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IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH

Der Förderbescheid ist da! IKT-Warentest „Sanierungs­verfahren für Abwasserdruckleitungen“ kann starten

Beitrag vom 15. November 2018
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Baustelle mit Baugrube, Sanierung einer Druckleitung mit Liner

Der IKT-Warentest „Sanierungsverfahren für Abwasserdruckleitungen“ steht in den Startlöchern.

Der Förderbescheid ist da! Jetzt hat der kommende IKT-Warentest „Sanierungs­verfahren für Abwasser­druck­leitungen“ freie Bahn. Damit es losgehen kann, werden noch Netzbetreiber gesucht, die sich inhaltlich und finanziell beteiligen.

Die Herausforderung

„Bei Abwasserdruckleitungen gehen wir von einem hohen Sanierungs­bedarf aus“, umreißt Projekt­leiter Dipl.-Ing. Markus Gillar die Problematik. „In der Vergangenheit wurden häufig anfällige Rohr­materialien verwendet. Und viele Leitungen haben inzwischen ein hohes Alter erreicht.“

Doch Abwasserdruckleitungen machen es Netzbetreibern und Sanierern nicht gerade leicht: Oft fehlen Zugangs­möglich­keiten, Bögen bis zu 90 Grad und kleine Nenn­weiten erschweren die Sanierung, häufig sind Leitungs­verläufe nicht exakt bekannt und einiges mehr. Trotz dieser Schwierig­keiten rücken grabenlose Sanierungs­techniken mit ihren ökonomischen und ökologischen Vorteilen gegenüber der offenen Bauweise bei Netzbetreibern immer stärker in den Fokus, da sie in der Regel nur geringe Beein­trächti­gungen an der Oberfläche verursachen.

Der Untersuchungsbedarf

Portrait Markus Gillar

Projektleiter Markus Gillar: „Beim Thema Sanierung von Druck­leitungen besteht erheblicher Unter­suchungs­bedarf.“

Am Markt werden inzwischen einige grabenlose Sanierungs­verfahren für Abwasser­druck­leitungen angeboten. „Hier besteht aber noch ein erheblicher Unter­suchungs­bedarf, da solche Techniken gewisse Grenzen aufweisen, speziell wenn es um die Themen Bogen­gängig­keit und kleine Durchmesser geht“, schildert Gillar . Zum einen fehlen neutrale und unabhängige Informationen über die generelle Einbaubarkeit, den Einsatz­bereich und die Anwendungs­grenzen der einzelnen Verfahren und Produkte. Zum anderen gibt es derzeit kaum Erfahrungen mit Sanierungs­maßnahmen bei Abwasser­druck­leitungen.

Beim IKT-Warentest stehen deshalb insbesondere auch sanierungs­vorbereitende und -begleitende Maßnahmen im Mittelpunkt, wie die auf den konkreten Anwendungs­fall abgestimmte Auswahl von Sanierungs­techniken, die Durchführung von Qualitäts­sicherungs­maß­nahmen und die Vor­flut­sicherung während der Bauausführung.

Das Ziel

mehrere Personen mit roten Helmen im Großversuchsstand aus der Vogelperspektive

In den Großversuchsstand können Teststrecken im Maßstab 1:1 eingebaut werden.

Ziel des Vorhabens ist es, die kommunalen Netzbetreiber bei der Wahl eines geeigneten grabenlosen Sanierungs­verfahrens für Abwasser­druck­leitungen zu unterstützen und Sicherheit bei der Ausschreibung, Bauaus­führung und Qualitäts­überwachung zu geben.

Im Rahmen des IKT-Warentests werden in Zusammenarbeit mit einem projektbegleitenden Lenkungskreis aus kommunalen Netzbetreibern Prüfanforderungen und Prüfkriterien definiert und ein Prüfkonzept für vergleichende Untersuchungen entwickelt. Das Prüfkonzept wird in Labor-Untersuchungen umgesetzt. Im Großversuchsstand des IKT werden an einer Teststrecke aus Druckrohrleitungen verschiedene Schadensbildern eingebaut. Anschließend werden hier grabenlose Sanierungsverfahren von unterschiedlichen Anbietern unter gleichen Randbedingungen getestet.

Im Vordergrund der Untersuchungen stehen Druckleitungsliner für Nennweiten von DN 100 bis DN 400, da diese in der Praxis am häufigsten Anwendung finden. Mit Hilfe von In-situ-Untersuchungen an Abwasserdruckleitungen bei den Netzbetreibern vor Ort werden einerseits das Prüfkonzept untermauert und andererseits die Beobachtungen im Labor auf Plausibilität geprüft.

Der Nutzen

Dieser IKT-Warentest bietet den teilnehmenden Netzbetreibern vielfältigen Nutzen:

  • Marktübersicht über Produkte und Anbieter sowie Überblick über den derzeitigen Stand der Normen und Regelwerke
  • Informationen über die Einsatzmöglichkeiten und -grenzen von Sanierungsverfahren für Abwasserdruckleitungen und Aussagen zur technischen Leistungsfähigkeit als Grundlage für Investitionsentscheidungen
  • Mitwirkung bei der Entwicklung eines Prüfkonzepts und Aufstellen eines Leistungsspektrums für Druckleitungsliner
  • Vergleichende Untersuchungen an acht sanierten Abwasserdruckleitungen im Maßstab 1:1 im Labor (IKT-Großversuchsstand)
  • In-situ-Untersuchungen an zehn Abwasserdruckleitungen (Inspektion und Sanierung) mit wissenschaftlicher Begleitung
  • Erkenntnisse aus Inspektionen von zehn privaten Abwasserdruckleitungen (< DN 100) und Festlegung möglicher Sanierungsoptionen
  • Hinweise zur Qualitätssicherung bei Sanierungsmaßnahmen von Abwasserdruckleitungen und Empfehlungen für Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung und -abnahme
  • Handlungsempfehlungen für Netzbetreiber zur Reinigung, Inspektion und Sanierung von Abwasserdruckleitungen
  • Wissens- und Erfahrungsaustausch mit anderen Netzbetreibern im Rahmen von Lenkungskreissitzungen

Netzbetreiber gesucht!

Sitzung Besprechung

In regelmäßigen Lenkungskreissitzungen entscheiden die Teilnehmer unter anderem über die Prüfanforderungen.

Für dieses Vorhaben wurde beim Land Nordrhein-Westfalen von der Stadt Bottrop in Zusammenarbeit mit dem IKT ein Förderantrag eingereicht, der jetzt bewilligt wurde. Mit Blick auf den zu erbringenden Eigenanteil werden daher weitere Netzbetreiber gesucht, die sich im Rahmen des Vorhabens sowohl inhaltlich als auch finanziell einbringen wollen. Durch den Verbund beteiligter Netzbetreiber wird die Wirkung der einzelnen Teilnahmebeiträge um ein Vielfaches erhöht (sogenannter „Fördermittel-Hebel“). Die Kosten für die Teilnahme sind ansatzfähig für die Abwassergebühren.

Projektkenndaten

Projekttitel: IKT-Warentest „Sanierungsverfahren für Abwasser­druck­leitungen“
Projektlaufzeit: 24 Monate
Antragsteller: Stadt Bottrop
Forschungsdienstleister: IKT ‑ Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH
Projektbeteiligte: eine Gruppe von 15 Netzbetreibern
Teilnahmebeitrag je Netzbetreiber: 20.000 Euro (brutto)

Ansprechpartner

  • Dipl.-Ing. Markus Gillar, IKT
    Projektleiter
    Telefon: 0209 17806-46
    E-Mail: gillar@ikt.de
  • Dipl.-Ing. (FH) Serdar Ulutaş, MBA, IKT
    Leiter IKT-Warentest
    Telefon: 0209 17806-32
    E-Mail: ulutas@ikt.de
  • Dipl.-Ing. Ugur Üstündag, Stadt Bottrop
    Telefon: 02041 703482
    E-Mail: ugur.uestuendag@bottrop.de
IKT-Warentests: Produkte und Verfahren im Vergleich

drei Mitarbeiter päparieren die Schäden an den Teststrecken im IKT-Großversuchsstand

IKT-Warentest: Hier werden Schäden an einer Teststrecke im IKT-Großversuchsstand präpariert.

Ziel der IKT-Warentests ist es, den Netzbetreibern zuverlässige und unabhängige Informationen über Eigenschaften von marktgängigen Produkten und Verfahren zu liefern. Angaben in Verfahrensbeschreibungen und Werbeinformationen der Anbieter werden durch den IKT-Warentest einer unabhängigen und neutralen Prüfung unterzogen.

Der Fokus liegt auf der Eignung von Produkten unter langfristigen Betriebsbedingungen. So werden vor allem während des Betriebs auftretende Beanspruchungen untersucht, denen die Produkte in der Praxis jahrzehntelang ausgesetzt sind.

Die Gewährleistungsfrist für Produkte der Kanalisationstechnik beträgt heute maximal fünf Jahre. Dies ist verglichen mit den angestrebten Nutzungsdauern eine sehr kurze Zeitspanne. Von besonderem Nachteil für Auftraggeber sind Schäden, die erst nach Ablauf der Gewährleistungsfrist auftreten. Ein Rückgriff auf den Anbieter ist nur in den seltensten Fällen möglich. Daraus resultiert ein erhebliches finanzielles Risiko für die Netzbetreiber, das durch die vergleichenden IKT-Warentests reduziert werden kann.

Ein IKT-Warentest wird immer durch eine Gruppe von Netzbetreibern begleitet, dem sogenannten Lenkungskreis. Dieser Lenkungskreis entscheidet in regelmäßigen Sitzungen über

  • die Auswahl von Produkten beziehungsweise Verfahren für die erste Testreihe
  • die Bau- beziehungsweise Instandhaltungsaufgabe für den Einsatz der Produkte oder Verfahren im Test
  • die maßgeblichen Leistungsziele und Qualitätsanforderungen
  • den Umfang und die Ausrichtung des Prüfprogramms
  • den Informationsaustausch mit den Produkt- beziehungsweise Verfahrensanbietern
  • die Bewertung und die Veröffentlichung der Ergebnisse

Die eigentliche Prüfung und die Dokumentation der Ergebnisse erfolgen durch das IKT als unabhängiges Institut. Das IKT ist im Rahmen der Prüfung insbesondere verantwortlich für die ingenieurtechnische Entwicklung und Umsetzung der Prüfaufbauten und des Prüfprogramms. Diesbezügliche Entscheidungen werden in unmittelbarer Abstimmung mit dem Lenkungskreis getroffen.

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