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IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH

Schachtsanierung: Verfahren, Qualität und Praxistipps für Betreiber

Beitrag vom 16. August 2026
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Herablassen eines Schachtunterteils in einen bestehenden Abwasserschacht

Einbau eines Schacht-in-Schacht-Systems

Abwasserschächte sind klein im Durchmesser, aber groß in ihrer Bedeutung. Sie belüften das Kanalnetz, lenken Abwasserströme um und schaffen den Zugang zu den Haltungen. Trotzdem werden sie bei Sanierungsstrategien noch immer häufig nachrangig behandelt. Dabei gilt für Schächte dasselbe wie für Leitungen: Sie müssen standsicher, dicht, dauerhaft und betriebssicher sein.

Worauf es bei einer guten Schachtsanierung ankommt, besprechen Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und IKT-Schachtexperte Markus Gillar in der Podcast-Folge „KanalSpezial – Schachtsanierung“.

Die zentrale Botschaft des Gesprächs lautet:
Die Qualität einer Schachtsanierung entscheidet
sich nicht erst beim Auftragen des Sanierungsmaterials. Sie entsteht vor allem bei der Zieldefinition, der Untergrundvorbereitung, der Vorabdichtung, der Reprofilierung und der Qualitätskontrolle.

Was Betreiber aus der Podcast-Folge „Schachtsanierung“ mitnehmen

  • Warum Schächte bei Fremdwasser, Korrosion und Arbeitssicherheit mitgedacht werden müssen
  • Weshalb zuerst das Sanierungsziel und erst danach das Verfahren festgelegt werden sollte
  • Wo die Stärken und Grenzen von Mörtelbeschichtungen, Kunststoffbeschichtungen, Auskleidungen und Innenschachtsystemen liegen
  • Warum Untergrundvorbereitung, Vorabdichtung und Reprofilierung über die Dauerhaftigkeit entscheiden
  • Welche Nachweise Auftraggeber in Ausschreibung, Ausführung und Abnahme vorsehen sollten
  • Warum eine optische Auffälligkeit nicht automatisch ein funktionaler Mangel ist

Die vollständige Folge „Schachtsanierung“ gibt es auf Spotify zu hören.

Mehrere Abwasserschächte im IKT-Großversuchsstand

Schachtbatterie im IKT-Großversuchsstand: Sanierungsverfahren werden unter vergleichbaren Bedingungen geprüft

Die „Stiefkinder“ des Kanalnetzes

Rund 13,5 Millionen Abwasserschächte gibt es in Deutschland. Sie sind keine bloßen Nebenbauwerke. Ohne sie wären Inspektion, Reinigung, Wartung und Sanierung vieler Haltungen kaum möglich. Sie übernehmen hydraulische Funktionen, ermöglichen Richtungs- und Höhenwechsel und sorgen für die Belüftung des Netzes.

Besonders deutlich wird ihre Bedeutung bei der Fremdwassersanierung. Werden nur die Haltungen abgedichtet, während undichte Schachtringverbindungen, Anschlüsse oder Gerinne bestehen bleiben, ist das Sanierungsziel nicht erreicht. Weiter eindringendes Grundwasser beansprucht hydraulische Kapazitäten, belastet Regenbecken und Kläranlagen und kann die Abwasserreinigung beeinträchtigen.

Schächte müssen deshalb als Bestandteil des gesamten Entwässerungssystems betrachtet werden. Eine Haltungssanierung sollte immer die Frage einschließen: In welchem Zustand befinden sich die Schächte am Anfang und am Ende des sanierten Abschnitts?

IKT-Mitarbeiter prüft einen Abwasserschacht

Zustandserfassung vor Ort: Schäden und Randbedingungen direkt im Schacht prüfen

Zwei Hauptschäden – und ein Sicherheitsrisiko

Zwei typische Schadenskomplexe und betriebliche Aspekte sind zu beachten:

  • Undichtigkeiten und Infiltration: Je tiefer die Schadstelle liegt, desto höher kann der anstehende Außenwasserdruck sein. Besonders Ringfugen, Rohranschlüsse und der untere Schachtbereich verlangen Aufmerksamkeit.
  • Biogene Schwefelsäurekorrosion: Der Angriff schädigt zementgebundene Werkstoffe von innen. Die Oberfläche kann wie Waschbeton aussehen, Zuschlagkörner liegen frei und die Wand verliert an Dicke. Damit geraten Dauerhaftigkeit und gegebenenfalls auch Standsicherheit in den Fokus.
  • Betriebssicherheit: Stark korrodierte Steigeisen können ihre Tragfähigkeit verlieren. Bei auffälliger Kanalatmosphäre sind geeignete Schutzmaßnahmen, Absturzsicherung und eine kontinuierliche Atmosphärenmessung unverzichtbar. Ein Einstieg darf nicht über beschädigte fest installierte Steigtechnik erfolgen.

Praxispunkt für Betreiber:
Undichtigkeit, Korrosion und beschädigte Steigtechnik nicht getrennt betrachten. Ein schadhaftes Bauwerk kann gleichzeitig ein wasserwirtschaftliches, statisches und arbeitsschutzrelevantes Problem sein.

Im IKT-Großversuchsstand: 13 Schacht-Sanierungsverfahren im Test

Im IKT-Großversuchsstand: 13 Schacht-Sanierungsverfahren im Test

Erst das Sanierungsziel, dann das Verfahren

Vor der Auswahl eines Produktes steht eine grundlegende Betreiberentscheidung: Was soll mit der Maßnahme erreicht werden?

Soll ein Schacht nur noch wenige Jahre bis zur ohnehin geplanten Erneuerung eines Strangs funktionsfähig bleiben? Oder wird eine langfristige Lösung angestrebt, die das Bauwerk für weitere 30, 40 oder 50 Jahre nutzbar macht? Die Antwort verändert Anforderungen, Aufwand und Verfahrenswahl erheblich.

Ebenso wichtig ist die Ursachenfrage. Hat sich die schädigende Randbedingung inzwischen verändert – oder bleibt beispielsweise eine aggressive Atmosphäre dauerhaft bestehen? Wenn die Ursache nicht beseitigt werden kann, muss das Sanierungssystem das Bauwerk dauerhaft gegen diese Einwirkung schützen.

Untersuchung eines im IKT-Labor eingebauten Schachtliners

Schachtliner im IKT-Test: Nicht jedes System passt zu jedem Schadensbild

Welches System passt zu welchem Schacht?

Ein pauschal „bestes“ Verfahren gibt es nicht. Die Systeme unterscheiden sich in Tragwirkung, Korrosionsschutz, Einbau und Empfindlichkeit gegenüber den Randbedingungen.

  • Mörtelbeschichtungen können die Wanddicke wieder aufbauen und bei gutem Verbund zur Steifigkeit und Abdichtung beitragen. Voraussetzung ist ein tragfähiger, sauberer und ausreichend rauer Untergrund. Bei fortdauernd aggressiver Atmosphäre ist der Korrosionsschutz gesondert zu bewerten.
  • Kunststoffbeschichtungen spielen ihre Stärke beim Korrosionsschutz aus. Sie sind jedoch besonders auf einen vollflächigen Haftverbund angewiesen. Fehlstellen und Außenwasserdruck können Blasen und Ablösungen begünstigen.
  • Innenschachtsysteme erstellen einen neuen Schacht im alten. Dafür sind ein genaues Aufmaß, vorkonfektionierte Bauteile und häufig zusätzliche Tiefbauarbeiten am Konus oder an der Abdeckplatte notwendig.
  • Segment-, Liner- und Laminatsysteme können hingegen durch die vorhandene Schachtöffnung eingebaut werden. Anschlüsse, Fugen, Schweißnähte und Übergänge müssen sorgfältig ausgeführt und geprüft werden.

Die Bandbreite zeigt: Betreiber müssen Systemvorteile und Anwendungsgrenzen kennen, bevor sie Leistungen ausschreiben. Das Verfahren muss zum Schadensbild, zur Einwirkung, zur Lage des Schachts und zur gewünschten Nutzungsdauer passen.

Verfüllung des Ringraums zwischen Innenschacht und Altschacht

Einbau eines Innenschachts: Der Ringraum zum Altschacht wird mit Mörtel verfüllt

Der Materialauftrag ist nur ein Teil der Sanierung

Eine fachgerechte Schachtsanierung besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten:

  1. Bestand und Randbedingungen erfassen: Schäden, Außenwasserdruck, Kanalatmosphäre, Zugänglichkeit, Geometrie und vorhandene Sanierungen untersuchen.
  2. Untergrund vorbereiten: Verschmutzungen und geschädigtes Material entfernen und eine tragfähige, ausreichend raue Oberfläche herstellen.
  3. Vorabdichten: Infiltration so stoppen, dass das gewählte System eingebaut werden und ungestört erhärten kann.
  4. Reprofilieren: Fehlstellen und Materialverluste ausgleichen und eine definierte Geometrie für die nachfolgende Beschichtung oder Auskleidung schaffen.
  5. Sanierungssystem einbauen: Material- und verfahrensspezifische Vorgaben einhalten.
  6. Nachbehandeln und prüfen: Mörtel vor Zugluft, Sonneneinstrahlung und vorzeitiger Austrocknung schützen; Kunststoffsysteme auf Pinholes und Blasen, Laminate auf Gleichmäßigkeit und Aushärtung kontrollieren.

Diese Schritte gehören in die Ausschreibung und in die Dokumentation. Wer lediglich „Schacht sanieren“ ausschreibt, überlässt wesentliche Qualitätsentscheidungen der Baustelle.

Druckerzeuger für 500 und 1.000 bar Wasserdruck im IKT-Versuch

Mit wieviel Druck den Untergrund vorbereiten? Druckerzeuger für 500 bar (links) und 1000 bar (rechts) Wasserdruck.

Untergrundvorbereitung: reinigen, abtragen, aufrauen

Die Untergrundvorbereitung ist das Fundament für den späteren Verbund. Die Oberfläche muss sauber und tragfähig sein. Geschädigtes Material ist abzutragen; die oberflächliche Zementschicht muss so weit entfernt werden, dass das Korngerüst kuppenartig hervortritt.

Dafür kommen Wasserhochdruckverfahren zum Einsatz. Automatisierte Systeme können die Schachtwand gleichmäßig bearbeiten, ohne dass sich während der Flächenbearbeitung ein Mitarbeiter im engen Schacht aufhalten muss. Je nach erforderlichem Abtrag werden unterschiedliche Drücke oder abrasive Zusätze eingesetzt. Entscheidend ist nicht allein der eingestellte Druck, sondern das nachweisbare Ergebnis auf der gesamten Fläche.

Eine kurze Reinigung mit einem leistungsschwachen Gerät reicht nicht. Für einen mehrere Meter tiefen Schacht kann eine fachgerechte Untergrundvorbereitung deutlich mehr Zeit beanspruchen. Dieser Aufwand muss im Leistungsverzeichnis beschrieben, kalkuliert und auf der Baustelle zugelassen werden.

IKT-Prüfer führt eine Haftzugprüfung an einer Schachtbeschichtung aus

IKT prüft vor Ort die Haftzugfestigkeit einer Schachtbeschichtung

Wie lässt sich die Qualität nachweisen?

  • Fotodokumentation: Der Auftragnehmer dokumentiert die vorbereitete Fläche vor dem nächsten Arbeitsschritt.
  • Visuelle Kontrolle: Sauberkeit, Rauigkeit, freigelegtes Korngerüst und verbliebene Fehlstellen werden beurteilt.
  • Abreiß- oder Haftzugprüfung: Stichproben geben Auskunft über die Festigkeit des Untergrundes beziehungsweise den Verbund der Beschichtung.
  • Freigabepunkt: Bei größeren Maßnahmen sollte die vorbereitete Oberfläche vor dem Beschichten ausdrücklich durch den Auftraggeber oder die Fremdüberwachung freigegeben werden.

Als Orientierungsbereich werden in den IKT-Unterlagen – abhängig von Anforderung und Prüfgegenstand – Mittelwerte von etwa 1,0 bis 1,5 N/mm² genannt. Der Messwert darf jedoch nie isoliert betrachtet werden. Er muss zum Schadensbild, zur sichtbaren Oberflächenstruktur und zum vorgesehenen System passen.

„Die Qualität entsteht erst auf der Baustelle.“

Die neutrale IKT-Prüfstelle beurteilt Untergrundvorbereitung und Sanierungsqualität, führt Haftzugprüfungen aus und unterstützt Auftraggeber mit Baustellenbegleitung, Fremdüberwachung und bebilderten Prüfberichten.

IKT-Prüfer bereitet Prüfpunkte an einer Schachtwand vor

Sorgfalt im Detail: Vorbereitung der Prüfpunkte für die Qualitätskontrolle

Vorabdichtung: Das Wasser muss lange genug draußen bleiben

Bei Infiltration kann nicht einfach gegen den laufenden Wassereintritt beschichtet werden. Der Schacht muss mindestens während Einbau und Erhärtung des Sanierungssystems ausreichend trocken bleiben. Dafür kommen je nach Aufgabe temporäre oder dauerhafte Abdichtungen infrage.

Schnell abbindende Stopfmörtel können punktuelle Wassereintritte innerhalb weniger Minuten stoppen. Für Fugen, größere Flächen oder Hohlräume können weitere Mörtel- und Injektionsverfahren erforderlich sein. Dabei ist das Zusammenspiel mit dem nachfolgenden System entscheidend: Eine Vorabdichtung, die Wasser zurückhält, kann dennoch eine Schwachstelle für den späteren Haftverbund bilden.

Auch Wanderleckagen sind mitzudenken. Wird eine undichte Ringfuge in einem im Grundwasser stehenden Schacht geschlossen, kann sich der Wassereintritt auf eine höher liegende Fuge verlagern. Deshalb sollte nicht nur die sichtbare Einzelstelle, sondern die gesamte betroffene Fugenfolge betrachtet werden.

Blick in den IKT-Großversuchsstand mit mehreren Abwasserschächten

Im IKT-Großversuchsstand lassen sich Randbedingungen im Maßstab 1:1 abbilden

Was die IKT-Großversuche über Fehlstellen zeigen

Im IKT-Warentest „Schachtsanierung“ wurden 13 marktgängige Auskleidungs- und Beschichtungssysteme unter vergleichbaren Bedingungen untersucht. Die Schächte wurden im Großversuchsstand im Maßstab 1:1 eingebaut, saniert und belastet. So ließen sich nicht nur Materialkennwerte, sondern auch Ausführungseinflüsse und typische Fehlstellen untersuchen.

Eine wichtige Erkenntnis: Verschmutzungen oder unzureichend vorbereitete Teilflächen können Hohlstellen und Risse verursachen. Das Verhalten hängt jedoch stark vom System ab.

  • Mörtelbeschichtungen zeigten sich in den Versuchen gegenüber lokalen Fehlstellen vergleichsweise robust. Hohlstellen gingen zwar häufig mit Rissen oder Feuchtefahnen einher, führten aber nicht automatisch zu einem standsicherheitsrelevanten Versagen oder zu erheblichen Fremdwasserzuflüssen. Faserverstärkte Mörtel konnten Fehlstellen teilweise besser überbrücken.
  • Kunststoffbeschichtungen reagierten unter Außenwasserdruck empfindlicher auf fehlenden Haftverbund. In den untersuchten Fällen traten Blasenbildung, Ablösungen und teilweise ein kollapsartiges Versagen auf. Epoxidharz zeigte unter den geprüften Kunststoffsystemen die beste Leistung.
  • Bei gutem Haftverbund konnten sowohl Mörtel- als auch Kunststoffbeschichtungen Risse überbrücken und die Steifigkeit gerissener Schachtringe wiederherstellen. Dickere Mörtelaufbauten leisteten zusätzlich einen wirksamen Wandaufbau.

Diese Ergebnisse sind keine pauschale Rangliste aller Produkte. Sie zeigen vielmehr, wie wichtig die richtige Zuordnung von System, Einwirkung und Untergrund ist. Kunststoff kann seine Stärke beim Korrosionsschutz ausspielen. Mörtel kann bei Wandaufbau, Abdichtung und Mittragwirkung Vorteile bieten. Entscheidend bleibt der konkrete Anwendungsfall.

Netzbetreiber begutachten einen sanierten Schacht im IKT-Großversuchsstand

Praxisurteil der Netzbetreiber: Der IKT-Bewertungskreis nimmt die sanierten Schächte genau unter die Lupe

Qualitätssicherung beginnt im Leistungsverzeichnis

Der Auftraggeber sollte nicht nur das Endprodukt beschreiben, sondern auch qualitätsentscheidende Zwischenschritte und Nachweise festlegen. Sinnvolle Punkte sind:

  • Sanierungsziel und erwartete Nutzungsdauer
  • bekannte Einwirkungen wie Außenwasserdruck oder aggressive Atmosphäre
  • Verfahren und Zielzustand der Untergrundvorbereitung
  • Vorgaben zur Vorabdichtung und Reprofilierung
  • Fotodokumentation vor dem Überdecken wichtiger Arbeitsschritte
  • Prüfungen der Untergrund- und Haftzugfestigkeit
  • Materialnachweise, Chargen, Verarbeitungszeiten und Klimabedingungen
  • Nachbehandlung, Sichtprüfung und Abnahmekriterien
  • Freigabepunkte und Umfang der Fremdüberwachung

Eine Muster-Vorlage für die Ausschreibung der Fremdüberwachung finden Sie hier:
Prüfung von Schachtsanierungen.

Sanierer beschichtet die Wand eines Abwasserschachts

Beschichten ist nur ein Arbeitsschritt – die Qualität entsteht im gesamten Prozess

Funktion vor Kosmetik

Eine sanierte Schachtwand muss nicht wie ein Wohnzimmer aussehen. Entscheidend ist, ob die vereinbarten Funktionen erreicht werden: Standsicherheit, Dichtheit, Betriebssicherheit und Dauerhaftigkeit.

Eine optische Auffälligkeit ist deshalb nicht automatisch ein Mangel. Eine kleine Feuchtefahne kann im Einzelfall tolerierbar sein, wenn kein relevanter Fremdwasserzufluss besteht und Tragwirkung sowie Dauerhaftigkeit nicht beeinträchtigt sind. Umgekehrt kann eine glatt und sauber wirkende Oberfläche einen unzureichenden Haftverbund verdecken.

Für die Abnahme bedeutet das: Nicht allein nach Optik entscheiden, sondern Anforderungen, Messergebnisse, Dokumentation und wasserwirtschaftliche Relevanz zusammen bewerten. Unüberlegte kosmetische Nacharbeiten können ein ansonsten funktionsfähiges System sogar verschlechtern.

Sanierer arbeitet im Schacht neben der fest eingebauten Steigtechnik

Arbeiten im engen Schacht: Sicherheit und geeignete Einstiegstechnik gehören zur Sanierungsplanung

Steigeisen nach der Sanierung: neu bohren oder neu denken?

Nach einer aufwendigen Abdichtung stellt sich eine heikle Frage: Soll die neue innere Schale für den Einbau fest installierter Steigeisen wieder an zahlreichen Stellen angebohrt werden?

Markus Gillar empfiehlt Betreibern, diese Entscheidung kritisch zu prüfen. Jede neue Bohrung kann eine potenzielle Schwachstelle schaffen. Zudem muss fest installierte Steigtechnik regelmäßig kontrolliert, gewartet und gegebenenfalls ersetzt werden.

Mobile Hubeinrichtungen oder in den Schachtrahmen eingesetzte Leitern können Alternativen sein. Eine pauschale Lösung gibt es auch hier nicht. Entscheidend sind Gefährdungsbeurteilung, örtliche Bedingungen, Häufigkeit und Zweck des Einstiegs sowie die Abstimmung mit dem Betriebspersonal. Das Ziel bleibt ein sicherer Einstieg, ohne die neue Abdichtung unnötig zu schwächen.

IKT-Mitarbeiter prüft eine sanierte Schachtwand

Die Qualität einer Schachtsanierung lässt sich nur direkt im Schacht zuverlässig prüfen

IKT-Kompetenz: Forschung, Prüfung und Baustellenpraxis

Das IKT verbindet Erkenntnisse aus Forschung und Warentests mit Erfahrungen aus realen Baumaßnahmen. Im Großversuchsstand können Schächte im Maßstab 1:1 eingebaut, vorgeschädigt, saniert und unter definierten Randbedingungen geprüft werden. Auf der Baustelle untersucht die IKT-Prüfstelle, ob diese Qualität auch tatsächlich erreicht wird.

Das Angebot für Netzbetreiber reicht von der Auswahl geeigneter Verfahren über Musterbaustellen und Ausschreibungshilfen bis zu Baustellenbegleitung, Haftzugprüfung, Fremdüberwachung und Abnahme. Damit wird aus Forschung direkt anwendbare Qualitätssicherung.

Teilnehmer betrachten sanierte Schächte im IKT-Großversuchsstand

Praxiswissen im IKT: An realen sanierten Schächten werden Verfahren und Qualitätsmerkmale anschaulich vermittelt

Fazit: Gute Schachtsanierung ist geplante Qualität

Schachtsanierung ist kein Kosmetikprogramm. Sie schützt die Funktionsfähigkeit des Kanalnetzes, reduziert Fremdwasser, erhält die Tragfähigkeit und verbessert die Sicherheit für den Betrieb.

Für Betreiber heißt das:

  • Schächte gemeinsam mit den Haltungen betrachten,
  • Sanierungsziel und Einwirkungen vor der Verfahrenswahl klären,
  • Untergrundvorbereitung und Vorabdichtung konkret ausschreiben,
  • Zwischenschritte dokumentieren und bei Bedarf freigeben,
  • Prüfwerte, Optik und Funktion gemeinsam bewerten,
  • und die Ausführungsqualität durch geeignete Kontrollen absichern.

Kurz gesagt: Das richtige Material ist wichtig. Dauerhafte Qualität entsteht aber erst aus dem Zusammenspiel von Planung, Untergrund, Verarbeitung, Prüfung und Erfahrung.

Porträt von Dipl.-Ing. Markus Gillar, Projektleiter am IKT

Dipl.-Ing. Markus Gillar, IKT
Kontakt: gillar@ikt.de

KanalSpezial – der KomNetABWASSER-Podcast des IKT

Folge IKT07: Schachtsanierung

Im Podcast sprechen Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler und Dipl.-Ing. Markus Gillar über typische Schäden, Sanierungsverfahren, Untergrundvorbereitung, Vorabdichtung, Qualitätskontrolle und Erkenntnisse aus den IKT-Großversuchen.

🔊 auf Spotify hören
🔊 Podcast-Seite des KomNetABWASSER
Zum Nachlesen: Kurze Zusammenfassung

Mehr Wissen: Weiterbildung zur Schachtsanierung

Titelblatt Online-Crashkurs Schachtsanierung 2026

1. Crashkurs Schachtsanierung

Für den praxisnahen Einstieg oder die gezielte Auffrischung:

  • typische Schadensbilder an Abwasserschächten und deren Ursachen
  • Untergrundvorbereitung, Auskleidung und Beschichtung
  • Auswahl geeigneter Sanierungsverfahren
  • Qualitätssicherung, Fremdüberwachung und Protokollierung aus Betreibersicht

Online-Termine:

  • 4./11./18./25. September 2026
  • 5./12./19./26. Februar 2027
  • 10./17./24. September und 1. Oktober 2027
  • jeweils 10:00 bis 12:00 Uhr

Für Teilnehmer aus dem KomNetABWASSER ist der Crashkurs kostenfrei.

🔗 Hier: Programm & Anmeldung

 

Titelblatt IKT-Lehrgang Schachtsanierungsberater 2026

2. IKT-Lehrgang Schachtsanierungsberater

Für alle, die tiefer einsteigen und Verantwortung übernehmen wollen. Der dreitägige Präsenzlehrgang behandelt:

  • Ingenieurbauwerk Schacht und Arbeitssicherheit
  • Schachtkopfsanierung, Abdichtungen und Rohranbindungen
  • Auskleidungen und Beschichtungen einschließlich Untergrundvorbereitung
  • Mittragwirkung, Abnahme, Fremdüberwachung und Muster-ZTVen
  • objektbezogene Auswahl geeigneter Sanierungsverfahren

Präsenz-Termine:

  • 13. bis 15. Oktober 2026
  • 6. bis 8. April 2027
  • 12. bis 14. Oktober 2027

Für Teilnehmer aus dem KomNetABWASSER ist der Lehrgang kostenfrei.

🔗 Hier: Programm & Anmeldung

 

Weiterführende IKT-Informationen

IKT-Warentest „Schachtsanierung“:
Ergebnistabelle und Testbericht

Prüfung und Fremdüberwachung:
IKT-Prüfstelle Schachtsanierung

🔊 Alle Podcasts von Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler finden Sie hier:
KanalSpezial – der KomNetAbwasser-Podcast des IKT

Unsere weiteren Seminare und Lehrgänge hier:

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