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Eisenbahn-Bundesamt legt IKT als Prüfstelle für dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen fest

Beitrag vom 15. Juni 2026
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Mitarbeiter der IKT-Prüfstelle nimmt eine Wasserprobe im Ablauf einer Niederschlagswasserbehandlungsanlage

Was kommt hinten heraus? Die IKT-Prüfstelle Regenwasserbehandlung testet dezentrale Niederschlagswasserbehandlungsanlagen auf Stoffrückhalt und hydraulische Leistungsfähigkeit.

Hersteller dezentraler Niederschlagswasserbehandlungsanlagen können die Reinigungsleistung ihrer Systeme im IKT jetzt auch für den Einsatz an Bahnanlagen nachweisen lassen. Das Eisenbahn-Bundesamt hat das IKT als Prüfstelle für dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen festgelegt.

Damit steht Herstellern ein klar beschriebener Prüfweg für einen anspruchsvollen Einsatzbereich offen. Denn Niederschlagswasser von Bahnanlagen kann neben Feststoffen und Schwermetallen auch Herbizide enthalten. Geeignete Behandlungsanlagen müssen zeigen, dass sie die jeweils maßgebenden Stoffe zuverlässig zurückhalten.

Was die Festlegung des Eisenbahn-Bundesamts für Hersteller bedeutet

In der neuen Ausgabe der „Fachinformation für die Entwässerung von Bahnanlagen“ vom Juni 2026 nennt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) das IKT ausdrücklich als Prüfstelle für dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen.

Für Hersteller bedeutet das: Die erforderliche Reinigungsleistung kann nach den vom EBA genannten Prüfverfahren im IKT untersucht und nachgewiesen werden.

Große Niederschlagswasserbehandlungsanlage im aufgebauten Zustand auf dem IKT-Prüfstand

Prüfung im Originalmaßstab: Auch große Niederschlagswasserbehandlungsanlagen können in der IKT-Versuchshalle unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden.

Warum Bahnanlagen besondere Anforderungen stellen

Wo Niederschlagswasser von belasteten Flächen in das Grundwasser oder in ein Oberflächengewässer eingeleitet werden soll, müssen Stoffeinträge wirksam begrenzt werden. Das gilt für Straßen und andere Verkehrsflächen ebenso wie für Gleisanlagen.

Bei Bahnanlagen kommt eine Besonderheit hinzu: Auf Gleisflächen findet im Regelfall eine chemische Vegetationskontrolle statt. Neben abfiltrierbaren Stoffen und Schwermetallen können deshalb auch Pflanzenschutzmittel im Niederschlagswasser auftreten.

Die üblichen Zulassungsverfahren des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) für Anlagen zur Behandlung von Niederschlagswasser aus Siedlungs- und Kfz-Verkehrsflächen erfassen den Rückhalt von Herbiziden bislang nicht. Mit der „Fachinformation für die Entwässerung von Bahnanlagen“ ergänzt das EBA deshalb die Vorgaben aus DWA-A 102-2 und DWA-A 138-1 um bahnspezifische Anforderungen.

Schnittgrafik des SediPoint mit Zu- und Ablauf sowie dem Strömungsweg durch den vertikalen Behandlungsschacht.

Beispiel einer dezentralen Niederschlagswasserbehandlungsanlage: Die Systemgrafik des SediPoint zeigt die Strömungsführung und die Abscheidung von Feststoffen im Behandlungsschacht.

Welche Prüfungen sind möglich?

Je nach Stoffgruppe sieht das Eisenbahn-Bundesamt unterschiedliche Prüfverfahren vor:

Ist eine Anlage für den Rückhalt von Herbiziden vorgesehen, wird wegen möglicher Wechselwirkungen auch der Schwermetallrückhalt nach der VSA-Leistungsprüfung untersucht. Dabei stehen insbesondere Kupfer und Zink sowie die Herbizide Diuron und Mecoprop im Fokus.

Wichtig bleibt der Einzelfall: Anforderungen oder Verbote in Wasserschutzgebieten und weitere standortspezifische Vorgaben sind unabhängig vom Leistungsnachweis zu beachten.

Prüfen unter kontrollierten Bedingungen

Im IKT lassen sich Niederschlagsereignisse, Durchflüsse und Stoffbelastungen reproduzierbar simulieren.

Mitarbeiter der IKT-Prüfstelle kontrolliert eine dezentrale Niederschlagswasserbehandlungsanlage auf dem Prüfstand

Alles unter Kontrolle: Das IKT untersucht hydraulische Leistungsfähigkeit und Stoffrückhalt dezentraler Niederschlagswasserbehandlungsanlagen.

Die zu prüfende Anlage wird unter definierten hydraulischen und stofflichen Bedingungen betrieben. Proben aus Zu- und Ablauf zeigen, welche Stoffmengen zurückgehalten werden und wie stabil die Reinigungsleistung unter unterschiedlichen Belastungen bleibt.

Dabei vereint das IKT die Kompetenzen aus zwei Prüfbereichen:

Zur Ausstattung gehören mobile und stationäre Durchfluss- und Wasserstandsmessgeräte, Datenlogger, automatische Probenehmer sowie großmaßstäbliche Versuchsstände in der IKT-Versuchshalle.

Von der Prüfidee zum belastbaren Nachweis

Am besten beginnt die Abstimmung bereits vor dem eigentlichen Versuch. Gemeinsam klären Hersteller und IKT:

  • Für welchen Einsatzbereich ist die Anlage vorgesehen?
  • Welche Stoffgruppen müssen untersucht werden?
  • Welches Prüfverfahren ist anzuwenden?
  • Welche Unterlagen und Anlagenkonfigurationen werden benötigt?

So entsteht ein passendes und nachvollziehbares Prüfprogramm.

Übergabe eines IKT-Geprüft-Siegels an einen Hersteller einer Niederschlagswasserbehandlungsanlage

Beispiel aus einem früheren Prüfprojekt nach DWA-A 102: IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek (links) überreicht das „IKT-Geprüft“-Siegel an Ingo Pfirrmann, Vertriebsleiter Versorgung bei Georg Fischer.

Warum Hersteller von einer unabhängigen Prüfung profitieren

Eine unabhängige Prüfung schafft eine belastbare Grundlage für Gespräche mit Behörden, Planern und Betreibern. Sie zeigt nachvollziehbar, welche Reinigungsleistung eine Anlage unter den vorgegebenen hydraulischen und stofflichen Belastungen erreicht.

Gleichzeitig erhält der Hersteller konkrete Erkenntnisse über die hydraulische Funktion, den Stoffrückhalt und mögliche Optimierungspunkte seines Systems. Schwachstellen lassen sich erkennen, bevor die Anlage in einem konkreten Projekt eingesetzt oder der Verwendbarkeitsnachweis eingereicht wird.

Bereits im IKT geprüft:
Übersicht der IKT-geprüften Niederschlagswasserbehandlungsanlagen zeigt dezentrale und semizentrale Systeme, die das IKT bereits untersucht hat.

Prüfbericht und „IKT-Geprüft“-Siegel: belastbare Nachweise für Hersteller und Kunden.

Nach bestandener Prüfung erhalten Hersteller einen fachlichen Prüfbericht und ein „IKT-Geprüft“-Siegel für ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Podcast-Hörtipp: Marcel Goerke im Gespräch

In der Podcast-Folge „Dezentrale Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung“ spricht Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler mit Marcel Goerke, Leiter der DIBt-anerkannten IKT-Prüfstelle, über Technik, Prüfung, Zulassung und Betrieb dezentraler Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung.
🔊 Podcast-Folge auf Spotify anhören

Fazit: Neuer Prüfweg für Hersteller

Mit der Festlegung durch das Eisenbahn-Bundesamt erweitert sich das Einsatzfeld der IKT-Prüfstelle. Hersteller erhalten eine neutrale und unabhängige Anlaufstelle, um die Reinigungsleistung dezentraler Abwasserbehandlungsanlagen für Bahnanlagen prüfen und dokumentieren zu lassen.

Fachinformation für die Entwässerung von Bahnanlagen – Ausgabe Juni 2026

 

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Marcel Goerke, M.Sc.
Leiter der DIBt-anerkannten IKT-Prüfstelle

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