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IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH

IKT-Warentest „Schachtsanierung“:
Dichter Schacht dank Schicht im Schacht?

Beitrag vom 17. März 2016
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starke Infiltration in Schacht

So sieht´s aus: Viele Schächte sind sanierungsbedürftig.

Lassen sich Abwasserschächte dauerhaft dicht sanieren? Mörtel­be­schich­tung, Kunst­stoff­be­schich­tung, Aus­klei­dung – wo liegen die Vor- und Nach­teile? Welche Qua­li­tät kann man erwarten? Ant­worten liefert der erste ver­glei­chende Waren­test auf diesem Gebiet.

Jetzt sind die Schächte dran – so wird in den Sanie­rungs­abtei­lungen vieler Stadt­ent­wässe­rungen gedacht. Abwasser­rohre allein zu sanieren ohne die zahlreichen schad­haften Schächte zu berück­sich­tigen hat wenig Sinn. Das gilt vor allem in Fremd­wasser­gebieten, denn ein dichtes Kanal­netz erreicht man nur, wenn man auch die Schächte saniert.

Im Test: 13 Schachtsanierungsverfahren

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Skizze Aufbau Gr0ßversuchsstand

Alles nach Plan: 13 Schächte für den Waren­test, 3 für ergän­zende Unter­suchungen

Aber welches der zahlreichen Schacht­sanierungs­verfahren wählen? Welches dichtet zuverlässig ab und hält dauerhaft? Welches ist in welchem Fall geeignet, welches nicht? Im vergleichenden IKT-Waren­test „Schacht­sanierung“ wurden nun 13 markt­gängige Verfahren untersucht. Die Ergebnisse reichen von GUT bis AUSREICHEND, nur ein Verfahren versagte.

Download Ergebnistabelle

Der kommunale Lenkungskreis dieses Projekts wählte folgende Verfahren aus:

Tab. 1: Getestete Verfahren IKT-Warentest „Schachtsanierung“
Anbieter Systeme
Mörtelbeschichtungen  
Hermes Technologie GmbH & Co. KG Ergelit KS 1
MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG Ombran MHP
PCI Augsburg GmbH Nanocret R4
Remmers Baustofftechnik GmbH Betofix R4 SR
Remmers Baustofftechnik GmbH Silicate R
Sika Deutschland GmbH Kanal-Reprofiliermörtel
Kunststoffbeschichtungen  
FSB Bautechnik GmbH Spectrashield
PSL Handels GmbH Olodur WS 56
Source One Environmental UK (S1E) Ultracoat
Auskleidungen  
Aarsleff Rohrsanierung GmbH GfK – Rückverankert
Hobas Rohre GmbH GfK-Innenschacht
Schacht + Trumme Sielregulierungen W. Schwarz GmbH PE-HD – Segmentauskleidung
SEKISUI SPR Germany GmbH GfK – Adhäsiv

 

Kommunaler Lenkungskreis

Jeder IKT-Warentest wird durch einen Lenkungs­kreis begleitet, bestehend aus Netz­betreibern. Sie

  • wählen die Produkte aus, die getestet werden,
  • bestimmen das Testkonzept,
  • definieren Leistungsziele und Qualitäts­anforde­rungen und
  • bewerten und benoten die Prüf­ergeb­nisse.

Serdar Ulutaş während seines Vortrags

Berichtet dem kommunalen Lenkungskreis über den aktuellen Stand des Projekts: Dipl.-Ing. (FH) Serdar Ulutaş MBA, Leiter IKT-Warentest

Der Lenkungskreis des Warentests „Schacht­sanie­rung“ besteht aus 17 Netzbetreibern:

  • Gemeente Arnhem (NL)
  • Stadtentwässerung Backnang
  • Technische Werke Burscheid
  • Abwasserwerk der Stadt Emsdetten
  • Stadtwerke Essen
  • Stadt Euskirchen
  • Wirtschaftsbetrieb Hagen
  • Stadt Iserlohn
  • Kemptener Kommunalunternehmen
  • Stadtentwässerung Kiel
  • Stadtentwässerungsbetriebe Köln
  • Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen
  • Städtische Betriebe Minden
  • Stadtwerke Bad Oeynhausen
  • Abwasserbetrieb Troisdorf
  • Zweckverband Wasser Abwasser Vogtland
  • Abwasserbetrieb der Stadt Willich

Land und Kommunen finanzieren gemeinsam

Blick in den Großversuchsstand, Bau von zahlreichen Schächten

Einbau der Schächte: In dem weltweit ein­ma­ligen Groß­ver­suchs­stand lassen sich die Rand­be­dingungen im Maßstab 1:1 abbilden.

Diesen IKT-Warentest finanzieren das NRW-Umwelt­minis­terium und die Kommunen des Lenkungs­kreises gemeinsam. Die Prüfungen sowie die Dokumentation der Ergebnisse führt das IKT als neutrales und unabhängiges Institut durch. Das Institut ist insbesondere verant­wortlich für die ingenieur­technische Entwicklung des Prüfkonzepts und die Umsetzung des Prüf­programms. Diesbezügliche Ent­schei­dungen werden in unmittel­barer Abstimmung mit dem Lenkungs­kreis getroffen.

Sanierungsaufgabe und Testprogramm

Die Aufgabe bei diesem IKT-Warentest bestand für die Teilnehmer in der Sanierung eines etwa 5 m hohen, kontrolliert vorgeschädigten Beton­schachts DN 1000 vor Grund­wasser­anstieg. Zentrale Elemente des Test­programms sind die System­prüfungen und die Qualitäts­sicherung der Anbieter. Für die System­prüfungen wurden im IKT-Groß­versuchs­stand insgesamt 13 Schächte aus Beton­fertig­teilen der Nennweite DN 1000 eingebaut.

Schächte im Großversuchsstand

Schächte fertig eingebaut: Der IKT-Waren­test „Schacht­sanie­rung“ kann starten.

Um den Zustand eines schadhaften Schachts und die tatsächlichen Heraus­forde­rungen für die Sanierung möglichst realitäts­nah zu simulieren, legten die beteiligten Netz­betreiber folgende Schadens­bilder je Schacht fest:

  • 8x „Einzelschaden“: punktuelle Schadstelle als Bohrloch mit 10 mm Durchmesser
  • 4x „Flächiger Schaden“: 9 Bohrlöcher mit 5 mm Durchmesser auf einer Fläche von 20 cm x 20 cm mit Simulation von punktuellen Mängeln bei der Untergrundvorbereitung (Trennmittel)
  • 5x „Undichte Ringfuge“: Ringfuge mit jeweils 4 Bohrlöchern von 6 mm Durchmesser

Abdichtung des verfüllten Ringraums

Testaufgabe: Die Kandidaten sanieren die vor­ge­schä­digten Schächte.

Das Sanierungsziel lautete, die Dichtheit und Trag­wirkung des Abwasser­schachts wieder­her­zu­stellen. Wie dies zu erreichen ist, wurde jedem Waren­test-Teil­nehmer selbst überlassen, das heißt er war für Planung, Konzeption, Sanierung und Nach­bear­beitung allein verantwortlich. Ein Zeitlimit gab es nicht.

Prüfprogramm und Bewertungsschema

Nach Abschluss der Schachtsanierungen wurde zunächst eine Füll­stands­messung gemäß DIN EN 1610 durchgeführt. Bei den eigent­lichen System­prüfungen standen dann Belastungen aus Außen­wasser­druck im Vorder­grund:

  • Kurzzeit-Grundwasserbelastung schrittweise bis 5 m, Haltedauer: 17,5 Tage (je Belastungsstufe 3,5 Tage)
  • Langzeit-Grundwasserbelastung konstant bei 5 m, Haltedauer: 67 Tage

Einzelschaden Bohrloch

Einzelschaden: Jeder Schacht wurde mit acht Bohr­löchern mit 10 mm Durch­messer vorge­schädigt.

Nach jedem Anheben des Wasserstands wurden die Schächte inspiziert. Nach Erreichen des maximalen Wasser­stands von 5 Metern wurden die Schächte weiterhin wöchentlich optisch und akustisch inspiziert. Während der Inspektionen wurden Undicht­heiten, Hohlstellen, Risse und andere Auffällig­keiten protokolliert.

Nach Abschluss der Grundwasser-Belastungen wurden Haft­zug­festig­keiten bestimmt und die undichten Stellen an der Steig­technik dokumentiert. Außerdem wurde die Ring­steifig­keit mit der zerstörungs­freien MAC-Methode, die mit einer Horizontal­presse und feinen Sensoren arbeitet, gemessen. Diese Kriterien gingen als Zusatz­infor­mationen ohne Benotung in den Warentest ein. Darüber hinaus wurden Nachweise zur Trag- und Schutz­wirkung sowie vielfältige Aspekte der Qualitäts­sicherung hinterfragt.

Kriterium Fremdwasser-Dichtheit

undichte Fuge

Fünf undichte Ringfugen je Schacht: vier Bohr­löcher mit 6 mm Durch­messer je Fuge

Das Kriterium „Fremdwasser-Dichtheit“ wurde anhand der Beobachtungen während der Kurz- und Langzeit-Grund­wasser­belastung bewertet. Dabei wurden folgende Zustände unterschieden:

  • keine Auffälligkeit
  • Feuchtefleck ≤ 25 cm²
  • Feuchtefleck > 25 cm²
  • Feuchtefleck mit Fließfahne ≥ 40 cm
  • Infiltration

Kriterium Tragwirkung

Das Kriterium „Tragwirkung“ wurde für den Lastfall von 5 m Außen­wasser­druck bewertet. Dabei wurden die ein­gesetzten Systeme mit Blick auf die Wirkungs­weise danach unter­schieden, ob sie einen Haftverbund zum Unter­grund eingehen (Fall „Haftverbund“) oder ob sie mittels spezieller Trag­elemente rückverankert beziehungs­weise komplett selbsttragend sind (Fall „Rückverankert/Selbsttragend“).

flächiger Schaden mit kleinflächigem Trennmittelauftrag

Flächiger Schaden: neun Bohrlöcher mit 5 mm Durch­messer auf 20 x 20 cm, klein­flächiger Trenn­mittel­auftrag

Für den Fall „Haftverbund“ wurden die Aspekte „Haft­zug­festig­keit“, „Hohl­lagen“, „Risse“ und „Blasen“ betrachtet und Auf­fällig­keiten bewertet und benotet. Falls Hohl­lagen vorhanden waren, wurden diese flächen­gewichtet als „Nullwerte“ in die Mittel­wert­berech­nung der Haft­zug­prüfungen einbezogen.

Beim Fall „Rückverankert/Selbstragend“ wird auf einen flächigen Haftverbund zum Unter­grund planmäßig verzichtet. Eine Eigen­trag­wirkung galt dann als System­verhalten, wenn sie durch einen entsprechenden statischen Nachweis belegt werden konnte. Ohne einen solchen Nachweis wurde dieses Kriterium mit „mangelhaft“ benotet.

Kriterium Robustheit

9 Bohrlöcher mit großflächigem Trennmittelauftrag

Flächiger Schaden: neun Bohrlöcher mit 5 mm Durch­messer auf 20 x 20 cm, groß­flächiger Trenn­mittel­auftrag

Das Kriterium „Robustheit“ bezieht sich ausschließlich auf das Schadens­bild „Flächiger Schaden“. Hierbei wurde ein Trenn­mittel unmittelbar vor der Sanierung auf die hierfür vorgesehenen Flächen aufgetragen, um Hinweise zur Robustheit des Sanierungs­systems gegenüber unplanmäßigen Verbund­schwächen zu erfassen, wie sie in der Praxis bei fehlender Unter­grund­vor­behand­lung auftreten können.

Für die Bewertung des Kriteriums „Robustheit“ wurden die Sanierungs­systeme in Abhängig­keit ihres Trag­verhaltens unterschieden:

  • Fall 1: Haftverbund zum Untergrund
  • Fall 2: Rückverankerung mit speziellen Tragelementen
  • Fall 3: Rohr-in-Rohr-System

Beim Kriterium „Robustheit“ wurden die Aspekte „Verbund im Umfeld“ (nicht relevant für Fall 3), „Verformungen“, „Zug­spannungs­über­schreitungen“ und „Infiltration“ betrachtet und Auffällig­keiten bewertet und benotet.

Konzept der IKT-Warentests

In vergleichenden IKT-Warentests werden Produkte und Verfahren unter Labor- und Praxis­bedingungen auf Herz und Nieren geprüft. Netzbetreiber erhalten solide und verlässliche Infor­ma­tionen über Stärken und Schwächen markt­gängiger Produkte. So können sie ihre Kauf­ent­scheidungen auf Basis harter Fakten statt allein aufgrund der Hersteller­werbung treffen. Gleichzeitig bieten die IKT-Warentests den Herstellern Hinweise zur Verbesserung ihrer Produkte und damit auch zur Stärkung ihrer Markt­stellung. Davon profitiert letztlich die gesamte Branche.
mehr über IKT-Warentests

Kriterium Abnahme-Eindruck

Inspektion durch den Bewertungskreis

Abnahme der Sanierungen: Die Mit­glieder das Bewer­tungs­kreises nehmen alle Schächte genau unter die Lupe.

Mit dem Kriterium „Abnahme-Eindruck“ wurde der Eindruck des Gewerks bei der Bauabnahme bewertet. Die Beurteilung wurde vom Bewertungs­kreis (einer Gruppe von Netz­betreibern aus dem Lenkungs­kreis) direkt im Schacht und anhand von Video­doku­menta­tionen mittels Kamera durch den gesamten Lenkungs­kreis mit Noten­vergabe vorgenommen.

Kriterium Schutzwirkung

Bei dem Kriterium „Schutzwirkung“ wurden Nachweise für den Einsatz der Systeme in Abwasser­anlagen mit dem zulässigen pH-Wert-Bereich von den Anbietern angefordert. Der Nachweis war erbracht, wenn eine DIBt-Zulassung oder erfolgreich abgeschlossene Prüfungen in Analogie zur DIBt-Zulassungs­prüfung vorlagen. Ergänzend wurden Ein­lagerungs­versuche für Mörtel und Kunststoff in aggressiven beziehungsweise besonders aggressiven Medien durchgeführt, um auch die Schutz­wirkung der hier eingesetzten Materialien stichprobenhaft zu überprüfen. Sofern keine Auffällig­keiten vorlagen, führte dies zu einer Aufwertung um eine Note.

Kriterium Qualitätssicherung

Inspektion durch Bewertungskreis

Auffälligkeiten: Mitglieder des Bewer­tungs­kreises diskutieren ihre Beobachtungen.

Unter „Qualitätssicherung der Anbieter“ wurden Kriterien erfasst wie Verfahrens­beschrei­bung, Schulungen, Prüf­zeugnisse und Fremd­über­wachung. Ergänzend wurde das Kriterium „Besondere Auffällig­keiten“ definiert, um gegebenenfalls weitere Besonder­heiten in der Tätig­keits­durch­führung zu erfassen.

Baustellenuntersuchungen

Die Baustellenuntersuchungen dienten der Erfassung der grundsätzlichen Hand­hab­bar­keit der Sanierungs­verfahren unter Praxis­bedingungen. Entsprechend wurde durch die Baustellen­unter­suchungen auch die Plausibilität der Einsätze in den IKT-Versuchs­ständen überprüft. Hierzu wurden die wesentlichen Arbeits­schritte vor Ort beobachtet. Insbesondere wurden Art und Umfang der Vorarbeiten aufgenommen und Abweichungen zu den Angaben in den Verfahrens­hand­büchern und zu den Arbeiten in den IKT-Versuchs­ständen erfasst. Darüber hinaus wurden die Baustellen­unter­suchungen in der Bewertung der „Qualitäts­sicherung der Anbieter“ beim Kriterium „Besondere Auffällig­keiten“ herangezogen.

Tabelle 2 fasst das Bewertungsschema einschließlich Zusatz­informa­tionen zusammen und stellt die durch die Netz­betreiber festgelegte Wichtung dar:

Tab. 2: Bewertungsschema mit Wichtung der Kriterien
Bewertungsschema  
Systemprüfungen (85 %) Qualitätssicherung der Anbieter (15 %)
Fremdwasserdichtheit (40%) Verfahrensbeschreibung (20 %):
– Verfahrenshandbuch (10 %)
– Technische Merkblätter (10 %)
Tragwirkung (20 %) Schulungen (20 %):
– Schulung des Sanierers (10 %)
– Schulungsangebote des Herstellers (10 %)
Robustheit (20 %) Prüfzeugnisse (20 %)
Abnahme-Eindruck (15 %) Fremdüberwachung (20 %)
Schutzwirkung (5 %) Besondere Auffälligkeiten – Systemprüfungen,
Baustellenuntersuchungen (20 %)
Zusatzinformationen (ohne Benotung)
– Undichtigkeiten an Steigtechnik
– Füllstandsmessung nach Sanierung
– Mittragwirkung und MAC-Steifigkeit
 

Testergebnisse IKT-Warentest „Schachtsanierung“

Dokumentation der Auffälligkeiten

Alle Auffälligkeiten werden dokumentiert.

Die Gesamtnoten im IKT-Warentest „Schachtsanierung“ reichen von GUT bis AUSREICHEND:

  • GUT (1,6): Hobas Rohre GmbH mit GfK-Innenschacht
  • GUT (1,7): PCI Augsburg GmbH mit Nanocret R4
  • GUT (2,1): Schacht + Trumme GmbH mit PE-HD – Segmentauskleidung
  • GUT (2,1): Sika Deutschland GmbH mit Kanal-Reprofilierungsmörtel
  • GUT (2,2): Aarsleff Rohrsanierung GmbH mit GfK – Rückverankert
  • BEFRIEDIGEND (2,6): PSL Handels GmbH mit Oldodur WS 56
  • BEFRIEDIGEND (2,7): Hermes Technologie GmbH mit Ergelit KS 1
  • BEFRIEDIGEND (2,8): Source One Environmental UK mit Ultracoat
  • BEFRIEDIGEND (2,9): Remmers Baustofftechnik GmbH mit Betofix R4 SR
  • BEFRIEDIGEND (3,5): SEKISUI SPR Germany GmbH mit GfK – Adhäsiv
  • BEFRIEDIGEND (3,5): Remmers Baustofftechnik GmbH mit Silicate R
  • AUSREICHEND (3,6): MC-Bauchemie Müller GmbH mit Ombran MHP
  • NICHT BEWERTBAR: FSB Bautechnik GmbH mit Spectrashield

Kunststoffbeschichtung mit extrem großen Blasen

Systemversagen: „Spectrashield“ ist nicht bewertbar.

Das System Spectrashield kann aufgrund eines System­versagens ausgehend von vor­ge­schä­digten Bereichen (Trennmittel, Kriterium „Robustheit“) nicht bewertet werden. Es war kein Einstieg mehr möglich.

Download Ergebnistabelle

Ergebnisse Fremdwasser-Dichtheit

Beim Schadensbild „Einzelschaden“ zeigten die Kandidaten nach dem Beobachtungs­zeitraum (Kurzzeit- und Langzeit-GW-Belastung) keine Auffällig­keiten. So waren alle 96 bewert­baren Schad­stellen dicht (100 %). Entsprechend stellt dieses Schadens­bild für die getesteten Sanierungs­systeme offen­sichtlich kein Problem dar.

Feuchtefleck kleiner 25 cm

Feuchtefleck kleiner 25 cm

Auffälligkeiten bei dem Schadensbild „Undichte Ringfuge“ (bei 14 von 60 Sanierungen, ca. 23 %) zeigten sich bereits in der Kurzzeit-Grund­wasser­simulation 5 m. Die Langzeit-Grund­wasser­simulation 5 m führte lediglich bei drei Schadstellen (5 %) zu einer Zustands­veränderung. Drei weitere Schadstellen (5 %) wiesen allerdings neue Auffällig­keiten in Form von Feuchte­flecken auf. Entsprechend waren 43 Schadstellen ohne Auffällig­keiten (ca. 72 %).

Sofern eine Schadstelle ansprechend saniert wurde und zu Beginn ohne Auffällig­keiten ist, bleibt sie es in der Regel auch (139 von 156 Schadstellen, ca. 89 %). 154 Schadstellen (ca. 99 %) zeigten bis zum Versuchs­ende keine Infiltra­tionen (Langzeit-Grund­wasser­simulation 5,0 m).

Tragwirkung: Haftverbund mit Untergrund

Bei dem Schadensbild „Einzelschaden“ zeigten sich bei 216 von 240 Bewertungsfällen (ca. 90 %) keine Auffälligkeiten. Offen­sichtlich stelle dieses Schadens­bild für die getesteten Sanierungs­systeme bis auf eine Ausnahme kein wesent­liches Problem dar.

Klopftest

Akribische Prüfungen: Der Bewertungskreis hat alle sanierten Schächte auf Schwachstellen untersucht.

Bei dem Schadensbild „Undichte Ringfuge“ waren 133 von 150 Bewertungsfälle (ca. 89 %) ohne Auffälligkeit. Das System „Ombran MHP“ wies zwei Zug­spannungs­über­schrei­tungen (Risse) auf, die allerdings aufgrund der geringen Ausdehnung nicht negativ gewertet werden. Offensichtlich stellt dieses Schadensbild für die getesteten Sanierungs­systeme kein wesentliches Problem dar.

Im Bereich der „Übrigen Schachtwand“ zeigten 7 von 10 Systemen (70 %) keine Auffälligkeiten. Die Mörtel-Systeme „Ombran MHP“ und „Ergelit KS 1“ wiesen großflächige Hohllagen auf. Zudem waren bei dem System „Ergelit KS 1“ Zug­spannungs­über­schrei­tungen erkennbar, die mit Kritik­punkten gewertet wurden.

Lediglich das System „Spectrashield“ zeigte Auffälligkeiten im Hinblick auf die mittlere Haftzug­festig­keit. Die weiteren 12 Systeme erfüllten das Kriterium.

Für das Kriterium „Tragwirkung“ erhalten 7 von 10 Anbietern die Note 1,0. Drei Systeme („Ombran MHP“, „Ergelit KS 1“ und „Spectrashield“) werden jeweils mit 5,0 benotet.

Tragwirkung: Rückverankert/Selbsttragend

Infiltration in einen sanierten Schacht

Nicht ganz dicht: Infiltration in einen sanierten Schacht

Lediglich für eines der drei Systeme wurde ein statischer Nachweis eingereicht („GfK-Innen­schacht“). Die Trag­sicher­heit der Systeme „GfK – Rückverankert“ und „PE-HD – Segment­auskleidung“ bleibt unbekannt.

Robustheit gegenüber punktuellen Mängeln in der Untergrundvorbereitung

Bei dem Kriterium „Mangelhafter Verbund im Umfeld“ zeigten sich bei 44 von 52 Schadstellen (ca. 85 %) keine Auffällig­keiten. Zwei Mörtel­beschich­tungen zeigten an einer beziehungsweise zwei von vier Schadstellen Auffällig­keiten in Form von Hohl­lagen­ver­größe­rungen („Ombran MHP“ und „Silicate R“). Zwei Kunst­stoff­beschich­tungen wiesen an fünf von acht Schad­stellen Auffällig­keiten auf („Spectrashield“ und „Oldodur WS 56“). An den verbleibenden vier Auskleidungs- und vier Mörtel­systemen sowie der Kunst­stoff­beschich­tung aus Epoxidharz wurden keine Auffällig­keiten festgestellt.

Blase und Infiltration

Mängel in der Unter­grund­vor­berei­tung: Wo das Trenn­mittel einen festen Verbund verhin­dert, können Blasen und Risse die Folge sein.

Das Kriterium „Übermäßige Verformung“ zeigte bei 46 von 52 Schadstellen (ca. 89 %) keine Auffällig­keiten. Bei zwei Kunst­stoff­beschich­tungen wurden an sechs von acht Schad­stellen Auffällig­keiten in Form von Blasen fest­gestellt („Spectrashield“ und „Oldodur WS 56“). Die sechs Mörtel­beschich­tungen, die vier Auskleidungs­systeme und die Kunst­stoff­beschich­tung aus Epoxidharz („Ultracoat“) zeigten keine Auffällig­keiten.

Bei dem Kriterium „Zugspannungsüberschreitung“ waren 41 von 48 bewertbaren Schadstellen (ca. 85 %) ohne Auffällig­keiten. Drei Mörtel­beschich­tungen wiesen Auffällig­keiten in Form von Rissen auf. Die vier Auskleidungs­systeme, drei Mörtel­systeme und zwei Kunst­stoff­beschich­tungen zeigten entsprechend keine Auffällig­keiten.

Risse in Mörtelbeschichtung

Risse deuten auf mangelnden Haftverbund zum Untergrund hin.

Hinsichtlich des Kriteriums „Infiltration“ zeigten sich an 33 von 48 Schadstellen (ca. 69 %) keine Auffällig­keiten. An allen sechs Mörtel­beschich­tungen wurden Auffällig­keiten in Form von Feuchte­flecken und/oder Fließ­fahnen festgestellt. Bei einer Kunst­stoff­beschich­tung zeigten sich an einer von vier Schadstellen Auffällig­keiten in Form von infiltrie­rendem Wasser („Oldodur WS 56“). An den vier Auskleidungs­systemen und der Kunst­stoff­beschich­tung aus Epoxid­harz wurden keine Auffällig­keiten festgestellt.

Wurde im Umfeld eines „Flächigen Schadens“ ein mangelhafter Verbund festgestellt, so traten in der Regel auch an diesen Stellen Undichtig­keiten auf. Traten Risse in einer Mörtel­beschich­tung auf, zeigten sich in allen Fällen ebenfalls Undichtig­keiten. An den vier Auskleidungs­systemen sowie der Kunst­stoff­beschich­tung aus Epoxid­harz wurden keine Auffällig­keiten festgestellt.

Abnahme-Eindruck

Mitglieder des Bewertungskreises beim Schachteinstieg

Abnahme-Eindruck: Der Bewer­tungs­kreis inspi­zierte alle Schächte sehr genau.

Die Spanne der Gesamtnoten bei diesem Kriterium reicht von sehr gut (1,1) bis ausreichend (3,7). Dabei wurden 3x die Note sehr gut, 5x gut, 3x befriedigend und 1x ausreichend an die Systeme vergeben (Durch­schnitt Gesamt­note 2,2). Es sind signifi­kante Noten­unter­schiede zwischen den einzelnen Systemen vorhanden.

Schutzwirkung

Nachweise für die Schutzwirkung wurden für 4 von 13 Systemen vorgelegt. Für drei Systeme liegt eine DIBt-Zulassung vor („Ombran MHP“, „Ergelit KS 1“ und „Spectrashield“). Für das System „Silicate R“ wurde ein Prüfungsnachweis, der für die DIBt-Zulassung erforderlich ist, vorgelegt. Alle Systeme zeigten in Stich­proben­unter­suchungen keine Auffällig­keiten. Entsprechend wurden alle Systeme um eine Note aufgewertet.

Die Qualitätssicherung der Systemanbieter beziehungsweise Sanierungs­dienst­leister war sehr lücken­haft. Sämtliche Ergebnisse sind in den Test­tabellen zusammengefasst.

 

Fazit

Schachtsanierung mit marktüblichen Systemen zuverlässig möglich

Feuchtefahne an Schachtwand

Trotz solcher Bilder: Eine zuver­lässige Schacht­sanie­rung auch bei späterer Grund­wasser­belas­tung ist möglich.

Im IKT-Warentest zeigten die Systeme, dass eine zuverlässige Schachtsanierung auch bei späterer Grund­wasser­belastung möglich ist. Die Bandbreite der einzelnen System­noten ist aller­dings groß – von GUT bis AUSREICHEND.

Systemversagen durch Mängel in der Untergrundvorbereitung im Einzelfall

Eines der Beschichtungssysteme ist nicht bewertbar, da es sich als äußerst empfindlich gegenüber punktuellen Mängeln in der Unter­grund­vor­be­reitung erwies (Test­kriterium „Robust­heit“). Ausgehend von im Test eigens provozierten lokalen Schwach­stellen (Trenn­mittel) entwickelten sich unter Außen­wasser­druck riesige Blasen, die einen weiteren Einstieg verhinderten. Weitere Systeme zeigten an diesen Stellen Risse, Blasen, Hohl­lagen­ver­größe­rungen und Un­dicht­heiten.

Dichtheitsverhalten frühzeitig erkennbar, wenn Grundwasser ansteht

Zeigten sich die Sanierungen direkt nach erster Grundwasserbelastung als dicht, so wurden in der Regel auch bei erhöhter und längerer Grund­wasser­belas­tung keine weiteren Qualitäts­mängel mehr beobachtet. Eine Bauabnahme bei anstehendem Grund­wasser ist zu empfehlen.

Tragsicherheit bei einigen Systemen kritisch oder unbekannt

Schächte im Großversuchstand, blaue Beschichtung im Vordergrund

Vom Sand befreit: 16 Schächte im IKT-Groß­ver­suchs­stand

Die Untersuchungen zur Tragwirkung der unterschiedlichen Systeme zeigen ein sehr diffe­renziertes Ergebnis. Einige Systeme, die auf Haft­verbund setzen, wiesen groß­flächige Hohl­stellen­bereiche und Riss­bildung auf und werden mit „mangelhaft“ benotet, andere schlossen überzeugend mit „sehr gut“ ab. Für die beiden selbst­tragenden Auskleidungen und ein System mit Rück­verankerung von Trag­elementen konnte lediglich in einem Fall ein statischer Nachweis vorgelegt werden, für die beiden anderen Systeme bleibt die Trag­sicherheit unbekannt.

Schutzwirkung bei einer Vielzahl der Systeme unklar

Lediglich 4 von 13 Anbietern konnten Nachweise für den Einsatz der Systeme in Abwasser­anlagen vorlegen. Bei Stich<­proben­unter­suchungen (Einlage­rungs­versuche) zeigten sich allerdings keine Auffällig­keiten.

Qualitätssicherung sehr lückenhaft

Die Mehrzahl der Systemanbieter und Sanierungsdienstleister konnte nur vereinzelt Schulungs­nachweise, Prüf­zeugnisse, DIBt-Zulas­sungen etc. vorweisen. Insgesamt zeigten sich große Lücken.

MAC-Messung belegt Mittragwirkung

MAC-Gerät im Schacht

Mit der MAC-Methode wird die Ring­steifig­keit des sanierten Schachts zerstö­rungs­frei ermittelt.

Die MAC-Messungen zeigen, dass alle Beschichtungen sowie Auskleidungen mit vollflächigem Kontakt beziehungs­weise Verbund zur Altschacht-Wandung einen nennenswerten Beitrag zur Wieder­her­stellung der hori­zontalen Ring­steifig­keit leisten können. Auch bei gerissenem Altschacht­ring wurden vielfach die Werte eines intakten Systems wieder erreicht oder sogar übertroffen.

Abnahme-Eindruck der Netzbetreiber bestätigt Test-Ergebnisse

Die unmittelbare Bewertung der Gewerke durch die Vertreter der kommunalen Netzbetreiber – der Abnahme-Eindruck bei Schacht­einstieg – deckte sich weitgehend mit den Ergebnissen der umfangreichen Warentest-Prüfungen. Dies setzt allerdings eine besondere Erfahrung der einzelnen Mitarbeiter voraus.

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Download Testbericht

Autoren
Dipl.-Ing. (FH) Serdar Ulutaş, MBA
Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler
Dipl.-Ök. Roland W. Waniek
Henning Winter

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. (FH) Serdar Ulutaş, MBA
Leiter IKT-Warentest
Telefon: 0209 17806-32
E-Mail: ulutas@ikt.de

 

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