel ein geschädigtes Altrohr noch trägt, ist eine zentrale Frage der Schlauchliner-Statik.

Drei Altrohrzustände – drei unterschiedliche Aufgaben für den Liner

Die Einteilung in Altrohrzustände beschreibt, welche Aufgabe der Liner im vorhandenen Rohr-Boden-System übernehmen muss:

  • Altrohrzustand 1: Das Altrohr ist undicht, aber standsicher. Der Liner dichtet ab und nimmt den äußeren Wasserdruck auf. Erd- und Verkehrslasten werden weiterhin vom Altrohr-Boden-System getragen.
  • Altrohrzustand 2: Das Altrohr ist gerissen und ovalisiert, bildet mit dem Boden aber noch ein standsicheres System. Der Liner übernimmt die Abdichtung und den Außenwasserdruck. Die zusätzliche Ovalität erzeugt Biegemomente und kann eine größere Wanddicke erfordern.
  • Altrohrzustand 3: Das Altrohr-Boden-System weist keine ausreichende globale Sicherheit mehr auf. Der Liner unterstützt den Bestand als Teil eines kombinierten Tragwerks. Im Podcast nennt Klameth als typische Größenordnung eine Übernahme von etwa 15 bis 20 Prozent der Lasten durch den Liner. Er ersetzt das Altrohr dabei nicht.

Praxispunkt für Betreiber:
Der Altrohrzustand ist keine frei wählbare Rechenoption. Er muss aus Befunden zu Rissen, Verformungen, Material, Belastungsgeschichte und Rohr-Boden-System fachlich hergeleitet werden.

Warum Altrohrzustand 3 nicht automatisch maßgebend ist

IKT-Prüfingenieur untersucht die Rissbildung an einem Betonrohr während einer Scheiteldruckprüfung.

Ein IKT-Prüfingenieur untersucht die Rissbildung an einem Betonrohr während der Scheiteldruckprüfung.

„Mehr Schaden“ bedeutet nicht zwangsläufig „größere erforderliche Wanddicke“. Klameth erläutert im Podcast, dass je nach Kombination von Ringspalt, Grundwasserstand, Überdeckung und Ovalität auch der Altrohrzustand 2 maßgebend sein kann.

Eine belastbare Bemessung untersucht deshalb mehrere Lastfallkombinationen: minimale und maximale Wasserstände und Überdeckungen, Berechnungen mit und ohne Ringspalt sowie die relevanten Altrohrzustände. Die erforderliche Wanddicke ergibt sich aus der ungünstigsten Kombination – nicht aus der pauschalen Vorgabe, immer nur Altrohrzustand 3 zu rechnen.

Ebenso wichtig ist die Schadensursache. Ist das Rohr altersbedingt geschädigt oder wurde es überlastet, etwa durch höhere Verkehrslasten oder eine veränderte Überdeckung? Ein Liner kann eine grundsätzliche Überlastung oder Fehlbemessung des vorhandenen Systems nicht automatisch „heilen“.

Film starten: Außenwasserdruck lässt Wasser durch den Ringspalt zwischen eingebautem Schlauchliner und Altrohr fließen.

Der kleine Ringspalt mit großer Wirkung

Nach der Aushärtung kann zwischen Liner und Altrohr ein Ringspalt entstehen. Im Podcast wird als typische Modellannahme etwa 0,5 Prozent des Radius genannt. Dieser kleine Abstand kann das Stabilitätsverhalten deutlich beeinflussen: Liegt der Liner nicht vollständig am Altrohr an, kann er sich unter Außendruck freier verformen. Die Gefahr des Beulens steigt.

Auch der Grundwasserstand wirkt nicht eindimensional. Ein höherer Wasserstand erhöht zwar den Außendruck auf den Liner. Gleichzeitig vermindert der Auftrieb die wirksamen Erdlasten auf das Altrohr. Welche Kombination tatsächlich maßgebend ist, muss die Statik ermitteln.

Hoher E-Modul heißt nicht automatisch dünner Liner

IKT-Prüferin mit zwei unterschiedlich dicken Schlauchliner-Proben

Präzise Messung notwendig: Wanddicken fallen unterschiedlich aus.

Glasfaserliner können wesentlich höhere Kurzzeit-E-Moduln und Festigkeiten erreichen als klassische Nadelfilz- oder Synthesefaserliner. Rechnerisch eröffnet das Potenzial für geringere Wanddicken und weniger Material. Praktisch setzen jedoch Mindestwanddicken und vor allem der Stabilitätsnachweis Grenzen.

Bei einer sehr dünnen Wand kann nicht die Materialfestigkeit, sondern das Beulen maßgebend werden. Ein besonders hoher E-Modul ist deshalb kein Freifahrtschein für eine beliebig dünne Konstruktion. Spannung und Stabilität müssen gemeinsam betrachtet werden.

Wanddicke und E-Modul gehören untrennbar zusammen: Die IKT-Prüfstelle weist darauf hin, dass beide Größen gemeinsam die Steifigkeit des Liners bestimmen. Unterschreitet der eingebaute Liner die statisch erforderliche Kompositwanddicke oder den angesetzten E-Modul, kann die Standsicherheit gefährdet sein.

Mitarbeiterin der IKT-Prüfstelle kontrolliert Schlauchliner-Probekörper bei einer Langzeitprüfung mit Messuhren.

Gemessen wird Kriechen, nicht Alterung: Im Langzeitversuch zeigt sich, wie sich der Schlauchliner unter dauerhaft wirkender Belastung verformt.

Langzeit-E-Modul beschreibt Kriechen – nicht Alterung

Der Langzeit-E-Modul wird häufig missverstanden. Er beschreibt, wie sich der Liner unter einer über lange Zeit konstant wirkenden Beanspruchung verformt. Kunststoff kriecht: Die Verformung nimmt mit der Zeit zu. Der Kennwert bildet diesen Effekt für die statische Berechnung ab.

Er beschreibt dagegen nicht die Alterung des Materials durch chemische Angriffe, Temperatur oder andere Umwelteinwirkungen. Dauerhaftigkeit muss gesondert bewertet werden. Wer Langzeitverhalten und Alterung gleichsetzt, vermischt zwei unterschiedliche Fragestellungen.

Innendruck und Außendruck sind zwei verschiedene Welten

Abwasserdruckleitung mit Flanschverbindungen, Armaturen und Manometer in einem Pumpwerk.

Abwasserdruckleitung im Pumpwerk: Im Betrieb dominiert der Innendruck. Im Revisionsfall kann Außendruck durch Grundwasser zum maßgebenden Lastfall werden.

Bei Freispiegel- und Drucklinern sind unterschiedliche Beanspruchungen zu beachten. Innendruck erzeugt vor allem Zugspannungen: Das Rohr wird nach außen beansprucht. Außendruck kann dagegen zu einem Stabilitätsversagen durch Beulen oder Kollaps führen.

Ein Innendrucknachweis lässt sich daher nicht einfach auf den Außendruckfall übertragen. Das ist besonders bei Drucklinern wichtig: Auch ein für dauerhaften Innendruck ausgelegtes System kann im Revisionsfall ohne Innendruck unter anstehendem Grundwasser einen kritischen Außendrucklastfall erfahren.

Die Statik plant die Qualität – die Baustellenprobe weist sie nach

Schlauchliner unterscheiden sich grundlegend von werkseitig fertig produzierten Rohren: Ihre endgültigen geometrischen und mechanischen Eigenschaften entstehen erst bei der Aushärtung auf der Baustelle. Deshalb endet die Qualitätssicherung nicht mit der Berechnung.

Mitarbeiter der IKT-Prüfstelle legt eine Schlauchliner-Probe für den Drei-Punkt-Biegeversuch in die Prüfmaschine ein.

Drei-Punkt-Biegeversuch an einer Schlauchliner-Probe: Die IKT-Prüfstelle bestimmt den Kurzzeit-E-Modul und die Biegespannung des Laminats.

Die IKT-Prüfstelle für Schlauchliner prüft neutral und unabhängig Baustellenproben im Auftrag der Bauherren. Der Prüfbericht dokumentiert, ob die geforderten Qualitätskriterien erreicht wurden.

Zum Mindestprüfumfang nennt die IKT-Prüfstelle den Drei-Punkt-Biegeversuch zur Bestimmung von Kurzzeit-E-Modul und Biegespannung sowie die Dichtheitsprüfung des Laminats. Hinzu kommt die Kontrolle der mittleren Kompositwanddicke. Erweiterte Prüfungen können unter anderem Spektralanalyse, Reststyrolgehalt, Füllstoff- und Glasgehalt, 24-Stunden-Kriechneigung und spezifisches Gewicht umfassen.

  • Kurzzeit-E-Modul: Er beschreibt die Steifigkeit des eingebauten Liners.
  • Biegefestigkeit: Sie zeigt, welche Biegespannung der Liner bis zum Versagen aufnehmen kann.
  • Mittlere Kompositwanddicke: Sie wird mit der statisch erforderlichen Mindestwanddicke verglichen.
  • Wasserdichtheit: Sie zeigt, ob das Laminat seine zentrale Abdichtungsfunktion erfüllt.

Rechnen und Prüfen müssen dieselbe Sprache sprechen.
Die Statik legt fest, welche Eigenschaften erforderlich sind. Die Materialprüfung zeigt, welche Eigenschaften auf der Baustelle tatsächlich entstanden sind.

Mitarbeiterin der IKT-Prüfstelle mit Schutzbrille führt im Labor eine mechanische Prüfung an einer Schlauchliner-Probe durch.

Neutral und unabhängig: Schlauchliner-Prüfungen im IKT-Labor

IKT-Kompetenz: Statik, Materialprüfung und Rohr-Boden-System aus einer Hand

Das IKT verbindet drei Perspektiven, die bei anspruchsvollen Linermaßnahmen zusammengehören:

  • Unabhängige Statik: Berechnungen für Rohr- und Schachtliner, Kreis- und Sonderprofile sowie Finite-Elemente-Berechnungen für besondere Geometrien und Randbedingungen
  • Unabhängige Materialprüfung: Prüfung von Schlauchliner-Baustellenproben und Bewertung, ob die ausgeschriebenen Qualitätskriterien erreicht wurden
  • Bewertung im Bestand: Analyse des tatsächlichen Rohr-Boden-Systems und Ableitung von Handlungsempfehlungen für Auftraggeber

Die IKT-Prüfstelle ist vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) als Überwachungsstelle für Schlauchliner und Kurzliner anerkannt und von der Deutschen Akkreditierungsstelle für ausgewählte mechanisch-technologische Prüfungen an Schlauchlinern und Kunststoffen akkreditiert.

IKT-Mitarbeiter mit dem MAC-Messsystem in einem begehbaren Mauerwerkskanal mit Eiprofil.

Das MAC-System im Einsatz: Kontrollierte Mikrobelastungen und präzise Verformungsmessungen ermöglichen eine zerstörungsfreie Bewertung des Rohr-Boden-Systems.

MAC-Verfahren: Das Rohr-Boden-System zerstörungsfrei bewerten

Für begehbare Großprofile ergänzt das vom IKT entwickelte MAC-Verfahren diese Kompetenz. Das Verfahren untersucht das Rohr-Boden-System zerstörungsfrei mit kontrollierten Mikrobelastungen und Verformungsmessungen. So lässt sich die Resttragfähigkeit des Bestands fundierter bewerten – eine wichtige Grundlage, wenn pauschale Annahmen zu unnötigen Sanierungen oder zu unterschätzten Risiken führen könnten.

Die IKT-Statik erstellt unabhängige Berechnungen, prüft besondere Geometrien und Werkstoffe und bewertet die gelieferte Liner- und Rohrqualität mit konkreten Handlungsempfehlungen für Auftraggeber.

Was Auftraggeber vor der Freigabe einer Linerstatik prüfen sollten

  • Ist der Altrohrzustand aus den tatsächlichen Befunden nachvollziehbar hergeleitet?
  • Sind Schadensursache, Grundwasserstand, Überdeckung und Verkehrslasten plausibel erfasst?
  • Wurden Ovalität und Ringspalt realistisch berücksichtigt?
  • Sind Kurzzeit- und Langzeitkennwerte korrekt zugeordnet?
  • Wurden alle relevanten Lastfallkombinationen gerechnet?
  • Stimmen erforderliche Wanddicke und ausgeschriebene Materialkennwerte überein?
  • Ist festgelegt, wie die geforderten Werte an der Baustellenprobe nachgewiesen werden?
  • Wird die Statik unabhängig erstellt oder zumindest unabhängig geprüft?

Finite-Elemente-Modell eines Rohr-Boden-Systems mit Berechnungsnetz und farbig dargestellter Verformungsverteilung.

Erst das System verstehen, dann rechnen: Das Finite-Elemente-Modell bildet das Tragverhalten von Rohr und umgebendem Boden unter Belastung ab.

Fazit: Gute Linerstatik beginnt vor dem Rechnen

Eine sichere Schlauchlinersanierung entsteht nicht durch einen einzelnen hohen Materialkennwert. Sie entsteht aus einer nachvollziehbaren Zustandsbewertung, realistischen Lastannahmen, einer unabhängigen Berechnung und der Kontrolle des tatsächlich eingebauten Produkts.

Für Betreiber heißt das:

  • Altrohr, Liner und Boden als gemeinsames Tragwerk betrachten,
  • den Altrohrzustand aus Befunden ableiten,
  • mehrere Lastfallkombinationen statt nur eines pauschalen „Worst Case“ untersuchen,
  • E-Modul, Wanddicke und Stabilität gemeinsam bewerten,
  • Langzeitverhalten und Alterung sauber trennen,
  • die in der Statik angesetzten Materialkennwerte und die erforderliche Wanddicke durch unabhängige Baustellenprüfungen nachweisen.

Kurz gesagt: Eine standsichere, dichte und dauerhafte Sanierung ist das Ziel. Eine belastbare Statik und nachgewiesene Baustellenqualität sind der Weg dorthin.

KanalSpezial – der KomNetABWASSER-Podcast des IKT

Dr.-Ing. Mark Klameth, IKT

Dr.-Ing. Mark Klameth ist der Statik-Experte des IKT.
klameth@ikt.de

Folge IKT06: Statik von Schlauchlinern – mit Dr.-Ing. Mark Klameth

Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und Dr.-Ing. Mark Klameth sprechen über Altrohrzustände, Ringspalt, Werkstoffkennwerte, Freispiegel- und Druckliner, das MAC-Verfahren und typische Missverständnisse bei der Schlauchliner-Statik.

Podcast auf Spotify hören
Podcast-Seite des KomNetABWASSER
Zum Nachlesen: KanalSpezial Infodienst

Vom Rechenblatt auf die Baustelle: Schlauchliner-Qualität sicher beurteilen

Verfahren verstehen, Qualitätsprüfungen bewerten, Sanierungsfehler vermeiden.

Workshop: Was Bauherren über Schlauchliner wissen müssen

Wer Schlauchliner ausschreibt, abnimmt oder prüft, muss wissen, welche Zahlen tragen – und welche nur gut aussehen.

Im IKT-Workshop „Schlauchliner in der Kanalsanierung“ vermitteln Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und Dipl.-Ing. Dieter Homann, Leiter der IKT-Prüfstelle für Bauprodukte, das entscheidende Wissen aus Bauherrensicht.

Nächster Termin:
9. November 2026, online

Im Workshop geht es unter anderem um:

  • Qualitätsverantwortung und Altrohrzustände
  • Einbauverfahren, Werkstoffe, Wandaufbau und Beanspruchung
  • Qualitätsprüfungen, Baustellenproben und IKT-LinerReport
  • Regelwerke und Zulassungen
  • statistische Nachweise und Schlauchliner für Abwasserdruckleitungen
  • Vorgehen bei Sanierungsfehlern

Programm öffnen und zum Workshop anmelden

Weiterführende IKT-Informationen

Unabhängige Schlauchliner-Prüfungen:
IKT-Prüfstelle für Schlauchliner

Unabhängige statische Berechnungen:
IKT-Statik für Rohr- und Schachtliner

Alle Folgen von KanalSpezial:
KanalSpezial – der KomNetAbwasser-Podcast des IKT

Unsere weiteren Seminare und Lehrgänge:

www.ikt.de/seminare




IKT startet neue „Studienreihe Stadtentwässerung“

Teilnehmer bei einem IKT-Seminar im fachlichen Austausch zur Stadtentwässerung

Der nächste Schritt: Fachkunde Stadtentwässerung. Die IKT-Studienreihe eröffnet Mitarbeitern sowie Neu- und Quereinsteigern einen systematischen Weg zu höherwertigen Aufgaben und neuen Karrierechancen. Foto: Arne Pöhnert

Fachkräfte fehlen. Potenzial nicht. Vielleicht arbeitet die Lösung längst bei Ihnen.

Der Arbeitsmarkt allein wird die Fachkräftelücke vieler Abwasserbetriebe nicht schließen. Gleichzeitig sitzen in den eigenen Reihen oft Mitarbeiter, die mehr können – und mehr Verantwortung übernehmen wollen.

Hier setzt die neue IKT-Studienreihe Stadtentwässerung an. Sie bündelt bestehende IKT-Lehrgänge und -Seminare zu einem berufsbegleitenden Qualifizierungsweg. Erfahrene Mitarbeiter bereiten sich auf höherwertige Aufgaben vor, Neu- und Quereinsteiger erwerben systematisch die nötigen Grundlagen. Am Ende steht das IKT-Zertifikat „Fachkunde Stadtentwässerung“.

Die Fachkräfte von morgen arbeiten oft schon im Betrieb

"Die Umwelthelden meiner Stadt" - ein Imagefilm für Stadtentwässerungen

Film starten: „Die Umwelthelden meiner Stadt“ – ein Imagefilm für Stadtentwässerungen

Viele Stadtentwässerungen kennen die Situation: Eine erfahrene Fachkraft geht in den Ruhestand, eine Stelle bleibt unbesetzt oder zusätzliche Aufgaben verteilen sich auf das bestehende Team. Fachwissen wird dadurch schnell zum Engpass.

Die Studienreihe macht aus vorhandenem Potenzial einen planbaren Qualifizierungsweg. Abwasserbetriebe können eigene Mitarbeiter gezielt entwickeln, Wissen im Haus sichern und Neu- oder Quereinsteiger strukturiert einarbeiten. Für die Teilnehmer eröffnet sich die Chance, ihr Wissen zu verbreitern, anspruchsvollere Fachaufgaben zu übernehmen und den nächsten Karriereschritt vorzubereiten.

Aus einzelnen Lehrgängen wird zertifizierte Fachkunde

Zwei Mitarbeiter im fachlichen Gespräch an einem Kanalreinigungsfahrzeug

Praxiswissen im Gespräch: Im Kanalbetrieb kommen Technik, Erfahrung und verantwortliche Entscheidungen zusammen.

Die IKT-Studienreihe richtet sich an Ingenieure, Techniker und Fachkräfte sowie an Ein- und Quereinsteiger mit abgeschlossener Berufsausbildung. Mitmachen können alle, die ihr Wissen aktualisieren, ihren Aufgabenbereich erweitern oder mehr Verantwortung übernehmen möchten.

Insgesamt umfasst die Studienreihe 15 Studienwochen. Sie ist berufsbegleitend angelegt, kann jederzeit begonnen und nach individueller Zeiteinteilung absolviert werden. Empfohlen wird eine Verteilung über ein bis drei Jahre.

 

15 Studienwochen. Vier Schritte. Ein klares Ziel.

Die Teilnehmer bauen ihre Fachkunde systematisch auf und schließen die Studienreihe mit dem IKT-Zertifikat „Fachkunde Stadtentwässerung“ ab.

Vier Schritte zur Fachkunde Stadtentwässerung

Teilnehmer einer Baustellenbesichtigung besprechen Starkregenvorsorge anhand eines Plans

Planung trifft Praxis: Regenwasserbewirtschaftung und Starkregenvorsorge gehören zu den möglichen fachlichen Schwerpunkten der Studienreihe.

  1. Grundlagen: Drei Pflicht-Lehrgänge mit Prüfung schaffen das gemeinsame Fundament: Aufgaben der Stadtentwässerung, Entwässerungsplanung sowie Kanal- und Leitungsbau. Dafür sind sieben Studienwochen vorgesehen.
  2. Vertiefung der Kernkompetenzen: Die Teilnehmer wählen einen Pflicht-Lehrgang aus Kanalbetrieb oder Kanalsanierung und einen weiteren aus Grundstücksentwässerung, Regenwasserbewirtschaftung oder Starkregenvorsorge. Dieser Schritt umfasst fünf Studienwochen.
  3. Individuelle Vertiefung: Weitere 15 Studientage – entsprechend drei Studienwochen – setzen die Teilnehmer nach ihrem Aufgabenfeld und ihren beruflichen Zielen zusammen. Die Pflichtbereiche Arbeitssicherheit, Abwasserreinigung sowie Kommunikation und Unternehmensführung werden durch weitere frei gewählte Lehrgänge und Seminare ergänzt.
  4. Abschlussprüfung: Im Abschlusskolloquium stellen die Teilnehmer das Erlernte einer Prüfungskommission aus Führungskräften ausgewählter Stadtentwässerungen unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler vor. Wer das Kolloquium erfolgreich abschließt, erhält das IKT-Zertifikat „Fachkunde Stadtentwässerung“.

Vom Bauen über das Betreiben bis zum Führen

Fachkräfte beim Einbau eines Schachts auf einer Baustelle

Vom Kanalbau bis zur Sanierung: Die Studienreihe vermittelt Fachwissen über die gesamte Aufgabenbreite der Stadtentwässerung.

Stadtentwässerung ist mehr als ein einzelnes Fachgebiet. Planung, Bau, Betrieb und Sanierung greifen ineinander. Hinzu kommen Regenwasserbewirtschaftung, Starkregenvorsorge, Abwasserreinigung, Arbeitssicherheit sowie Kommunikation und Unternehmensführung.

Die Studienreihe verbindet diese Themen zu einem schlüssigen Gesamtweg. Das gemeinsame Fundament sorgt für Überblick, die Wahlbereiche ermöglichen persönliche Schwerpunkte. So entsteht keine lose Sammlung einzelner Seminare, sondern eine Qualifizierung, die zum Aufgabenfeld und zur beruflichen Entwicklung passt.

Sicher handeln, Verantwortung übernehmen

Wer höherwertige Aufgaben übernimmt, braucht nicht nur technisches Wissen. Er muss Risiken erkennen, Entscheidungen nachvollziehbar treffen und Verantwortung für Menschen, Anlagen und Abläufe übernehmen können. Deshalb gehört Arbeitssicherheit verbindlich zur individuellen Vertiefung.

Fachkraft bei einer Sicherheitsschulung zur Rettung aus einem Kanalschacht

Sicher handeln, Verantwortung übernehmen: Arbeitssicherheit ist fester Bestandteil der individuellen Vertiefung.

Karrierechancen sichtbar machen

Die Studienreihe bringt Teilnehmer und Abwasserbetriebe gemeinsam voran.

Für Teilnehmer bedeutet das:

  • systematisches Fachwissen statt einzelner, unverbundener Weiterbildungen,
  • individuelle Schwerpunkte passend zum eigenen Aufgabenbereich,
  • Begleitung bei Studienplanung und Prüfungsvorbereitung durch Mentoring und
  • einen nachvollziehbaren Kompetenznachweis durch Lehrgangszertifikate und das Abschlusszertifikat.

Für Abwasserbetriebe bedeutet das:

Teilnehmer einer IKT-Veranstaltung im fachlichen Austausch in einer Diskussionsrunde

Wissen im Haus aufbauen: Systematische Qualifizierung bereitet Mitarbeiter auf höherwertige Aufgaben vor und stärkt den Abwasserbetrieb.

  • Personalentwicklung speziell für das Aufgabenfeld Stadtentwässerung,
  • strukturierte Einarbeitung von Nachwuchs- und Quereinsteigern,
  • zielgerichtete Qualifizierung für höherwertige Aufgaben und
  • stärkere Bindung qualifizierter Mitarbeiter an Aufgabenfeld und Arbeitgeber.

Nicht bei null anfangen

Wer bereits an anrechenbaren IKT-Lehrgängen oder Prüfungen teilgenommen hat, beginnt nicht von vorne. Die vorhandenen Bausteine werden berücksichtigt. Die Teilnehmer ergänzen gezielt nur das, was ihnen auf dem Weg zum Abschluss noch fehlt.

KomNetABWASSER erleichtert den Einstieg

KomNetABWASSER

Film starten: Was kann das KomNetABWASSER für Ihren Abwasserbetrieb tun?

Der Gesamtwert der vollständigen Qualifizierung beträgt bei Einzelbuchung aller Lehrgänge, Seminare und Prüfungen sowie Einschreibung, Mentoring, Networking und Abschlusskolloquium 43.080 Euro.

Für Teilnehmer aus dem Kommunalen Netzwerk der Abwasserbetriebe – KomNetABWASSER sind Lehrgänge und Seminare kostenfrei, ebenso Mentoring und Networking. Zu zahlen sind lediglich die jeweiligen Prüfungsgebühren. Damit bietet die Netzwerkmitgliedschaft Abwasserbetrieben einen wirtschaftlichen Weg, Mitarbeiter aus den eigenen Reihen zu entwickeln. Zugleich profitieren alle Mitarbeiter des Teilnehmerbetriebs von den weiteren Leistungen des Netzwerks und der BildungsFlat.

Persönlichen Qualifizierungsweg planen

Ob Neueinstieg oder bereits absolvierte IKT-Lehrgänge: In einem persönlichen Online-Gespräch erläutert das IKT die Studienreihe, prüft die Anrechnung vorhandener Bausteine und entwickelt gemeinsam mit dem Interessenten einen individuellen Qualifizierungsweg.

 

Der nächste Schritt: Fachkunde Stadtentwässerung

Dipl.-Ing. Thomas Brüggemann, Ansprechpartner und Mentor der IKT-Studienreihe Stadtentwässerung

Dipl.-Ing. Thomas Brüggemann begleitet die Teilnehmer als Ansprechpartner und Mentor auf ihrem Weg zur Fachkunde Stadtentwässerung.

Vereinbaren Sie jetzt ein persönliches Orientierungsgespräch und planen Sie mit uns Ihren individuellen Weg zur IKT-zertifizierten „Fachkunde Stadtentwässerung“.

Ihr Ansprechpartner und Mentor:
Dipl.-Ing. Thomas Brüggemann
Telefon: 0209 17806-18
E-Mail: brueggemann@ikt.de

Flyer zur IKT-Studienreihe Stadtentwässerung herunterladen




IKT und CTHR eröffnen Büros in China

Vertreter von IKT und CTHR bei der Eröffnung des gemeinsamen Büros in Peking

Gemeinsamer Auftakt in Peking: IKT und CTHR geben den Startschuss für fünf gemeinsame Büros in China.

China investiert in großem Maßstab in die Infrastruktur unter seinen Städten. IKT und CTHR sorgen gemeinsam dafür, dass Fachkräfte, Wissen und Qualitätssicherung mitwachsen.

Mit einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung in Peking haben beide Partner den Startschuss für ihre gemeinsamen Büros in Peking und vier anderen chinesischen Städten gegeben.

Im Mittelpunkt stehen Aus- und Weiterbildung, internationale Forschungskooperationen und verlässliche Qualitätsstandards für Kanalsanierung und grabenlose Technologien. Rund 60 Gäste kamen zur Eröffnungskonferenz am Hauptsitz der Chengtong Human Resources Company Ltd. (CTHR – 诚通人力资源有限公司) in Peking zusammen.

Startschuss in Peking für fünf gemeinsame Büros

Blick in den Konferenzsaal bei der Eröffnung des gemeinsamen Büros von IKT und CTHR

Rund 60 Gäste diskutierten in Peking, wie Qualifizierung, Forschung und Qualitätssicherung gemeinsam vorangebracht werden können.

CTHR-Geschäftsführer Cheng Gong begrüßte die Teilnehmer der Konferenz. Das IKT war durch Geschäftsführer Roland W. Waniek, den Wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und Yongxiang Qiao, Leiter der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit, vertreten. Sie stellten die geplanten Aktivitäten vor und diskutierten mit den Gästen, wie diese in die Praxis umgesetzt werden können.

CTHR ist ein Tochterunternehmen der China Chengtong Holdings Group Ltd., eines zentral verwalteten chinesischen Staatsunternehmens. Die Kooperation verbindet die fachliche Kompetenz des IKT für unterirdische Infrastruktur mit der Stärke von CTHR in den Bereichen Personalentwicklung und berufliche Qualifizierung.

 

IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek und CTHR-CEO Cheng Gong präsentieren die unterzeichnete Kooperationsvereinbarung in Peking

Partnerschaft besiegelt: IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek (links) und CTHR-CEO Cheng Gong präsentieren die unterzeichnete Kooperationsvereinbarung in Peking.

Fünf Standorte in China:

IKT und CTHR haben gemeinsame Büros in Peking, Shanghai, Chongqing, Jinan und Lanzhou.

Das gemeinsame Ziel:

Fachkräfte qualifizieren, internationale Forschung vernetzen und die Qualität von Kanalsanierung und grabenlosen Technologien in China nachhaltig stärken.

Weiterbildung für Chinas unterirdische Infrastruktur

Vertreter von IKT und CTHR mit der Kanaldeckel-Trophäe am Hauptsitz von China Chengtong

Partnerschaft mit Perspektive: Die IKT-Delegation und Vertreter von CTHR am Hauptsitz der China Chengtong Holdings Group in Peking.

Der Ausbau und die Erneuerung unterirdischer Netze brauchen nicht nur Investitionen und Technik. Entscheidend sind Menschen, die Anlagen fachgerecht planen, bauen, betreiben, prüfen und sanieren können. Genau hier setzt die neue Partnerschaft an.

IKT und CTHR wollen gemeinsam:

  • Aus- und Weiterbildungen für chinesische Fachkräfte der Abwasserwirtschaft anbieten,
  • spezialisierte Bildungsprogramme zur unterirdischen Infrastruktur für Universitäten und Berufskollegs entwickeln,
  • chinesische Wissenschaftler mit internationalen Forschungsprojekten vernetzen,
  • die Anwendung internationaler Standards und bewährter Verfahren in Kanalsanierung und Kanalbetrieb unterstützen,
  • Systeme zur Qualitätssicherung für grabenlose Technologien aufbauen und
  • den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen China und Deutschland vertiefen.

Praxiswissen international nutzbar machen

Yongxiang Qiao spricht bei der Eröffnungskonferenz von IKT und CTHR in Peking

Yongxiang Qiao, Leiter der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit am IKT, erläutert die nächsten Schritte der Kooperation.

Das IKT bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in praxisorientierter Forschung, Prüfung, Weiterbildung und technischer Beratung ein. Im Mittelpunkt stehen seit der Gründung konkrete Fragen von Netzbetreibern. Lösungen werden unter realitätsnahen Bedingungen entwickelt, geprüft und gemeinsam mit Betreibern in die Praxis übertragen.

Dieses Prinzip soll nun stärker für den chinesischen Markt nutzbar gemacht werden. Internationale Standards und Best Practices werden dabei nicht einfach übertragen, sondern auf die jeweiligen technischen, organisatorischen und betrieblichen Rahmenbedingungen zugeschnitten. Forschung, Qualifizierung und Qualitätssicherung sollen eng miteinander verbunden werden.

Großer Investitionsbedarf trifft auf hohen Qualifizierungsbedarf

Vertreter von IKT und CTHR in der ersten Reihe der Eröffnungskonferenz in Peking

Deutsch-chinesischer Austausch aus der ersten Reihe: Vertreter von IKT und CTHR bei der Eröffnungskonferenz in Peking.

Die Zusammenarbeit beginnt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Im Rahmen des 15. chinesischen Fünfjahresplans für 2026 bis 2030 sollen rund 5 Billionen Renminbi – umgerechnet etwa 640 Milliarden Euro – in den Neubau und die Modernisierung von ungefähr 770.000 Kilometern städtischer unterirdischer Leitungsnetze investiert werden.

Infrastruktur in dieser Größenordnung stellt hohe Anforderungen an Planung, Bau, Betrieb und Sanierung. Investitionen allein reichen deshalb nicht aus. Benötigt werden gut ausgebildete Fachkräfte, belastbare Prüf- und Qualitätssicherungssysteme sowie ein kontinuierlicher Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

 

Qualität braucht Qualifikation: Je größer das Investitionsprogramm, desto wichtiger werden fundiertes Fachwissen, klare Standards und nachvollziehbare Qualitätssicherung.

Fünf Standorte für eine breite Präsenz in China

Vorstellung der IKT China Offices bei der Eröffnungskonferenz in Peking

Von Peking aus nach ganz China: Bei der Eröffnungsveranstaltung stellt das IKT die Aufgaben der fünf gemeinsamen Standorte in China vor.

Die Kooperation wird durch gemeinsame IKT-CTHR-Büros in Peking, Shanghai, Chongqing, Jinan und Lanzhou unterstützt. Damit schaffen die Partner eine breite regionale Präsenz und kurze Wege zu Bildungseinrichtungen, Forschungspartnern, Netzbetreibern und Unternehmen in verschiedenen Teilen Chinas.

Die Standorte sollen als Anlaufstellen für Weiterbildungsangebote, Forschungskooperationen und Fragen der Qualitätssicherung dienen. Gleichzeitig erleichtern sie es, regionale Bedarfe frühzeitig zu erkennen und die gemeinsamen Programme praxisnah weiterzuentwickeln.

 

Ein Kanaldeckel als Zeichen der Verbindung

Goldfarbene Kanaldeckel-Trophäe zur Eröffnung des gemeinsamen IKT-CTHR-Büros

Kanaldeckel als Symbol: Die Trophäe zur Büroeröffnung verbindet das Leben über der Erde mit der Infrastruktur darunter.

Zur Eröffnung überreichte die IKT-Delegation den neuen Partnern eine Trophäe in Form eines Kanaldeckels. Das Motiv steht für die Verbindung zwischen dem Leben über der Erde und der Infrastruktur darunter – und damit zugleich für die gemeinsame Aufgabe von IKT und CTHR.

Aus dem symbolischen Auftakt soll nun praktische Zusammenarbeit entstehen: in Bildungsprogrammen, Forschungsprojekten und Systemen zur Qualitätssicherung. Der Austausch zwischen Deutschland und China bietet dabei beiden Seiten die Chance, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und neue Lösungen für leistungsfähige und langlebige unterirdische Infrastruktur zu entwickeln.

Fazit: Investitionen in Infrastruktur brauchen Investitionen in Wissen

Mit fünf gemeinsamen Büros in Peking, Shanghai, Chongqing, Jinan und Lanzhou schaffen IKT und CTHR eine dauerhafte Basis für ihre Zusammenarbeit.

Die Aufgabe ist klar: Fachkräfte qualifizieren, Forschung international vernetzen und Qualität bei Kanalsanierung und grabenlosen Technologien sichern. So kann aus einem ambitionierten Infrastrukturprogramm ein nachhaltiger Modernisierungsschub werden.

IKT: Forschung, Weiterbildung und internationale Zusammenarbeit

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur entwickelt praxisnahe Lösungen für Bau, Betrieb und Sanierung von Kanal- und Leitungsnetzen. Das neutrale und unabhängige Forschungs- und Prüfinstitut verbindet Forschung, Prüfung, Beratung und Weiterbildung.

Mehr über das IKT und seine internationale Arbeit erfahren




Trockene Sommer: Stadtentwässerungen unter Druck

Ausgetrockneter Wasserlauf als Folge anhaltender Trockenheit und Hitze

Trockenheit ist längst ein Betriebsthema: Im Strategiedialog des KomNetABWASSER bündelte das IKT Erfahrungen kommunaler Stadtentwässerungen und strukturierte die nächsten Handlungsfelder.

Weniger Wasser im Kanal heißt nicht weniger Arbeit. Im Gegenteil. Wenn Niederschläge ausbleiben und die Temperaturen steigen, nimmt die Spülwirkung im Kanalnetz ab. Ablagerungen bleiben liegen, Gerüche entstehen schneller und zusätzliche Kanalreinigungen werden erforderlich. Gleichzeitig geraten Regenbecken, Gewässer, Brunnen, Fahrzeuge und nicht zuletzt die Mitarbeiter unter Druck.

Wie gut sind Abwasserbetriebe darauf vorbereitet? Diese Frage hat das IKT am 20. August 2026 in einem zweistündigen Online-Strategiedialog des KomNetABWASSER aufgegriffen. Rund 30 Vertreter aus 18 Kommunen und Verbänden brachten ihre Erfahrungen ein. Bereits die Blitzumfrage zu Beginn zeigte: 50 Prozent der abgegebenen Antworten berichteten von einem konkreten Problem in diesem Sommer, das unmittelbar auf Trockenheit oder Hitze zurückgeführt wurde.

IKT-Fachkompetenz trifft kommunale Betriebserfahrung

KomNetABWASSER: Stadtentwässerungen unterstützen sich gegenseitig mit Wissen und Erfahrungen

Netzwerk „Unternehmensführung“ im KomNetABWASSER.
Leiter: Dr.-Ing. Serdar Ulutas, IKT

Der Strategiedialog zeigt, wie das KomNetABWASSER arbeitet: Kommunale Abwasserbetriebe bringen aktuelle Fragen, Fallbeispiele und Erfahrungen aus ihrem Betriebsalltag ein. Das IKT greift die Themen auf, ordnet sie fachlich ein, strukturiert den Austausch und entwickelt daraus gemeinsam mit den Betrieben praxistaugliche nächste Schritte.

Der Dialog war im Leitthema Unternehmensführung angesiedelt und bewusst offen, praxisnah und aus unterschiedlichen Perspektiven angelegt.

Das Kommunale Netzwerk der Abwasserbetriebe ist eine Initiative von über 200 Abwasserbetrieben. Sie nutzen gemeinsam die Serviceleistungen des IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur. Das IKT organisiert und moderiert das Netzwerk als neutrales und unabhängiges Forschungs- und Prüfinstitut. Seine Beratung stützt sich unter anderem auf Erfahrungen aus vergleichenden Warentests sowie Pilot- und Forschungsprojekten.

Das Prinzip des KomNetABWASSER: Erfahrungen und Ideen teilen, Fragen stellen, Antworten bekommen und voneinander lernen, was in der kommunalen Praxis funktioniert – und was nicht. So muss nicht jeder Abwasserbetrieb das Rad neu erfinden.

Mehr über das Kommunale Netzwerk der Abwasserbetriebe – KomNetABWASSER

Trockenheit ist im Abwasserbetrieb angekommen

Rohrleitung mit geringer Wasserführung während einer Trockenperiode

Geringe Wasserführung kann Ablagerungen, längere Aufenthaltszeiten und Geruchsprobleme begünstigen. Die Berichte aus dem KomNetABWASSER zeigen, wo Abwasserbetriebe bereits reagieren müssen.

Die Erfahrungen aus den Stadtentwässerungen zeigen: Trockenheit und Hitze sind keine abstrakten Zukunftsthemen mehr. Sie wirken sich bereits heute auf Betrieb, Personal und Anlagen aus. Der Deutsche Wetterdienst beziffert den Anstieg der Jahresmitteltemperatur im Flächenmittel Deutschlands von 1881 bis 2025 auf 2,5 Grad Celsius. Für Abwasserbetriebe bedeutet das, sich auf längere Trockenphasen und häufiger auftretende Hitzeperioden einzustellen.

Das IKT hatte den Dialog mit fünf konkreten Leitfragen eröffnet: Welche Folgen hat Trockenheit für Kanalnetz, Pumpwerke und Kläranlagen? Welche Risiken entstehen durch geringe Wasserführung? Wie lassen sich Betriebe auf Hitze und Wasserknappheit vorbereiten? Wie können Mitarbeiter bei Hitze geschützt werden? Und welche technischen, organisatorischen und strategischen Vorsorgemaßnahmen sind erforderlich?

Die Antworten wurden im Strategiedialog aus drei Perspektiven betrachtet:

  • Auswirkungen und Risiken: Was verändert sich in Kanalnetz, Pumpwerken, Regenbecken und Kläranlagen?
  • Betrieb und Mitarbeiter: Wie bleiben Abwasserbetriebe auch bei Hitze und Wasserknappheit handlungsfähig?
  • Vorsorge und Strategie: Welche technischen und organisatorischen Maßnahmen sind dauerhaft erforderlich?

Weniger Spülwirkung, mehr Ablagerungen und Geruch

Kanalreinigungsfahrzeuge beim IKT-Fahrzeug-Check

Fehlende Spülwirkung im Kanalnetz kann zusätzliche Reinigungseinsätze erforderlich machen. Das IKT verbindet Betreibererfahrungen aus dem Netzwerk mit seinem Wissen aus Forschung, Prüfung und technischer Beratung.

Besonders deutlich werden die Folgen in Mischwasserkanälen. Bei geringer Wasserführung sinkt die Transportleistung. Ablagerungen nehmen zu und Abwasser verbleibt länger im Netz. Höhere Temperaturen und eine geringe Sauerstoffzufuhr begünstigen anaerobe Prozesse. Dadurch können sich verstärkt Geruchsstoffe und insbesondere Schwefelwasserstoff, kurz H2S, bilden.

Mehrere Betriebe berichteten von zunehmenden Geruchsbeschwerden. Das absolute Niveau wurde zwar weiterhin als moderat eingeschätzt, im Vergleich zum Vorjahr war bei einzelnen Netzbetreibern jedoch ein Anstieg messbar. Besonders betroffen sind bekannte Hotspots sowie Übergabepunkte und Endschächte von Druckentwässerungen. Auch Verstopfungen an Abwasserdruckleitungen wurden als mögliche Folge genannt.

Die betrieblichen Gegenmaßnahmen sind bekannt, verursachen aber zusätzlichen Aufwand:

  • vorsorgliche Spülungen an bekannten Geruchs-Hotspots,
  • zusätzliche Kanalnetzspülungen bei zunehmenden Ablagerungen,
  • gezielte Zudosierung bei H2S-Problemen,
  • engere Beobachtung von Übergabepunkten und kritischen Gefällestrecken,
  • schnelle Reaktion auf Bürgerbeschwerden.

Praxisfazit: Wo Geruchs-Hotspots bekannt sind, sollten Abwasserbetriebe nicht erst auf Beschwerden warten. Angepasste Spülpläne und eine gezielte Überwachung können helfen, kritische Situationen frühzeitig zu entschärfen.

Regenbecken und Gewässer reagieren sichtbar

Rückhaltebecken: Amphibienfahrzeug schöpft Algen ab

Auch Regenbecken können bei geringer Wasserführung und hohen Temperaturen schnell an ihre Grenzen kommen. Teilnehmer berichteten von einer deutlich verschlechterten Wasserqualität und teilweise starkem Algenwachstum. In einem Fall musste zur Beseitigung der Algen ein Spezialfahrzeug eingesetzt werden.

Gleichzeitig steigt die Belastung der Vorfluter. Niedrige Wasserstände verringern die Verdünnung, hohe Temperaturen verschärfen die ökologische Situation. Trockenheit wird damit nicht nur zu einer Betriebsfrage, sondern auch zu einer Frage des Gewässerschutzes.

Wasser wird zur knappen Betriebsressource

Ausgerechnet dann, wenn mehr gespült werden muss, kann die Verfügbarkeit von Wasser eingeschränkt sein. Im Strategiedialog wurden unter anderem Probleme mit Brunnen und Brunnenpumpen, eingeschränkte Möglichkeiten zur Wasserentnahme aus Gewässern und mögliche Entnahmeverbote während ausgeprägter Trockenperioden genannt.

Damit entsteht ein Zielkonflikt: Der betriebliche Wasserbedarf steigt, während die verfügbare Wassermenge sinkt. Für die Zukunft wird deshalb entscheidend sein, Betriebswasser zu speichern, mehrfach zu nutzen und Trinkwasser dort zu ersetzen, wo dies technisch und rechtlich möglich ist.

Hitze betrifft Menschen und Technik

Die Hitze macht nicht am Kanalschacht halt. Teilnehmer berichteten von einzelnen hitzebedingten Krankmeldungen – sowohl beim Betriebspersonal als auch in Verwaltungsbereichen. Fehlende oder noch nicht flächendeckend vorhandene Klimatisierung verschärft die Belastung.

Als geeignete Maßnahmen wurden diskutiert und teilweise bereits umgesetzt:

  • frühere und flexiblere Arbeitszeiten,
  • zusätzliche oder angepasste Pausen,
  • ausreichende Flüssigkeitsversorgung,
  • Beschattung von Arbeitsplätzen und Fahrzeugen,
  • klimatisierte Fahrzeuge und Räume,
  • Homeoffice bei geeigneten Tätigkeiten,
  • Nachtarbeit bei lärmunempfindlichen Arbeiten,
  • konsequenter Sonnen- und UV-Schutz,
  • stärkere Sensibilisierung für Hitzeschutz und Flüssigkeitsaufnahme.

Arbeitskleidung im Sommer: soll vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen

Arbeitskleidung im Sommer: soll vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen

Bei der Arbeitskleidung bleibt ein Zielkonflikt: Sie muss gleichzeitig vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen, angenehm zu tragen sein und je nach Einsatz weitere Anforderungen erfüllen. Langärmlige UV-Schutzkleidung wird bislang nicht von allen Mitarbeitern akzeptiert. Der Strategiedialog zeigte deshalb auch Bedarf für einen stärkeren Austausch mit Herstellern und für praxisgerechte Lösungen.

Neben den Mitarbeitern müssen Fahrzeuge, elektrische Anlagen und Betriebsmittel vor Hitze geschützt werden. Beschattung, Markisen, Klimaanlagen, helle Fahrzeuglackierungen und der Schutz temperaturempfindlicher Technik sollten künftig bereits bei der Beschaffung berücksichtigt werden.

Vom Reagieren zur Vorsorge

Spülen, wenn es riecht. Algen entfernen, wenn das Becken kippt. Pausen verlängern, wenn die Hitze da ist. Solche Reaktionen bleiben notwendig. Der Strategiedialog machte aber deutlich: Abwasserbetriebe brauchen zusätzlich eine vorausschauende Strategie.

Betriebswasser speichern und intelligent einsetzen

Rückhaltungen und Zisternen können Wasser für spätere betriebliche Aufgaben verfügbar machen. Diskutiert wurden außerdem die Anpassung von Spülplänen an die Wasserverfügbarkeit, wassersparende Verfahren wie Schwallspülungen, intelligente Kanalnetzsteuerungen sowie automatisierte Drosseln an Rückhaltebecken. Regenwasser sollte nicht nur zurückgehalten, sondern – wo sinnvoll – später gezielt genutzt werden.

Trockene Sommer: Stadtentwässerungen unter Druck

Gut vorbereitet? Nicht nur Starkregen, sondern auch große Hitze und trockene Sommer belasten die Infrastruktur

Sensorik, Digitalisierung und KI für die Frühwarnung nutzen

Kontinuierliche Messungen können helfen, früher zu handeln. Genannt wurden Sensoren zur Überwachung von Sauerstoffgehalten in Regenbecken und Teichen, automatisierte Warnungen bei kritischen Messwerten, KI-gestütztes Fremdwassermonitoring, die Beobachtung von Methanemissionen sowie eine automatisierte Anlagensteuerung.

Das Ziel ist ein Perspektivwechsel: Maßnahmen sollen möglichst nicht erst nach Beschwerden oder Störungen eingeleitet werden, sondern auf Grundlage messbarer Entwicklungen.

Abwasser als Ressource einplanen

Langfristig soll aufbereitetes Abwasser stärker als Ressource betrachtet werden. Denkbar sind die Nutzung für Bewässerungszwecke und Kanalspülungen, zusätzliche Speichermöglichkeiten und eine Verringerung des Trinkwasserverbrauchs im Betrieb.

Als Praxisbeispiel wurde der Rheinpark in Duisburg genannt. Dort wird die urbane Vegetation bislang mit Brunnenwasser bewässert. Perspektivisch soll aufbereitetes Wasser aus einer Kläranlage für eine Tropfbewässerung genutzt werden. Solche Vorhaben zeigen, wie Stadtentwässerung, Grünflächenpflege und Klimaanpassung zusammengedacht werden können.

Schwammstadt, Wasser und Energie verbinden

Begrünter Mittelstreifen zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in Bochum

Wasser vor Ort speichern: Blau-grüne Infrastruktur verbindet Starkregen- und Trockenheitsvorsorge. Solche Praxisbeispiele macht das KomNetABWASSER für kommunale Betreiber sichtbar und diskutierbar.

Die Schwammstadt speichert Regenwasser dort, wo es fällt, und macht es für Vegetation und Stadtklima nutzbar. Weitere strategische Ansätze aus dem Dialog waren Photovoltaik zur Eigenversorgung, Energierückgewinnung, die Verbindung von Wärmepumpen- und Abwassertechnik sowie Maßnahmen zur Verringerung thermischer Belastungen in Gewässern.

Die zentrale Botschaft lautet: Wasser, Energie, Gewässerschutz und Betrieb sollten nicht getrennt geplant werden. Gerade bei Neubau und grundlegender Erneuerung von Anlagen lohnt es sich, Speicher-, Wiederverwendungs- und Energieoptionen frühzeitig mitzudenken.

Vom Strategiedialog zum gemeinsamen Arbeitsprogramm

Der Strategiedialog war als Auftakt gedacht. Genau hier liegt eine Stärke des KomNetABWASSER: Der Austausch endet nicht mit der Veranstaltung. Das IKT wertet die Hinweise der Betreiber aus, bündelt den fachlichen Bedarf und kann gemeinsam mit interessierten Betrieben daraus Arbeitshilfen, Seminare, vertiefende Workshops oder Betreiberprojekte entwickeln. Aus der Diskussion ergeben sich insbesondere folgende Themen:

  • Hitzecheck für Abwasserbetriebe: Was sollte jeder Betrieb vorbereitet haben?
  • Hitzeschutz für Mitarbeiter: Wie werden Einzellösungen zu einem belastbaren Standard?
  • Geruch und Ablagerungen: Welche Maßnahmen wirken an welchen Hotspots?
  • Fremdwasser und Grundwasser: Wie lässt sich Trockenheitsvorsorge strategisch mitdenken?
  • Wasserverfügbarkeit: Welche Speicher- und Wiederverwendungslösungen sind praxistauglich?
  • Betreiberprojekt: Welche Fragestellungen sollten interessierte Abwasserbetriebe gemeinsam bearbeiten?

KomNetABWASSER: Rückhalt, Fachwissen und Weiterbildung

Mehr als 200 Abwasserbetriebe sind bereits Teil des Kommunalen Netzwerks. Sie erhalten Rückhalt in der Gruppe, können fachliche Fragen direkt in die IKT-Leitthemen einbringen und profitieren von technischer und organisatorischer Beratung. Das Arbeitsprogramm wird mit den beteiligten Betrieben abgestimmt.

Portrait von Serdar Ulutaş

Dr.-Ing. Serdar Ulutaş, IKT, leitet das Netzwerk Unternehmensführung im KomNetABWASSER
eMail: mitmachen@komnetabwasser.de

Zum Netzwerk gehören außerdem die kostenfreie Teilnahme aller Mitarbeiter der teilnehmenden Abwasserbetriebe an den IKT-Seminaren, regelmäßige Austauschformate und Unterstützung bei der Entwicklung praxistauglicher Lösungen für Technik, Betrieb und Organisation. Auch der Strategiedialog „Trockenheit und Hitze“ war für Teilnehmer des KomNetABWASSER kostenfrei.

Leistungen des KomNetABWASSER kennenlernen und mitmachen

Kontakt zur fachlichen Vertiefung:
Dr.-Ing. Serdar Ulutaş, MBA
IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur
Telefon: 0209 17806-32
E-Mail: ulutas@ikt.de

Arbeitskleidung im Sommer: soll vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen

Strategiedialog „Trockenheit und Hitze“ im KomNetABWASSER: Übersicht er Ergebnisse

Fazit: Trockenheit gehört in die Betriebsplanung

Trockenheit und Hitze haben viele Gesichter: mehr Ablagerungen und Geruch, belastete Regenbecken, knapperes Betriebswasser, gesundheitliche Belastungen und steigende Anforderungen an Fahrzeuge und Technik. Eine einzelne Patentlösung gibt es nicht.

Entscheidend ist ein Bündel aus angepasstem Betrieb, konsequentem Hitzeschutz, ausreichender Wasserbevorratung, gezieltem Monitoring und langfristiger Ressourcenplanung. Wer bekannte Hotspots kennt, Wasserverfügbarkeit frühzeitig prüft und Vorsorgemaßnahmen im Betrieb verankert, kann schneller reagieren – und bleibt auch in langen Trockenperioden handlungsfähig.

Der Strategiedialog macht zugleich den Nutzen des KomNetABWASSER sichtbar: Aus vielen kommunalen Einzelerfahrungen entsteht ein gemeinsames Lagebild. Das IKT bringt seine wissenschaftliche, technische und organisatorische Kompetenz ein, ordnet die Erkenntnisse und unterstützt die Betriebe dabei, daraus belastbare Lösungen für den Betriebsalltag zu entwickeln.

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Schachtsanierung: Verfahren, Qualität und Praxistipps für Betreiber

Herablassen eines Schachtunterteils in einen bestehenden Abwasserschacht

Einbau eines Schacht-in-Schacht-Systems

Abwasserschächte sind klein im Durchmesser, aber groß in ihrer Bedeutung. Sie belüften das Kanalnetz, lenken Abwasserströme um und schaffen den Zugang zu den Haltungen. Trotzdem werden sie bei Sanierungsstrategien noch immer häufig nachrangig behandelt. Dabei gilt für Schächte dasselbe wie für Leitungen: Sie müssen standsicher, dicht, dauerhaft und betriebssicher sein.

Worauf es bei einer guten Schachtsanierung ankommt, besprechen Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und IKT-Schachtexperte Markus Gillar in der Podcast-Folge „KanalSpezial – Schachtsanierung“.

Die zentrale Botschaft des Gesprächs lautet:
Die Qualität einer Schachtsanierung entscheidet
sich nicht erst beim Auftragen des Sanierungsmaterials. Sie entsteht vor allem bei der Zieldefinition, der Untergrundvorbereitung, der Vorabdichtung, der Reprofilierung und der Qualitätskontrolle.

Was Betreiber aus der Podcast-Folge „Schachtsanierung“ mitnehmen

  • Warum Schächte bei Fremdwasser, Korrosion und Arbeitssicherheit mitgedacht werden müssen
  • Weshalb zuerst das Sanierungsziel und erst danach das Verfahren festgelegt werden sollte
  • Wo die Stärken und Grenzen von Mörtelbeschichtungen, Kunststoffbeschichtungen, Auskleidungen und Innenschachtsystemen liegen
  • Warum Untergrundvorbereitung, Vorabdichtung und Reprofilierung über die Dauerhaftigkeit entscheiden
  • Welche Nachweise Auftraggeber in Ausschreibung, Ausführung und Abnahme vorsehen sollten
  • Warum eine optische Auffälligkeit nicht automatisch ein funktionaler Mangel ist

Die vollständige Folge „Schachtsanierung“ gibt es auf Spotify zu hören.

Mehrere Abwasserschächte im IKT-Großversuchsstand

Schachtbatterie im IKT-Großversuchsstand: Sanierungsverfahren werden unter vergleichbaren Bedingungen geprüft

Die „Stiefkinder“ des Kanalnetzes

Rund 13,5 Millionen Abwasserschächte gibt es in Deutschland. Sie sind keine bloßen Nebenbauwerke. Ohne sie wären Inspektion, Reinigung, Wartung und Sanierung vieler Haltungen kaum möglich. Sie übernehmen hydraulische Funktionen, ermöglichen Richtungs- und Höhenwechsel und sorgen für die Belüftung des Netzes.

Besonders deutlich wird ihre Bedeutung bei der Fremdwassersanierung. Werden nur die Haltungen abgedichtet, während undichte Schachtringverbindungen, Anschlüsse oder Gerinne bestehen bleiben, ist das Sanierungsziel nicht erreicht. Weiter eindringendes Grundwasser beansprucht hydraulische Kapazitäten, belastet Regenbecken und Kläranlagen und kann die Abwasserreinigung beeinträchtigen.

Schächte müssen deshalb als Bestandteil des gesamten Entwässerungssystems betrachtet werden. Eine Haltungssanierung sollte immer die Frage einschließen: In welchem Zustand befinden sich die Schächte am Anfang und am Ende des sanierten Abschnitts?

IKT-Mitarbeiter prüft einen Abwasserschacht

Zustandserfassung vor Ort: Schäden und Randbedingungen direkt im Schacht prüfen

Zwei Hauptschäden – und ein Sicherheitsrisiko

Zwei typische Schadenskomplexe und betriebliche Aspekte sind zu beachten:

  • Undichtigkeiten und Infiltration: Je tiefer die Schadstelle liegt, desto höher kann der anstehende Außenwasserdruck sein. Besonders Ringfugen, Rohranschlüsse und der untere Schachtbereich verlangen Aufmerksamkeit.
  • Biogene Schwefelsäurekorrosion: Der Angriff schädigt zementgebundene Werkstoffe von innen. Die Oberfläche kann wie Waschbeton aussehen, Zuschlagkörner liegen frei und die Wand verliert an Dicke. Damit geraten Dauerhaftigkeit und gegebenenfalls auch Standsicherheit in den Fokus.
  • Betriebssicherheit: Stark korrodierte Steigeisen können ihre Tragfähigkeit verlieren. Bei auffälliger Kanalatmosphäre sind geeignete Schutzmaßnahmen, Absturzsicherung und eine kontinuierliche Atmosphärenmessung unverzichtbar. Ein Einstieg darf nicht über beschädigte fest installierte Steigtechnik erfolgen.

Praxispunkt für Betreiber:
Undichtigkeit, Korrosion und beschädigte Steigtechnik nicht getrennt betrachten. Ein schadhaftes Bauwerk kann gleichzeitig ein wasserwirtschaftliches, statisches und arbeitsschutzrelevantes Problem sein.

Im IKT-Großversuchsstand: 13 Schacht-Sanierungsverfahren im Test

Im IKT-Großversuchsstand: 13 Schacht-Sanierungsverfahren im Test

Erst das Sanierungsziel, dann das Verfahren

Vor der Auswahl eines Produktes steht eine grundlegende Betreiberentscheidung: Was soll mit der Maßnahme erreicht werden?

Soll ein Schacht nur noch wenige Jahre bis zur ohnehin geplanten Erneuerung eines Strangs funktionsfähig bleiben? Oder wird eine langfristige Lösung angestrebt, die das Bauwerk für weitere 30, 40 oder 50 Jahre nutzbar macht? Die Antwort verändert Anforderungen, Aufwand und Verfahrenswahl erheblich.

Ebenso wichtig ist die Ursachenfrage. Hat sich die schädigende Randbedingung inzwischen verändert – oder bleibt beispielsweise eine aggressive Atmosphäre dauerhaft bestehen? Wenn die Ursache nicht beseitigt werden kann, muss das Sanierungssystem das Bauwerk dauerhaft gegen diese Einwirkung schützen.

Untersuchung eines im IKT-Labor eingebauten Schachtliners

Schachtliner im IKT-Test: Nicht jedes System passt zu jedem Schadensbild

Welches System passt zu welchem Schacht?

Ein pauschal „bestes“ Verfahren gibt es nicht. Die Systeme unterscheiden sich in Tragwirkung, Korrosionsschutz, Einbau und Empfindlichkeit gegenüber den Randbedingungen.

  • Mörtelbeschichtungen können die Wanddicke wieder aufbauen und bei gutem Verbund zur Steifigkeit und Abdichtung beitragen. Voraussetzung ist ein tragfähiger, sauberer und ausreichend rauer Untergrund. Bei fortdauernd aggressiver Atmosphäre ist der Korrosionsschutz gesondert zu bewerten.
  • Kunststoffbeschichtungen spielen ihre Stärke beim Korrosionsschutz aus. Sie sind jedoch besonders auf einen vollflächigen Haftverbund angewiesen. Fehlstellen und Außenwasserdruck können Blasen und Ablösungen begünstigen.
  • Innenschachtsysteme erstellen einen neuen Schacht im alten. Dafür sind ein genaues Aufmaß, vorkonfektionierte Bauteile und häufig zusätzliche Tiefbauarbeiten am Konus oder an der Abdeckplatte notwendig.
  • Segment-, Liner- und Laminatsysteme können hingegen durch die vorhandene Schachtöffnung eingebaut werden. Anschlüsse, Fugen, Schweißnähte und Übergänge müssen sorgfältig ausgeführt und geprüft werden.

Die Bandbreite zeigt: Betreiber müssen Systemvorteile und Anwendungsgrenzen kennen, bevor sie Leistungen ausschreiben. Das Verfahren muss zum Schadensbild, zur Einwirkung, zur Lage des Schachts und zur gewünschten Nutzungsdauer passen.

Verfüllung des Ringraums zwischen Innenschacht und Altschacht

Einbau eines Innenschachts: Der Ringraum zum Altschacht wird mit Mörtel verfüllt

Der Materialauftrag ist nur ein Teil der Sanierung

Eine fachgerechte Schachtsanierung besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten:

  1. Bestand und Randbedingungen erfassen: Schäden, Außenwasserdruck, Kanalatmosphäre, Zugänglichkeit, Geometrie und vorhandene Sanierungen untersuchen.
  2. Untergrund vorbereiten: Verschmutzungen und geschädigtes Material entfernen und eine tragfähige, ausreichend raue Oberfläche herstellen.
  3. Vorabdichten: Infiltration so stoppen, dass das gewählte System eingebaut werden und ungestört erhärten kann.
  4. Reprofilieren: Fehlstellen und Materialverluste ausgleichen und eine definierte Geometrie für die nachfolgende Beschichtung oder Auskleidung schaffen.
  5. Sanierungssystem einbauen: Material- und verfahrensspezifische Vorgaben einhalten.
  6. Nachbehandeln und prüfen: Mörtel vor Zugluft, Sonneneinstrahlung und vorzeitiger Austrocknung schützen; Kunststoffsysteme auf Pinholes und Blasen, Laminate auf Gleichmäßigkeit und Aushärtung kontrollieren.

Diese Schritte gehören in die Ausschreibung und in die Dokumentation. Wer lediglich „Schacht sanieren“ ausschreibt, überlässt wesentliche Qualitätsentscheidungen der Baustelle.

Druckerzeuger für 500 und 1.000 bar Wasserdruck im IKT-Versuch

Mit wieviel Druck den Untergrund vorbereiten? Druckerzeuger für 500 bar (links) und 1000 bar (rechts) Wasserdruck.

Untergrundvorbereitung: reinigen, abtragen, aufrauen

Die Untergrundvorbereitung ist das Fundament für den späteren Verbund. Die Oberfläche muss sauber und tragfähig sein. Geschädigtes Material ist abzutragen; die oberflächliche Zementschicht muss so weit entfernt werden, dass das Korngerüst kuppenartig hervortritt.

Dafür kommen Wasserhochdruckverfahren zum Einsatz. Automatisierte Systeme können die Schachtwand gleichmäßig bearbeiten, ohne dass sich während der Flächenbearbeitung ein Mitarbeiter im engen Schacht aufhalten muss. Je nach erforderlichem Abtrag werden unterschiedliche Drücke oder abrasive Zusätze eingesetzt. Entscheidend ist nicht allein der eingestellte Druck, sondern das nachweisbare Ergebnis auf der gesamten Fläche.

Eine kurze Reinigung mit einem leistungsschwachen Gerät reicht nicht. Für einen mehrere Meter tiefen Schacht kann eine fachgerechte Untergrundvorbereitung deutlich mehr Zeit beanspruchen. Dieser Aufwand muss im Leistungsverzeichnis beschrieben, kalkuliert und auf der Baustelle zugelassen werden.

IKT-Prüfer führt eine Haftzugprüfung an einer Schachtbeschichtung aus

IKT prüft vor Ort die Haftzugfestigkeit einer Schachtbeschichtung

Wie lässt sich die Qualität nachweisen?

  • Fotodokumentation: Der Auftragnehmer dokumentiert die vorbereitete Fläche vor dem nächsten Arbeitsschritt.
  • Visuelle Kontrolle: Sauberkeit, Rauigkeit, freigelegtes Korngerüst und verbliebene Fehlstellen werden beurteilt.
  • Abreiß- oder Haftzugprüfung: Stichproben geben Auskunft über die Festigkeit des Untergrundes beziehungsweise den Verbund der Beschichtung.
  • Freigabepunkt: Bei größeren Maßnahmen sollte die vorbereitete Oberfläche vor dem Beschichten ausdrücklich durch den Auftraggeber oder die Fremdüberwachung freigegeben werden.

Als Orientierungsbereich werden in den IKT-Unterlagen – abhängig von Anforderung und Prüfgegenstand – Mittelwerte von etwa 1,0 bis 1,5 N/mm² genannt. Der Messwert darf jedoch nie isoliert betrachtet werden. Er muss zum Schadensbild, zur sichtbaren Oberflächenstruktur und zum vorgesehenen System passen.

„Die Qualität entsteht erst auf der Baustelle.“

Die neutrale IKT-Prüfstelle beurteilt Untergrundvorbereitung und Sanierungsqualität, führt Haftzugprüfungen aus und unterstützt Auftraggeber mit Baustellenbegleitung, Fremdüberwachung und bebilderten Prüfberichten.

IKT-Prüfer bereitet Prüfpunkte an einer Schachtwand vor

Sorgfalt im Detail: Vorbereitung der Prüfpunkte für die Qualitätskontrolle

Vorabdichtung: Das Wasser muss lange genug draußen bleiben

Bei Infiltration kann nicht einfach gegen den laufenden Wassereintritt beschichtet werden. Der Schacht muss mindestens während Einbau und Erhärtung des Sanierungssystems ausreichend trocken bleiben. Dafür kommen je nach Aufgabe temporäre oder dauerhafte Abdichtungen infrage.

Schnell abbindende Stopfmörtel können punktuelle Wassereintritte innerhalb weniger Minuten stoppen. Für Fugen, größere Flächen oder Hohlräume können weitere Mörtel- und Injektionsverfahren erforderlich sein. Dabei ist das Zusammenspiel mit dem nachfolgenden System entscheidend: Eine Vorabdichtung, die Wasser zurückhält, kann dennoch eine Schwachstelle für den späteren Haftverbund bilden.

Auch Wanderleckagen sind mitzudenken. Wird eine undichte Ringfuge in einem im Grundwasser stehenden Schacht geschlossen, kann sich der Wassereintritt auf eine höher liegende Fuge verlagern. Deshalb sollte nicht nur die sichtbare Einzelstelle, sondern die gesamte betroffene Fugenfolge betrachtet werden.

Blick in den IKT-Großversuchsstand mit mehreren Abwasserschächten

Im IKT-Großversuchsstand lassen sich Randbedingungen im Maßstab 1:1 abbilden

Was die IKT-Großversuche über Fehlstellen zeigen

Im IKT-Warentest „Schachtsanierung“ wurden 13 marktgängige Auskleidungs- und Beschichtungssysteme unter vergleichbaren Bedingungen untersucht. Die Schächte wurden im Großversuchsstand im Maßstab 1:1 eingebaut, saniert und belastet. So ließen sich nicht nur Materialkennwerte, sondern auch Ausführungseinflüsse und typische Fehlstellen untersuchen.

Eine wichtige Erkenntnis: Verschmutzungen oder unzureichend vorbereitete Teilflächen können Hohlstellen und Risse verursachen. Das Verhalten hängt jedoch stark vom System ab.

  • Mörtelbeschichtungen zeigten sich in den Versuchen gegenüber lokalen Fehlstellen vergleichsweise robust. Hohlstellen gingen zwar häufig mit Rissen oder Feuchtefahnen einher, führten aber nicht automatisch zu einem standsicherheitsrelevanten Versagen oder zu erheblichen Fremdwasserzuflüssen. Faserverstärkte Mörtel konnten Fehlstellen teilweise besser überbrücken.
  • Kunststoffbeschichtungen reagierten unter Außenwasserdruck empfindlicher auf fehlenden Haftverbund. In den untersuchten Fällen traten Blasenbildung, Ablösungen und teilweise ein kollapsartiges Versagen auf. Epoxidharz zeigte unter den geprüften Kunststoffsystemen die beste Leistung.
  • Bei gutem Haftverbund konnten sowohl Mörtel- als auch Kunststoffbeschichtungen Risse überbrücken und die Steifigkeit gerissener Schachtringe wiederherstellen. Dickere Mörtelaufbauten leisteten zusätzlich einen wirksamen Wandaufbau.

Diese Ergebnisse sind keine pauschale Rangliste aller Produkte. Sie zeigen vielmehr, wie wichtig die richtige Zuordnung von System, Einwirkung und Untergrund ist. Kunststoff kann seine Stärke beim Korrosionsschutz ausspielen. Mörtel kann bei Wandaufbau, Abdichtung und Mittragwirkung Vorteile bieten. Entscheidend bleibt der konkrete Anwendungsfall.

Netzbetreiber begutachten einen sanierten Schacht im IKT-Großversuchsstand

Praxisurteil der Netzbetreiber: Der IKT-Bewertungskreis nimmt die sanierten Schächte genau unter die Lupe

Qualitätssicherung beginnt im Leistungsverzeichnis

Der Auftraggeber sollte nicht nur das Endprodukt beschreiben, sondern auch qualitätsentscheidende Zwischenschritte und Nachweise festlegen. Sinnvolle Punkte sind:

  • Sanierungsziel und erwartete Nutzungsdauer
  • bekannte Einwirkungen wie Außenwasserdruck oder aggressive Atmosphäre
  • Verfahren und Zielzustand der Untergrundvorbereitung
  • Vorgaben zur Vorabdichtung und Reprofilierung
  • Fotodokumentation vor dem Überdecken wichtiger Arbeitsschritte
  • Prüfungen der Untergrund- und Haftzugfestigkeit
  • Materialnachweise, Chargen, Verarbeitungszeiten und Klimabedingungen
  • Nachbehandlung, Sichtprüfung und Abnahmekriterien
  • Freigabepunkte und Umfang der Fremdüberwachung

Eine Muster-Vorlage für die Ausschreibung der Fremdüberwachung finden Sie hier:
Prüfung von Schachtsanierungen.

Sanierer beschichtet die Wand eines Abwasserschachts

Beschichten ist nur ein Arbeitsschritt – die Qualität entsteht im gesamten Prozess

Funktion vor Kosmetik

Eine sanierte Schachtwand muss nicht wie ein Wohnzimmer aussehen. Entscheidend ist, ob die vereinbarten Funktionen erreicht werden: Standsicherheit, Dichtheit, Betriebssicherheit und Dauerhaftigkeit.

Eine optische Auffälligkeit ist deshalb nicht automatisch ein Mangel. Eine kleine Feuchtefahne kann im Einzelfall tolerierbar sein, wenn kein relevanter Fremdwasserzufluss besteht und Tragwirkung sowie Dauerhaftigkeit nicht beeinträchtigt sind. Umgekehrt kann eine glatt und sauber wirkende Oberfläche einen unzureichenden Haftverbund verdecken.

Für die Abnahme bedeutet das: Nicht allein nach Optik entscheiden, sondern Anforderungen, Messergebnisse, Dokumentation und wasserwirtschaftliche Relevanz zusammen bewerten. Unüberlegte kosmetische Nacharbeiten können ein ansonsten funktionsfähiges System sogar verschlechtern.

Sanierer arbeitet im Schacht neben der fest eingebauten Steigtechnik

Arbeiten im engen Schacht: Sicherheit und geeignete Einstiegstechnik gehören zur Sanierungsplanung

Steigeisen nach der Sanierung: neu bohren oder neu denken?

Nach einer aufwendigen Abdichtung stellt sich eine heikle Frage: Soll die neue innere Schale für den Einbau fest installierter Steigeisen wieder an zahlreichen Stellen angebohrt werden?

Markus Gillar empfiehlt Betreibern, diese Entscheidung kritisch zu prüfen. Jede neue Bohrung kann eine potenzielle Schwachstelle schaffen. Zudem muss fest installierte Steigtechnik regelmäßig kontrolliert, gewartet und gegebenenfalls ersetzt werden.

Mobile Hubeinrichtungen oder in den Schachtrahmen eingesetzte Leitern können Alternativen sein. Eine pauschale Lösung gibt es auch hier nicht. Entscheidend sind Gefährdungsbeurteilung, örtliche Bedingungen, Häufigkeit und Zweck des Einstiegs sowie die Abstimmung mit dem Betriebspersonal. Das Ziel bleibt ein sicherer Einstieg, ohne die neue Abdichtung unnötig zu schwächen.

IKT-Mitarbeiter prüft eine sanierte Schachtwand

Die Qualität einer Schachtsanierung lässt sich nur direkt im Schacht zuverlässig prüfen

IKT-Kompetenz: Forschung, Prüfung und Baustellenpraxis

Das IKT verbindet Erkenntnisse aus Forschung und Warentests mit Erfahrungen aus realen Baumaßnahmen. Im Großversuchsstand können Schächte im Maßstab 1:1 eingebaut, vorgeschädigt, saniert und unter definierten Randbedingungen geprüft werden. Auf der Baustelle untersucht die IKT-Prüfstelle, ob diese Qualität auch tatsächlich erreicht wird.

Das Angebot für Netzbetreiber reicht von der Auswahl geeigneter Verfahren über Musterbaustellen und Ausschreibungshilfen bis zu Baustellenbegleitung, Haftzugprüfung, Fremdüberwachung und Abnahme. Damit wird aus Forschung direkt anwendbare Qualitätssicherung.

Teilnehmer betrachten sanierte Schächte im IKT-Großversuchsstand

Praxiswissen im IKT: An realen sanierten Schächten werden Verfahren und Qualitätsmerkmale anschaulich vermittelt

Fazit: Gute Schachtsanierung ist geplante Qualität

Schachtsanierung ist kein Kosmetikprogramm. Sie schützt die Funktionsfähigkeit des Kanalnetzes, reduziert Fremdwasser, erhält die Tragfähigkeit und verbessert die Sicherheit für den Betrieb.

Für Betreiber heißt das:

  • Schächte gemeinsam mit den Haltungen betrachten,
  • Sanierungsziel und Einwirkungen vor der Verfahrenswahl klären,
  • Untergrundvorbereitung und Vorabdichtung konkret ausschreiben,
  • Zwischenschritte dokumentieren und bei Bedarf freigeben,
  • Prüfwerte, Optik und Funktion gemeinsam bewerten,
  • und die Ausführungsqualität durch geeignete Kontrollen absichern.

Kurz gesagt: Das richtige Material ist wichtig. Dauerhafte Qualität entsteht aber erst aus dem Zusammenspiel von Planung, Untergrund, Verarbeitung, Prüfung und Erfahrung.

Porträt von Dipl.-Ing. Markus Gillar, Projektleiter am IKT

Dipl.-Ing. Markus Gillar, IKT
Kontakt: gillar@ikt.de

KanalSpezial – der KomNetABWASSER-Podcast des IKT

Folge IKT07: Schachtsanierung

Im Podcast sprechen Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und Dipl.-Ing. Markus Gillar über typische Schäden, Sanierungsverfahren, Untergrundvorbereitung, Vorabdichtung, Qualitätskontrolle und Erkenntnisse aus den IKT-Großversuchen.

🔊 auf Spotify hören
🔊 Podcast-Seite des KomNetABWASSER
Zum Nachlesen: Kurze Zusammenfassung

Mehr Wissen: Weiterbildung zur Schachtsanierung

Titelblatt Online-Crashkurs Schachtsanierung 2026

1. Crashkurs Schachtsanierung

Für den praxisnahen Einstieg oder die gezielte Auffrischung:

  • typische Schadensbilder an Abwasserschächten und deren Ursachen
  • Untergrundvorbereitung, Auskleidung und Beschichtung
  • Auswahl geeigneter Sanierungsverfahren
  • Qualitätssicherung, Fremdüberwachung und Protokollierung aus Betreibersicht

Online-Termine:

  • 4./11./18./25. September 2026
  • 5./12./19./26. Februar 2027
  • 10./17./24. September und 1. Oktober 2027
  • jeweils 10:00 bis 12:00 Uhr

Für Teilnehmer aus dem KomNetABWASSER ist der Crashkurs kostenfrei.

🔗 Hier: Programm & Anmeldung

 

Titelblatt IKT-Lehrgang Schachtsanierungsberater 2026

2. IKT-Lehrgang Schachtsanierungsberater

Für alle, die tiefer einsteigen und Verantwortung übernehmen wollen. Der dreitägige Präsenzlehrgang behandelt:

  • Ingenieurbauwerk Schacht und Arbeitssicherheit
  • Schachtkopfsanierung, Abdichtungen und Rohranbindungen
  • Auskleidungen und Beschichtungen einschließlich Untergrundvorbereitung
  • Mittragwirkung, Abnahme, Fremdüberwachung und Muster-ZTVen
  • objektbezogene Auswahl geeigneter Sanierungsverfahren

Präsenz-Termine:

  • 13. bis 15. Oktober 2026
  • 6. bis 8. April 2027
  • 12. bis 14. Oktober 2027

Für Teilnehmer aus dem KomNetABWASSER ist der Lehrgang kostenfrei.

🔗 Hier: Programm & Anmeldung

 

Weiterführende IKT-Informationen

IKT-Warentest „Schachtsanierung“:
Ergebnistabelle und Testbericht

Prüfung und Fremdüberwachung:
IKT-Prüfstelle Schachtsanierung

🔊 Alle Podcasts von Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler finden Sie hier:
KanalSpezial – der KomNetAbwasser-Podcast des IKT

Unsere weiteren Seminare und Lehrgänge hier:

www.ikt.de/seminare




Zwischen Starkregen und Trockenheit: Oberbürgermeisterin Andrea Henze besucht das IKT

IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek, Oberbürgermeisterin Andrea Henze und der Wissenschaftliche Leiter Prof. Bert Bosseler zwischen zwei Kanalrohren auf dem IKT-Versuchsgelände

Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze zu Besuch im IKT: Gemeinsam mit IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek (l.) und dem Wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler (r.) besichtigte sie die Versuchseinrichtungen des Instituts.

Zu viel Wasser, zu wenig Wasser: Beim Besuch der Gelsenkirchener Oberbürgermeisterin Andrea Henze im IKT ging es um Forschung im Maßstab 1:1, enge lokale Partnerschaften und die Folgen des Klimawandels für kommunale Abwassernetze.

Andrea Henze folgte damit einer Einladung des Instituts, seine Arbeit und umfangreichen Versuchseinrichtungen näher kennenzulernen. Empfangen wurde sie von IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek und dem Wissenschaftlichen Leiter des IKT, Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler.

Andrea Henze ist seit November 2025 Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen. Bei ihrem Rundgang zeigte sie großes Interesse an den Forschungs-, Prüf- und Weiterbildungsaktivitäten des Instituts und insbesondere an deren Bedeutung für kommunale Abwasserbetriebe.

Forschung unter realen Bedingungen im Maßstab 1:1

Oberbürgermeisterin Andrea Henze und IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek bei einem Rundgang durch die große IKT-Versuchshalle

Rundgang durch die große Versuchshalle: IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek erläutert Oberbürgermeisterin Andrea Henze die Forschungs- und Prüfmöglichkeiten des Instituts.

Ein Schwerpunkt des Besuchs war der große Versuchsstand des IKT. Hier können komplette Kanalisationsbaustellen realitätsnah im Maßstab 1:1 aufgebaut werden. Rohre, Schächte, Sanierungssysteme und weitere Bauteile werden unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen untersucht. So lassen sich neue Verfahren und Produkte nicht nur theoretisch bewerten, sondern unter Bedingungen testen, die dem späteren Einsatz auf der Baustelle möglichst nahekommen.

Die Fragestellungen für die IKT-Forschungsprojekte entstehen überwiegend aus der Praxis kommunaler Abwasserbetriebe. Vertreterinnen und Vertreter der Stadtentwässerungen begleiten die Vorhaben, bringen ihre Betriebserfahrungen ein und wirken an der Festlegung der Versuchsprogramme mit. Ziel sind belastbare und unmittelbar nutzbare Erkenntnisse für Bau, Betrieb und Sanierung der unterirdischen Infrastruktur.

Das gilt ebenso für die vergleichenden IKT-Warentests. In ihnen werden Produkte und Verfahren unter Labor- und Praxisbedingungen untersucht. Die Ergebnisse sollen kommunalen Netzbetreibern helfen, Investitionsentscheidungen fachlich fundiert vorzubereiten und die Qualität im Kanalnetz langfristig zu sichern.

Prof. Bert Bosseler erklärt Oberbürgermeisterin Andrea Henze einen Versuchsaufbau im IKT

Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT, erläutert Oberbürgermeisterin Andrea Henze einen Versuchsaufbau.

GELSENKANAL und Feuerwehr: starke Partner vor Ort

Besonders erfreut zeigte sich Andrea Henze darüber, dass das IKT mit zwei kommunalen Institutionen aus Gelsenkirchen eng zusammenarbeitet: mit der Stadtentwässerung GELSENKANAL und mit der Feuerwehr Gelsenkirchen.

GELSENKANAL zählt zu den wichtigsten kommunalen Partnern des IKT in Forschungs- und Warentestprojekten. Die Fachleute der Stadtentwässerung bringen ihre Erfahrungen aus Planung, Bau und Betrieb des Gelsenkirchener Kanalnetzes in die Projekte ein. Dieser enge Praxisbezug ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Instituts.

Mit der Feuerwehr Gelsenkirchen verbindet das IKT ebenfalls eine intensive Zusammenarbeit. Gemeinsam wird der sichere Einstieg in Abwasserschächte und die Rettung von Menschen aus unterirdischen Kanälen geschult. Dafür bietet der große Forschungskanal des IKT besondere Möglichkeiten: Einsatz- und Rettungssituationen können praxisnah trainiert werden, ohne dass die Teilnehmenden den Gefahren eines realen Abwasserkanals ausgesetzt sind.

Oberbürgermeisterin Andrea Henze im Gespräch mit Vertretern des IKT in einer Versuchseinrichtung

Fachlicher Austausch in der Versuchshalle: Oberbürgermeisterin Andrea Henze informierte sich über aktuelle Fragestellungen kommunaler Abwasserbetriebe.

Klimawandel bedeutet nicht nur Starkregen

Im anschließenden Gespräch ging es um die infrastrukturellen Herausforderungen, die sich für Städte und Gemeinden aus dem Klimawandel ergeben. Im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht häufig der Schutz vor urbanen Überflutungen durch Starkregen. Kanalnetze können jedoch nicht für jedes Extremereignis ausgelegt werden. Deshalb müssen Stadtentwässerung, Überflutungsvorsorge, Stadtplanung sowie blau-grüne Infrastruktur gemeinsam betrachtet werden.

Der Klimawandel stellt Abwasserbetriebe aber noch vor eine zweite, zunehmend wichtige Herausforderung: längere Trockenperioden und fehlende Niederschläge. Bleibt Regen über einen längeren Zeitraum aus, fehlen in Mischwasserkanälen zusätzliche Abflüsse und Spülwirkungen. Geringere Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten können Ablagerungen sowie längere Aufenthaltszeiten des Abwassers im Netz begünstigen.

Bert Bosseler erklärt, wie das IKT forscht.

Prof. Bert Bosseler erläutert ein aktuelles IKT-Projekt

Dadurch können sich verstärkt anaerobe Bedingungen entwickeln. Mögliche Folgen sind Geruchsbelästigungen durch Schwefelwasserstoff und – unter entsprechenden Randbedingungen – biogene Schwefelsäurekorrosion an Betonrohren und Bauwerken. Trockenheit ist damit nicht allein ein Thema der Grünflächenpflege oder der Trinkwasserversorgung, sondern kann auch den Betrieb und den Werterhalt der Kanalisation unmittelbar betreffen.

Regenwasser muss deshalb künftig noch stärker als Ressource betrachtet werden. Es geht darum, Niederschläge möglichst vor Ort zu speichern, zu versickern, zu verdunsten oder für Trockenphasen verfügbar zu machen. Starkregenvorsorge und der Umgang mit Trockenheit sind dabei zwei Seiten derselben Aufgabe: Kommunen müssen widerstandsfähiger gegenüber beiden Extremen werden. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im IKT-Blogbeitrag „Zu viel, zu wenig, zu schmutzig: Warum Regenwasser neu bewirtschaftet werden muss“.

IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek und Oberbürgermeisterin Andrea Henze vor einem großen Kanalrohr in der IKT-Versuchshalle

Forschung zum Anfassen: IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek und Oberbürgermeisterin Andrea Henze vor einem Großrohr in der Versuchshalle.

Impulse für die weitere Arbeit

Oberbürgermeisterin Andrea Henze kündigte an, die angesprochenen Themen und Impulse in ihre weitere Arbeit aufzunehmen. Das IKT dankt ihr für den Besuch, das große Interesse und den offenen Austausch.

Als gemeinnütziges Forschungsinstitut mit Sitz in Gelsenkirchen wird das IKT auch künftig gemeinsam mit kommunalen Partnern an praxisnahen Lösungen für eine sichere, leistungsfähige und klimaangepasste unterirdische Infrastruktur arbeiten.