Zwischen Starkregen und Trockenheit: Oberbürgermeisterin Andrea Henze besucht das IKT

Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze zu Besuch im IKT: Gemeinsam mit IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek (l.) und dem Wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler (r.) besichtigte sie die Versuchseinrichtungen des Instituts.
Zu viel Wasser, zu wenig Wasser: Beim Besuch der Gelsenkirchener Oberbürgermeisterin Andrea Henze im IKT ging es um Forschung im Maßstab 1:1, enge lokale Partnerschaften und die Folgen des Klimawandels für kommunale Abwassernetze.
Andrea Henze folgte damit einer Einladung des Instituts, seine Arbeit und umfangreichen Versuchseinrichtungen näher kennenzulernen. Empfangen wurde sie von IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek und dem Wissenschaftlichen Leiter des IKT, Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler.
Andrea Henze ist seit November 2025 Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen. Bei ihrem Rundgang zeigte sie großes Interesse an den Forschungs-, Prüf- und Weiterbildungsaktivitäten des Instituts und insbesondere an deren Bedeutung für kommunale Abwasserbetriebe.
Forschung unter realen Bedingungen im Maßstab 1:1

Rundgang durch die große Versuchshalle: IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek erläutert Oberbürgermeisterin Andrea Henze die Forschungs- und Prüfmöglichkeiten des Instituts.
Ein Schwerpunkt des Besuchs war der große Versuchsstand des IKT. Hier können komplette Kanalisationsbaustellen realitätsnah im Maßstab 1:1 aufgebaut werden. Rohre, Schächte, Sanierungssysteme und weitere Bauteile werden unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen untersucht. So lassen sich neue Verfahren und Produkte nicht nur theoretisch bewerten, sondern unter Bedingungen testen, die dem späteren Einsatz auf der Baustelle möglichst nahekommen.
Die Fragestellungen für die IKT-Forschungsprojekte entstehen überwiegend aus der Praxis kommunaler Abwasserbetriebe. Vertreterinnen und Vertreter der Stadtentwässerungen begleiten die Vorhaben, bringen ihre Betriebserfahrungen ein und wirken an der Festlegung der Versuchsprogramme mit. Ziel sind belastbare und unmittelbar nutzbare Erkenntnisse für Bau, Betrieb und Sanierung der unterirdischen Infrastruktur.
Das gilt ebenso für die vergleichenden IKT-Warentests. In ihnen werden Produkte und Verfahren unter Labor- und Praxisbedingungen untersucht. Die Ergebnisse sollen kommunalen Netzbetreibern helfen, Investitionsentscheidungen fachlich fundiert vorzubereiten und die Qualität im Kanalnetz langfristig zu sichern.

Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT, erläutert Oberbürgermeisterin Andrea Henze einen Versuchsaufbau.
GELSENKANAL und Feuerwehr: starke Partner vor Ort
Besonders erfreut zeigte sich Andrea Henze darüber, dass das IKT mit zwei kommunalen Institutionen aus Gelsenkirchen eng zusammenarbeitet: mit der Stadtentwässerung GELSENKANAL und mit der Feuerwehr Gelsenkirchen.
GELSENKANAL zählt zu den wichtigsten kommunalen Partnern des IKT in Forschungs- und Warentestprojekten. Die Fachleute der Stadtentwässerung bringen ihre Erfahrungen aus Planung, Bau und Betrieb des Gelsenkirchener Kanalnetzes in die Projekte ein. Dieser enge Praxisbezug ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Instituts.
Mit der Feuerwehr Gelsenkirchen verbindet das IKT ebenfalls eine intensive Zusammenarbeit. Gemeinsam wird der sichere Einstieg in Abwasserschächte und die Rettung von Menschen aus unterirdischen Kanälen geschult. Dafür bietet der große Forschungskanal des IKT besondere Möglichkeiten: Einsatz- und Rettungssituationen können praxisnah trainiert werden, ohne dass die Teilnehmenden den Gefahren eines realen Abwasserkanals ausgesetzt sind.

Fachlicher Austausch in der Versuchshalle: Oberbürgermeisterin Andrea Henze informierte sich über aktuelle Fragestellungen kommunaler Abwasserbetriebe.
Klimawandel bedeutet nicht nur Starkregen
Im anschließenden Gespräch ging es um die infrastrukturellen Herausforderungen, die sich für Städte und Gemeinden aus dem Klimawandel ergeben. Im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht häufig der Schutz vor urbanen Überflutungen durch Starkregen. Kanalnetze können jedoch nicht für jedes Extremereignis ausgelegt werden. Deshalb müssen Stadtentwässerung, Überflutungsvorsorge, Stadtplanung sowie blau-grüne Infrastruktur gemeinsam betrachtet werden.
Der Klimawandel stellt Abwasserbetriebe aber noch vor eine zweite, zunehmend wichtige Herausforderung: längere Trockenperioden und fehlende Niederschläge. Bleibt Regen über einen längeren Zeitraum aus, fehlen in Mischwasserkanälen zusätzliche Abflüsse und Spülwirkungen. Geringere Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten können Ablagerungen sowie längere Aufenthaltszeiten des Abwassers im Netz begünstigen.
Dadurch können sich verstärkt anaerobe Bedingungen entwickeln. Mögliche Folgen sind Geruchsbelästigungen durch Schwefelwasserstoff und – unter entsprechenden Randbedingungen – biogene Schwefelsäurekorrosion an Betonrohren und Bauwerken. Trockenheit ist damit nicht allein ein Thema der Grünflächenpflege oder der Trinkwasserversorgung, sondern kann auch den Betrieb und den Werterhalt der Kanalisation unmittelbar betreffen.
Regenwasser muss deshalb künftig noch stärker als Ressource betrachtet werden. Es geht darum, Niederschläge möglichst vor Ort zu speichern, zu versickern, zu verdunsten oder für Trockenphasen verfügbar zu machen. Starkregenvorsorge und der Umgang mit Trockenheit sind dabei zwei Seiten derselben Aufgabe: Kommunen müssen widerstandsfähiger gegenüber beiden Extremen werden. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im IKT-Blogbeitrag „Zu viel, zu wenig, zu schmutzig: Warum Regenwasser neu bewirtschaftet werden muss“.

Forschung zum Anfassen: IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek und Oberbürgermeisterin Andrea Henze vor einem Großrohr in der Versuchshalle.
Impulse für die weitere Arbeit
Oberbürgermeisterin Andrea Henze kündigte an, die angesprochenen Themen und Impulse in ihre weitere Arbeit aufzunehmen. Das IKT dankt ihr für den Besuch, das große Interesse und den offenen Austausch.
Als gemeinnütziges Forschungsinstitut mit Sitz in Gelsenkirchen wird das IKT auch künftig gemeinsam mit kommunalen Partnern an praxisnahen Lösungen für eine sichere, leistungsfähige und klimaangepasste unterirdische Infrastruktur arbeiten.












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