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Trockene Sommer: Stadtentwässerungen unter Druck

Beitrag vom 27. August 2026
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Ausgetrockneter Wasserlauf als Folge anhaltender Trockenheit und Hitze

Trockenheit ist längst ein Betriebsthema: Im Strategiedialog des KomNetABWASSER bündelte das IKT Erfahrungen kommunaler Stadtentwässerungen und strukturierte die nächsten Handlungsfelder.

Weniger Wasser im Kanal heißt nicht weniger Arbeit. Im Gegenteil. Wenn Niederschläge ausbleiben und die Temperaturen steigen, nimmt die Spülwirkung im Kanalnetz ab. Ablagerungen bleiben liegen, Gerüche entstehen schneller und zusätzliche Kanalreinigungen werden erforderlich. Gleichzeitig geraten Regenbecken, Gewässer, Brunnen, Fahrzeuge und nicht zuletzt die Mitarbeiter unter Druck.

Wie gut sind Abwasserbetriebe darauf vorbereitet? Diese Frage hat das IKT am 20. August 2026 in einem zweistündigen Online-Strategiedialog des KomNetABWASSER aufgegriffen. Rund 30 Vertreter aus 18 Kommunen und Verbänden brachten ihre Erfahrungen ein. Bereits die Blitzumfrage zu Beginn zeigte: 50 Prozent der abgegebenen Antworten berichteten von einem konkreten Problem in diesem Sommer, das unmittelbar auf Trockenheit oder Hitze zurückgeführt wurde.

IKT-Fachkompetenz trifft kommunale Betriebserfahrung

KomNetABWASSER: Stadtentwässerungen unterstützen sich gegenseitig mit Wissen und Erfahrungen

Netzwerk „Unternehmensführung“ im KomNetABWASSER.
Leiter: Dr.-Ing. Serdar Ulutas, IKT

Der Strategiedialog zeigt, wie das KomNetABWASSER arbeitet: Kommunale Abwasserbetriebe bringen aktuelle Fragen, Fallbeispiele und Erfahrungen aus ihrem Betriebsalltag ein. Das IKT greift die Themen auf, ordnet sie fachlich ein, strukturiert den Austausch und entwickelt daraus gemeinsam mit den Betrieben praxistaugliche nächste Schritte.

Der Dialog war im Leitthema Unternehmensführung angesiedelt und bewusst offen, praxisnah und aus unterschiedlichen Perspektiven angelegt.

Das Kommunale Netzwerk der Abwasserbetriebe ist eine Initiative von über 200 Abwasserbetrieben. Sie nutzen gemeinsam die Serviceleistungen des IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur. Das IKT organisiert und moderiert das Netzwerk als neutrales und unabhängiges Forschungs- und Prüfinstitut. Seine Beratung stützt sich unter anderem auf Erfahrungen aus vergleichenden Warentests sowie Pilot- und Forschungsprojekten.

Das Prinzip des KomNetABWASSER: Erfahrungen und Ideen teilen, Fragen stellen, Antworten bekommen und voneinander lernen, was in der kommunalen Praxis funktioniert – und was nicht. So muss nicht jeder Abwasserbetrieb das Rad neu erfinden.

Mehr über das Kommunale Netzwerk der Abwasserbetriebe – KomNetABWASSER

Trockenheit ist im Abwasserbetrieb angekommen

Rohrleitung mit geringer Wasserführung während einer Trockenperiode

Geringe Wasserführung kann Ablagerungen, längere Aufenthaltszeiten und Geruchsprobleme begünstigen. Die Berichte aus dem KomNetABWASSER zeigen, wo Abwasserbetriebe bereits reagieren müssen.

Die Erfahrungen aus den Stadtentwässerungen zeigen: Trockenheit und Hitze sind keine abstrakten Zukunftsthemen mehr. Sie wirken sich bereits heute auf Betrieb, Personal und Anlagen aus. Der Deutsche Wetterdienst beziffert den Anstieg der Jahresmitteltemperatur im Flächenmittel Deutschlands von 1881 bis 2025 auf 2,5 Grad Celsius. Für Abwasserbetriebe bedeutet das, sich auf längere Trockenphasen und häufiger auftretende Hitzeperioden einzustellen.

Das IKT hatte den Dialog mit fünf konkreten Leitfragen eröffnet: Welche Folgen hat Trockenheit für Kanalnetz, Pumpwerke und Kläranlagen? Welche Risiken entstehen durch geringe Wasserführung? Wie lassen sich Betriebe auf Hitze und Wasserknappheit vorbereiten? Wie können Mitarbeiter bei Hitze geschützt werden? Und welche technischen, organisatorischen und strategischen Vorsorgemaßnahmen sind erforderlich?

Die Antworten wurden im Strategiedialog aus drei Perspektiven betrachtet:

  • Auswirkungen und Risiken: Was verändert sich in Kanalnetz, Pumpwerken, Regenbecken und Kläranlagen?
  • Betrieb und Mitarbeiter: Wie bleiben Abwasserbetriebe auch bei Hitze und Wasserknappheit handlungsfähig?
  • Vorsorge und Strategie: Welche technischen und organisatorischen Maßnahmen sind dauerhaft erforderlich?

Weniger Spülwirkung, mehr Ablagerungen und Geruch

Kanalreinigungsfahrzeuge beim IKT-Fahrzeug-Check

Fehlende Spülwirkung im Kanalnetz kann zusätzliche Reinigungseinsätze erforderlich machen. Das IKT verbindet Betreibererfahrungen aus dem Netzwerk mit seinem Wissen aus Forschung, Prüfung und technischer Beratung.

Besonders deutlich werden die Folgen in Mischwasserkanälen. Bei geringer Wasserführung sinkt die Transportleistung. Ablagerungen nehmen zu und Abwasser verbleibt länger im Netz. Höhere Temperaturen und eine geringe Sauerstoffzufuhr begünstigen anaerobe Prozesse. Dadurch können sich verstärkt Geruchsstoffe und insbesondere Schwefelwasserstoff, kurz H2S, bilden.

Mehrere Betriebe berichteten von zunehmenden Geruchsbeschwerden. Das absolute Niveau wurde zwar weiterhin als moderat eingeschätzt, im Vergleich zum Vorjahr war bei einzelnen Netzbetreibern jedoch ein Anstieg messbar. Besonders betroffen sind bekannte Hotspots sowie Übergabepunkte und Endschächte von Druckentwässerungen. Auch Verstopfungen an Abwasserdruckleitungen wurden als mögliche Folge genannt.

Die betrieblichen Gegenmaßnahmen sind bekannt, verursachen aber zusätzlichen Aufwand:

  • vorsorgliche Spülungen an bekannten Geruchs-Hotspots,
  • zusätzliche Kanalnetzspülungen bei zunehmenden Ablagerungen,
  • gezielte Zudosierung bei H2S-Problemen,
  • engere Beobachtung von Übergabepunkten und kritischen Gefällestrecken,
  • schnelle Reaktion auf Bürgerbeschwerden.

Praxisfazit: Wo Geruchs-Hotspots bekannt sind, sollten Abwasserbetriebe nicht erst auf Beschwerden warten. Angepasste Spülpläne und eine gezielte Überwachung können helfen, kritische Situationen frühzeitig zu entschärfen.

Regenbecken und Gewässer reagieren sichtbar

Rückhaltebecken: Amphibienfahrzeug schöpft Algen ab

Auch Regenbecken können bei geringer Wasserführung und hohen Temperaturen schnell an ihre Grenzen kommen. Teilnehmer berichteten von einer deutlich verschlechterten Wasserqualität und teilweise starkem Algenwachstum. In einem Fall musste zur Beseitigung der Algen ein Spezialfahrzeug eingesetzt werden.

Gleichzeitig steigt die Belastung der Vorfluter. Niedrige Wasserstände verringern die Verdünnung, hohe Temperaturen verschärfen die ökologische Situation. Trockenheit wird damit nicht nur zu einer Betriebsfrage, sondern auch zu einer Frage des Gewässerschutzes.

Wasser wird zur knappen Betriebsressource

Ausgerechnet dann, wenn mehr gespült werden muss, kann die Verfügbarkeit von Wasser eingeschränkt sein. Im Strategiedialog wurden unter anderem Probleme mit Brunnen und Brunnenpumpen, eingeschränkte Möglichkeiten zur Wasserentnahme aus Gewässern und mögliche Entnahmeverbote während ausgeprägter Trockenperioden genannt.

Damit entsteht ein Zielkonflikt: Der betriebliche Wasserbedarf steigt, während die verfügbare Wassermenge sinkt. Für die Zukunft wird deshalb entscheidend sein, Betriebswasser zu speichern, mehrfach zu nutzen und Trinkwasser dort zu ersetzen, wo dies technisch und rechtlich möglich ist.

Hitze betrifft Menschen und Technik

Die Hitze macht nicht am Kanalschacht halt. Teilnehmer berichteten von einzelnen hitzebedingten Krankmeldungen – sowohl beim Betriebspersonal als auch in Verwaltungsbereichen. Fehlende oder noch nicht flächendeckend vorhandene Klimatisierung verschärft die Belastung.

Als geeignete Maßnahmen wurden diskutiert und teilweise bereits umgesetzt:

  • frühere und flexiblere Arbeitszeiten,
  • zusätzliche oder angepasste Pausen,
  • ausreichende Flüssigkeitsversorgung,
  • Beschattung von Arbeitsplätzen und Fahrzeugen,
  • klimatisierte Fahrzeuge und Räume,
  • Homeoffice bei geeigneten Tätigkeiten,
  • Nachtarbeit bei lärmunempfindlichen Arbeiten,
  • konsequenter Sonnen- und UV-Schutz,
  • stärkere Sensibilisierung für Hitzeschutz und Flüssigkeitsaufnahme.
Arbeitskleidung im Sommer: soll vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen

Arbeitskleidung im Sommer: soll vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen

Bei der Arbeitskleidung bleibt ein Zielkonflikt: Sie muss gleichzeitig vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen, angenehm zu tragen sein und je nach Einsatz weitere Anforderungen erfüllen. Langärmlige UV-Schutzkleidung wird bislang nicht von allen Mitarbeitern akzeptiert. Der Strategiedialog zeigte deshalb auch Bedarf für einen stärkeren Austausch mit Herstellern und für praxisgerechte Lösungen.

Neben den Mitarbeitern müssen Fahrzeuge, elektrische Anlagen und Betriebsmittel vor Hitze geschützt werden. Beschattung, Markisen, Klimaanlagen, helle Fahrzeuglackierungen und der Schutz temperaturempfindlicher Technik sollten künftig bereits bei der Beschaffung berücksichtigt werden.

Vom Reagieren zur Vorsorge

Spülen, wenn es riecht. Algen entfernen, wenn das Becken kippt. Pausen verlängern, wenn die Hitze da ist. Solche Reaktionen bleiben notwendig. Der Strategiedialog machte aber deutlich: Abwasserbetriebe brauchen zusätzlich eine vorausschauende Strategie.

Betriebswasser speichern und intelligent einsetzen

Rückhaltungen und Zisternen können Wasser für spätere betriebliche Aufgaben verfügbar machen. Diskutiert wurden außerdem die Anpassung von Spülplänen an die Wasserverfügbarkeit, wassersparende Verfahren wie Schwallspülungen, intelligente Kanalnetzsteuerungen sowie automatisierte Drosseln an Rückhaltebecken. Regenwasser sollte nicht nur zurückgehalten, sondern – wo sinnvoll – später gezielt genutzt werden.

Trockene Sommer: Stadtentwässerungen unter Druck

Gut vorbereitet? Nicht nur Starkregen, sondern auch große Hitze und trockene Sommer belasten die Infrastruktur

Sensorik, Digitalisierung und KI für die Frühwarnung nutzen

Kontinuierliche Messungen können helfen, früher zu handeln. Genannt wurden Sensoren zur Überwachung von Sauerstoffgehalten in Regenbecken und Teichen, automatisierte Warnungen bei kritischen Messwerten, KI-gestütztes Fremdwassermonitoring, die Beobachtung von Methanemissionen sowie eine automatisierte Anlagensteuerung.

Das Ziel ist ein Perspektivwechsel: Maßnahmen sollen möglichst nicht erst nach Beschwerden oder Störungen eingeleitet werden, sondern auf Grundlage messbarer Entwicklungen.

Abwasser als Ressource einplanen

Langfristig soll aufbereitetes Abwasser stärker als Ressource betrachtet werden. Denkbar sind die Nutzung für Bewässerungszwecke und Kanalspülungen, zusätzliche Speichermöglichkeiten und eine Verringerung des Trinkwasserverbrauchs im Betrieb.

Als Praxisbeispiel wurde der Rheinpark in Duisburg genannt. Dort wird die urbane Vegetation bislang mit Brunnenwasser bewässert. Perspektivisch soll aufbereitetes Wasser aus einer Kläranlage für eine Tropfbewässerung genutzt werden. Solche Vorhaben zeigen, wie Stadtentwässerung, Grünflächenpflege und Klimaanpassung zusammengedacht werden können.

Schwammstadt, Wasser und Energie verbinden

Begrünter Mittelstreifen zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in Bochum

Wasser vor Ort speichern: Blau-grüne Infrastruktur verbindet Starkregen- und Trockenheitsvorsorge. Solche Praxisbeispiele macht das KomNetABWASSER für kommunale Betreiber sichtbar und diskutierbar.

Die Schwammstadt speichert Regenwasser dort, wo es fällt, und macht es für Vegetation und Stadtklima nutzbar. Weitere strategische Ansätze aus dem Dialog waren Photovoltaik zur Eigenversorgung, Energierückgewinnung, die Verbindung von Wärmepumpen- und Abwassertechnik sowie Maßnahmen zur Verringerung thermischer Belastungen in Gewässern.

Die zentrale Botschaft lautet: Wasser, Energie, Gewässerschutz und Betrieb sollten nicht getrennt geplant werden. Gerade bei Neubau und grundlegender Erneuerung von Anlagen lohnt es sich, Speicher-, Wiederverwendungs- und Energieoptionen frühzeitig mitzudenken.

Vom Strategiedialog zum gemeinsamen Arbeitsprogramm

Der Strategiedialog war als Auftakt gedacht. Genau hier liegt eine Stärke des KomNetABWASSER: Der Austausch endet nicht mit der Veranstaltung. Das IKT wertet die Hinweise der Betreiber aus, bündelt den fachlichen Bedarf und kann gemeinsam mit interessierten Betrieben daraus Arbeitshilfen, Seminare, vertiefende Workshops oder Betreiberprojekte entwickeln. Aus der Diskussion ergeben sich insbesondere folgende Themen:

  • Hitzecheck für Abwasserbetriebe: Was sollte jeder Betrieb vorbereitet haben?
  • Hitzeschutz für Mitarbeiter: Wie werden Einzellösungen zu einem belastbaren Standard?
  • Geruch und Ablagerungen: Welche Maßnahmen wirken an welchen Hotspots?
  • Fremdwasser und Grundwasser: Wie lässt sich Trockenheitsvorsorge strategisch mitdenken?
  • Wasserverfügbarkeit: Welche Speicher- und Wiederverwendungslösungen sind praxistauglich?
  • Betreiberprojekt: Welche Fragestellungen sollten interessierte Abwasserbetriebe gemeinsam bearbeiten?

KomNetABWASSER: Rückhalt, Fachwissen und Weiterbildung

Mehr als 200 Abwasserbetriebe sind bereits Teil des Kommunalen Netzwerks. Sie erhalten Rückhalt in der Gruppe, können fachliche Fragen direkt in die IKT-Leitthemen einbringen und profitieren von technischer und organisatorischer Beratung. Das Arbeitsprogramm wird mit den beteiligten Betrieben abgestimmt.

Portrait von Serdar Ulutaş

Dr.-Ing. Serdar Ulutaş, IKT, leitet das Netzwerk Unternehmensführung im KomNetABWASSER
eMail: mitmachen@komnetabwasser.de

Zum Netzwerk gehören außerdem die kostenfreie Teilnahme aller Mitarbeiter der teilnehmenden Abwasserbetriebe an den IKT-Seminaren, regelmäßige Austauschformate und Unterstützung bei der Entwicklung praxistauglicher Lösungen für Technik, Betrieb und Organisation. Auch der Strategiedialog „Trockenheit und Hitze“ war für Teilnehmer des KomNetABWASSER kostenfrei.

Leistungen des KomNetABWASSER kennenlernen und mitmachen

Kontakt zur fachlichen Vertiefung:
Dr.-Ing. Serdar Ulutaş, MBA
IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur
Telefon: 0209 17806-32
E-Mail: ulutas@ikt.de

Arbeitskleidung im Sommer: soll vor UV-Strahlung und Verletzungen schützen

Strategiedialog „Trockenheit und Hitze“ im KomNetABWASSER: Übersicht er Ergebnisse

Fazit: Trockenheit gehört in die Betriebsplanung

Trockenheit und Hitze haben viele Gesichter: mehr Ablagerungen und Geruch, belastete Regenbecken, knapperes Betriebswasser, gesundheitliche Belastungen und steigende Anforderungen an Fahrzeuge und Technik. Eine einzelne Patentlösung gibt es nicht.

Entscheidend ist ein Bündel aus angepasstem Betrieb, konsequentem Hitzeschutz, ausreichender Wasserbevorratung, gezieltem Monitoring und langfristiger Ressourcenplanung. Wer bekannte Hotspots kennt, Wasserverfügbarkeit frühzeitig prüft und Vorsorgemaßnahmen im Betrieb verankert, kann schneller reagieren – und bleibt auch in langen Trockenperioden handlungsfähig.

Der Strategiedialog macht zugleich den Nutzen des KomNetABWASSER sichtbar: Aus vielen kommunalen Einzelerfahrungen entsteht ein gemeinsames Lagebild. Das IKT bringt seine wissenschaftliche, technische und organisatorische Kompetenz ein, ordnet die Erkenntnisse und unterstützt die Betriebe dabei, daraus belastbare Lösungen für den Betriebsalltag zu entwickeln.

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